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Demenz aus Buddhistischer/Spiritueller Sicht.

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Re: Demenz aus Buddhistischer/Spiritueller Sicht.

Beitragvon Sherab Yönten » 2. Februar 2015 10:44

Danke für den Tipp Ayu ! Ich werde wahrscheinlich die Sendung aufnehmen oder später in der Mediathek schauen (Nur am Rande: Mein Tipp für heute Abend ist die HR1 Lounge im Radio: Aufzeichnung des letzten Bob Marley Konzerts). Ich würde den Film als Tragikomödie einstufen.
Ich glaube, die Schwiegertochter hatte ihren dementen Schwiegervater sogar einmal eine Ohrfeige gegeben weil sie überfordert war. Der Sohn (gespielt von Till Schweiger) hat versucht, die Demenz seines Vaters zunächst komplett zu verdrängen. Ein wenig unrealistisch war die Rolle der Enkelin (Emma Schweiger, sehr gute schauspielerische Leistung !), die alleine mit ihrem dementen Opa einen Ausflug mit der Bahn nach Venedig machte. Eigentlich war es sogar die Enkelin, die ihren Arzt fragte was Demenz eigentlich ist und so bekam der Zuschauer eine sehr gute kindgerechte Erklärung dieser Krankheit geliefert.
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Re: Demenz aus Buddhistischer/Spiritueller Sicht.

Beitragvon Ayu » 2. Februar 2015 15:02

Ah, dann ist der Film wenigstens in Ahnlehnung an so manche Realitäten... Na, ein Dokumentarfilm sollte es ja auch nicht sein.
Das Problem bei überforderten pflegenden Angehörigen ist aber leider, dass es mit einer einzeln ausgerutschten Hand und einer kitschigen Versöhnung nicht getan ist. Es ist ein tagtägliches Überfordertsein, weil die Probleme auch nicht weniger werden im Laufe der Zeit, sondern das Ausmaß der Krankheit immer mehr zunimmt. Hinzu kommt die persönliche Sorge um den geliebten alten Menschen und die Angst vor dem eigenen Versagen - und die monetäre Komponente. Manche Familien rechnen mit dem Pflegegeld... Druck von allen Seiten.
Meine Verwandten haben die Oma am Ende bei jedem Essen angeschrien: "Schluck jetzt endlich." Weil sie vergessen hatte wie man isst.

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Re: Demenz aus Buddhistischer/Spiritueller Sicht.

Beitragvon Fre13nds » 10. Mai 2015 20:37

Hey Leute :D
Aus eigener Erfahrung muss ich sagen das Demenz Kranke sehr schwierig sind.Z.B mein Opa wurde immer mehr in ein Stadium eines Kleinkindes versetzt. Mir fiel auch auf das er an den Erinnerungen festhielt die ihm wichtig wahren ,die eher unwichtigen blendetete er einfach aus. Was ziemlich erstaunlich ist ,dass er (er war über zeugt er Christ )sich immer mehr und mehr auf das spirituelle konzentrierte und hinein steigerte.So war er zwar in körperlicher Verfassung eines Kleinkindes ,sein Geist war aber auf "Hochtouren".Er blendete immer mehr das Umfeld aus ,dafür konnte er aber immer noch halb klare gedankenschlüsse im bezug auf Religion ziehen.
Liebe Grüße Tim
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Re: Demenz aus Buddhistischer/Spiritueller Sicht.

Beitragvon Wanderer » 11. Mai 2015 12:48

Hi !

Es gibt da eine (leider englische) Diplomarbeit von einer Susan McDonald, mit dem Namen "The role of Buddhist practices in connecting with people with dementia". Die gesammte Arbeit ist 53 Seiten lang. Bei interesse bitte per pm melden.


Hier etwas zum Thema von einem "Lama Zopa Rinpoche"...vielleicht noch bessser als die Diplomarbeit, weil praktisch anwendbar

Link: http://www.lamayeshe.com/index.php?sect ... &chid=1238

Zitat:

"...Now, regarding your husband’s Alzheimer’s disease. He should do meditation every day on the deity Dorje Namjom and recite the mantra 50 times. This is a deity for purifying pollution of people, houses, monasteries, areas, cities, and negative thoughts and immoral actions, as well as broken or degenerated samayas, and heavy negative karma that pollutes a place, a whole area, and then makes many people get sick, with contagious diseases..."




LG,
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Re: Demenz aus Buddhistischer/Spiritueller Sicht.

Beitragvon Ayu » 11. Mai 2015 13:41

Wanderer hat geschrieben:
Link: http://www.lamayeshe.com/index.php?sect ... &chid=1238

Zitat:

"...Now, regarding your husband’s Alzheimer’s disease. He should do meditation every day on the deity Dorje Namjom and recite the mantra 50 times. This is a deity for purifying pollution of people, houses, monasteries, areas, cities, and negative thoughts and immoral actions, as well as broken or degenerated samayas, and heavy negative karma that pollutes a place, a whole area, and then makes many people get sick, with contagious diseases..."


Bei solchen Zitaten darf man aber nicht vergessen, dass es ein persönlicher Ratschlag an diese individuelle Person (und dadurch auch eine Energieübertragung an diese und nicht unbedingt auch an andere) ist - es ist kein dringend allgemeingültiger Hinweis für alle und jeden. Ich würd's also mit der Haltung lesen: "Aha, interessant."

Aber was dem einen sein Dorje Namjom ist, mag dem anderen Mahakala, Amithaba, Bhaisajyaguru oder Tara sein. Die Buddhas sind eh alle hilfreich.

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Re: Demenz aus Buddhistischer/Spiritueller Sicht.

Beitragvon voom » 11. Mai 2015 14:01

Guter Hinweis Ayu; es gibt ja nicht nur eine Ursache für Demenz, schon gar nicht auf karmischer Ebene, auch wenn es teilweise auf körperlicher Ebene so aussehen kann. So ein Yidam ist dann nicht wie ein Medikament in der Medizin, sondern zielt auf die karmischen Ursachen hab. D.h. so ein Ratschlag eines Lamas ist wie Ayu richtig sagt wirklich erstmal nur für die Person von Bedeutung, die gefragt hat. In diesem Fall scheinen die Umgebungsbedingungen sehr schwierig zu sein, aber nicht leicht ihnen zu entgehen. Also muss die Umgebung gereinigt / befriedet werden, um zumindest diesen negativen Einflussfaktor zu vermindern.
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Re: Demenz aus Buddhistischer/Spiritueller Sicht.

Beitragvon Igor » 6. Juni 2015 10:50

voom hat geschrieben:Demenz kann für die Betroffenen selbst wohl durchaus eine Gnade sein. Für die Umwelt, die da mitspielen muss, sieht das natürlich meist anders aus.


Ja, voom, nach dem Schlaganfall mein Vater ist dement geworden. Also die progressierte vaskuläre Demenz. Aber was ist für mich damit auffalllend, weiss du? Er hat keine innere Unruhe mehr, keine Anhaftungen, er, so man könnte es ausdrücken, mit dem eigenen Los sich selbst versöhnte. Früher er wollte die Welt verändern, er hat die immmnse Anspruchhhaltung, jetzt er ist irgendwie in der eigenen Mitte, wie in der eigenen Existenz "geerdet". Wahrscheinlich, er leidet nicht, leiden nur die Angehörige.
Ich rate dir und euch allen, wer für diese Thematik wirklich interessiert, unbedingt den Film "Das Leben ohne Gestern" schauen. Besonders das Finale nach meiner Ansicht nach, klingt wirklich buddhistisch.

Wenig später zieht Lydia zu ihrer Mutter, um sich um sie zu kümmern. Sie liest ihr ein Gedicht vor, fragt sie nach ihrer Meinung dazu und ob sie wisse, wovon es handelt. Nach einigen Momenten und mit sichtlicher Anstrengung erwidert Alice nur ein Wort – Liebe.


Entnommen aus:

http://de.wikipedia.org/wiki/Still_Alic ... ne_Gestern


LG.

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Re: Demenz aus Buddhistischer/Spiritueller Sicht.

Beitragvon Ayu » 6. Juni 2015 12:46

Igor hat geschrieben:Er hat keine innere Unruhe mehr, keine Anhaftungen, er, so man könnte es ausdrücken, mit dem eigenen Los sich selbst versöhnte

Ja, tatsächlich, so war es bei meiner Mutter auch. Sie wurde ganz milde. Sogar vergaß sie einfach das Rauchen. Sie war Jahrzehnte lang eine abhängige Raucherin gewesen und qualmte alles voll, wo sie auch nur saß und stand. Dann hat sie es von einem Tag auf den anderen einfach vergessen und nie wieder vermisst.
Das fand ich, selber damals Raucherin, ganz bemerkenswert, phänomenal!

Aber diese Auswirkung der Demenz ist auch nur individuell karmisch bedingt, es ist nicht allgemein üblich, dass Demente friedlich werden. Ich sah in dem Pflegeheim viele Leute, bei denen die Demenz sehr unangenehme Aspekte verstärkt hat: Ängste, Halluzinationen, Paranoia, Aggressionen. Das war ganz schön schlimm.
Auch meine Mutter hatte einmal einen Aggressionsanfall und schlug einer Mitbewohnerin eine Ohrfeige, weil sie sich verarscht fühlte. Sie wusste zwar nicht, welches Jahr wir hatten, aber wenn jemand fies oder nett war, hat sie das ohne Einschränkungen klar wahrgenommen.

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Re: Demenz aus Buddhistischer/Spiritueller Sicht.

Beitragvon voom » 6. Juni 2015 12:57

Off Topic
Ayu hat geschrieben:Sie war Jahrzehnte lang eine abhängige Raucherin gewesen und qualmte alles voll, wo sie auch nur saß und stand. Dann hat sie es von einem Tag auf den anderen einfach vergessen und nie wieder vermisst.

So viel zur Bedeutung der körperlichen Abhängigkeit. Mind over matter :)


Ayu hat geschrieben:Aber diese Auswirkung der Demenz ist auch nur individuell karmisch bedingt, es ist nicht allgemein üblich, dass Demente friedlich werden. Ich sah in dem Pflegeheim viele Leute, bei denen die Demenz sehr unangenehme Aspekte verstärkt hat: Ängste, Halluzinationen, Paranoia, Aggressionen.

Ja genau, individuell karmisch. Das denke ich auch. Vermutlich kommt vieles hoch, was vorher lange gedeckelt wurde. Und das ist vielleicht auch die "karmische Funktion" der Erkrankung: wenn diese Aspekte des Geistes noch im Leben wieder zum Vorschein kommen, nimmt man weniger Ballast mit in den Tod.
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Re: Demenz aus Buddhistischer/Spiritueller Sicht.

Beitragvon Ayu » 6. Juni 2015 14:00

voom hat geschrieben:... Vermutlich kommt vieles hoch, was vorher lange gedeckelt wurde. Und das ist vielleicht auch die "karmische Funktion" der Erkrankung: wenn diese Aspekte des Geistes noch im Leben wieder zum Vorschein kommen, nimmt man weniger Ballast mit in den Tod.

Ja, wow, das ist ein interessanter Aspekt.
Denn ich hatte als Tochter den ganz klaren Eindruck, dass sie diese 10 Jahre des langsamen Abschieds brauchte, wünschte, und dass es nicht anders sein durfte. Sie brauchte ganz genau diese lange Zeit.

Es gab ja mal diese unsägliche Diskussion, ob Leute nicht entscheiden dürften, ihr "unwürdiges" Leben vorzeitig zu beenden. Sicherlich gibt es da Einzelfälle, wo das berechtigt sein mag. Aber meine Mutter hätte sicherlich gern verfügt: "Gebt mir die Kugel, bevor Ihr mich in so einem Pflegeheim vor mich hin vegetieren lasst!"
Aber ich meine, sowas kann man nicht für sich im Vornherein verfügen, denn man kennt die Person nicht, die man sein wird, und auch nicht die zukünftige Situation. Nichts gegen vernünftige Patientenverfügungen, überhaupt nicht, aber man muss da schon klug sein und gut überlegen.

Edit:
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Hihihi, seit der Neuregelung über den Status lese ich jetzt immer im Augenwinkel anstatt: "Schreibt viel"
"Ayu
Schreibt zu viel", denn die Omzeichen lesen sich ohne Brille wie "zu".
"Ayu, schreibt zu zu zu zu viel." :lol:

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