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Formen von Mitgefühl

Erfahrungen, Erlebnisse und Begegnungen

Formen von Mitgefühl

Beitragvon Turmalin » 24. Februar 2015 16:52

Tobias hat geschrieben: Mitgefühl und Verständnis zu entwickeln.

Ich war mal in einer Situation, wo mir klar wurde, dass Mitgefühl nur heißen kann, dass ich mich zurückziehe. Und zwar war es so: Mein Ex und ich waren befreundet, unsere Tochter war 8 und wir verbrachten viel Zeit zu dritt. Dann hatte mein Ex eine neue, ernsthafte Beziehung. Die Frau knallte Türen usw, wenn ich da war, obwohl ich ganz freundlich war. Es war klar, dass kein Raum da gewesen wäre für die neue Liebe, wenn ich weiter da gesessen hätte. Ich habe mich also zurückgezogen. Für meine Tochter hat es sich dann zum Schlechteren entwickelt, aber nicht ganz schlecht. Ich hätte aber allen Anlass gehabt, mir einzureden, dass ich doch gebraucht werde, dass die 3er Situationen doch nötig sei für unsere Tochter..... Sie haben dann auch Sachen zu dritt unternommen mit meinem einzigen Kind. Ich war nicht dabei. Mein Kind mochte die Frau, die mich nicht mochte.
Es hat sich nicht schön angefühlt, diese Form des Mitgefühls entwickeln zu müssen. Da konnte ich mir so gar nicht einreden wie wichtig ich wäre. Es war aber die Erfahrung einer neuen Form des Mitgefühls.
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Turmalin » 25. Februar 2015 08:30

es hat mit unterscheidender Weisheit zu tun, dass man erkennt, welche Form des Mitgefühl in bestimmten Situationen weiterbringt. Es wird noch andere Formen geben, außer "kümmern" und " sich zurückziehen"- wobei ich denke, vielleicht sind das eher der Ausdrucks-Formen des Mitgefühls, denn das Mitgefühl bleibt im Kern ja immer gleich.
Mir fällt da noch der "heilige Zorn" ein....
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Sherab Yönten » 25. Februar 2015 08:53

Die "höchste" Form von Mitgefühl hat für mich mit Leerheit zu tun.
Wer keine Idee von Leerheit hat, der hat die Illusion, dass alle Phänomene inhärent existieren,
insbesondere die Idee von einem selbst bezogenen Ego wird dadurch aufgebauscht.
Aus dieser falschen Sichtweise entsteht viel Leid, so dass Mitgefühl für die Personen, die Leerheit
noch nicht erkannt haben, die höchste Form von Mitgefühl ist.
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Turmalin » 25. Februar 2015 09:37

Sherab Yönten hat geschrieben:Die "höchste" Form von Mitgefühl hat für mich mit Leerheit zu tun.

also ich kriege das meistens nicht hin, ein Bisschen vielleicht....im Grunde, in der beschriebenen Situation, war das nur eine Vorübung. Ich habe mich äußerlich so verhalten, als ginge es nicht um mich. Innerlich habe ich aber gelitten, das zeigt, dass ich es nicht realisiere. Ringu Tulku Rinpoche empfielt das aber: Wenigsten äußerlich so zu tun, als hätte man Mitgefühl, irgendwie muss man ja anfangen...
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Sherab Yönten » 25. Februar 2015 09:47

Turmalin hat geschrieben: Ringu Tulku Rinpoche empfielt das aber: Wenigsten äußerlich so zu tun, als hätte man Mitgefühl, irgendwie muss man ja anfangen...


Dagyab Rinpoche spricht in diesem Zusammenhang, dass sich das Mitgefühl und auch Bodhicita zunächst "künstlich" anfühlen.
Vielleicht meint Ringu Tulku Rinpoche das auch so ähnlich wenn er empfiehlt, äußerlich so zu tun als ob....
Dieses künstliche Gefühl von Mitgefühl ist ganz natürlich wenn man Leerheit noch nicht realisiert hat, aber wer hat das schon ?
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Turmalin » 25. Februar 2015 10:12

Sherab Yönten hat geschrieben:
Turmalin hat geschrieben: Ringu Tulku Rinpoche empfielt das aber: Wenigsten äußerlich so zu tun, als hätte man Mitgefühl, irgendwie muss man ja anfangen...


Dagyab Rinpoche spricht in diesem Zusammenhang, dass sich das Mitgefühl und auch Bodhicita zunächst "künstlich" anfühlen.
Vielleicht meint Ringu Tulku Rinpoche das auch so ähnlich wenn er empfiehlt, äußerlich so zu tun als ob....
Dieses künstliche Gefühl von Mitgefühl ist ganz natürlich wenn man Leerheit noch nicht realisiert hat, aber wer hat das schon ?

ja, das ist wohl ein Thema in "normalen" Teachings. Das hat auch mit dem Punkt zu tun, wo du manchmal fragst: "Ja, lasst ihr denn den Boddhichitta-Gedanken jetzt ganz fallen?" -Nein, aber irgendwann fällt das einfach weg, dass man das künstlich erlebt und dann redet man auch nicht immer drüber. Jeder muss sich da selbst einschätzen, bzw das tut der Meister. Man muss sich hier im Forum einfach drauf verlassen, dass die Leute schon klar kommen mit ihrem Weg. Ich brauche die künstliche Erinnerung an Boddhichitta schon noch, daher habe ich einen Lehrer und es gibt eben Texte und angeleitete Meditationen und da wird es immer wiederholt. Bloß brauche ich das auch nicht immer, also ich denke nicht, dass ich mich zum ganz fetten Ego entwickle, wenn ich hier auch mal so diskutiere, dass man davon ausgeht, dass das Wohl der Wesen das selbstverständliche Ziel ist. Ich nehme es hier einigen eben auch ab, das spontan entstehende Mitgefühl zu verwirklichen. Man kann ja auch nicht von Leuten erwarten, Leerheit NICHT realisiert zu haben. ;)
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Sherab Yönten » 25. Februar 2015 12:23

Auch eine Form von Mitgefühl: Mitgefühl kann man auch sich selbst gegenüber entwickeln.
Meta Meditation fängt ja auch immer mit sich selbst an, dann mit einem Freund, einer neutralen Person, einen Feind bis hin zu allen fühlenden Wesen im Universum :)
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon voom » 25. Februar 2015 12:38

Sherab Yönten hat geschrieben:Mitgefühl kann man auch sich selbst gegenüber entwickeln.
Meta Meditation fängt ja auch immer mit sich selbst an, dann mit einem Freund, einer neutralen Person, einen Feind bis hin zu allen fühlenden Wesen im Universum :)

Das ist ja der sehr angenehme Unterschied zwischen Mitgefühl und Altruismus.
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Sherab Yönten » 13. März 2015 08:33

Turmalin hat geschrieben:meiner Meinung nach ist dazu die Unterscheidung zwischen dualem und non- dualen Mitgefühl sehr wichtig.
Das Problem ist, dass ich nur dieses Video dazu habe:


Video direkt über Youtube aufrufen
"this is the exclusiv Mahayana Compassion"- ich verstehe das so, dass nur diese Form des Mitgefühls das Mitgefühl ist, welches im Mahayana gemeint ist. Er nennt diejenigen, denen duales Mitgefühl entgegengebracht wird, die Opfer eures Mitgefühls ( Victims of your compassion).


Das möchte ich hier aus einem anderen Thread noch mal aufgreifen.
Nach meinem Standpunkt sind beide Formen von Mitgefühl (also sowohl "duales" als auch "nicht- duales") "Mahyana-Compassion".
Die eine Form (dual) ist Mitgefühl auf der relativen Ebene,
die andere Form (nicht -dual) ist Mitgefühl auf der absoluten Ebene.
Beide Ebenen sind jedoch gleich wichtig und haben zum Ziel, alle Lebewesen aus dem Daseinskreislauf zu befreien, daher sind beide Formen "Mahyana-Compassion".
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Turmalin » 13. März 2015 10:25

es gibt eben die Ansicht, dass duales Mitgefühl genauso wenig irgend wen aus dem Daseinskreislauf befreit, wie alle anderen Handlungen, die im dualen Geisteszustand geschehen. Von diesen tut man auch genug, also es ist nicht schlechter, als andere duale Handlungen. Man muss es nur auch nicht speziell üben.
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon voom » 13. März 2015 13:32

Ich denke dass es immer besser ist, positive Handlungen zu vollziehen als negative, auch wenn sie komplett dual sind. Das hilft den Wesen, denen man keinen Dharma lehren kann, durchaus, stellt bessere Bedingungen und verbessert auch die eigenen Bedingungen für die Praxis. Wenn Dein Karma so wäre, dass Du kaum arbeiten musst, um reichlich Geld zu haben - und Du wärest klar in Deiner buddhistischen Motivation, würde das Freiraum für die Praxis schaffen.

Worum es in solchen Unterscheidungen geht ist die innere Einstellung und dass man als Bodhisattva weiss, dass im Zweifel nicht-duale "Handlungen" effektiver oder stärker sind, da wo sie möglich sind. "Alles ist die Kunst des Möglichen", man versucht es erst mit der höchsten Sicht und geht dann "runter" bis zu der bestmöglichen Handlung, die man wirklich umsetzen kann. Und dann ist auch eine Handlung aus "dualem Mitgefühl" eine Handlung aus Bodhicitta.
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Emaho » 13. März 2015 17:45

Wie würdet ihr den Unterschied zwischen Mitgefühl und bodhicitta beschreiben?
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Sherab Yönten » 13. März 2015 18:51

Emaho hat geschrieben:Wie würdet ihr den Unterschied zwischen Mitgefühl und bodhicitta beschreiben?


@ Emaho,

hier http://anfaengergeist.net/bodhicitta-t392.html
gab es schonmal mehrere, lesenswerte Beiträge zum Thema Bodhicita !

Das Verhältnis der 4 Unermässlichen (liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude, Gleichmut) zu den 6 Paramitas ist mir auch noch nicht so ganz klar. Liebende Güte ist für mich der Wunsch, dass alle Wesen glücklich sein mögen und im Besitz der Ursachen des Glücks, Mitgefühl ist für mich der Wunsch, dass alle Wesen frei sein mögen von Leid und von den Ursachen des Leids). Ich sehe es so, dass Mitgefühl in den 6 Paramitas sowieso immer enthalten ist.
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon voom » 13. März 2015 19:29

Emaho hat geschrieben:Wie würdet ihr den Unterschied zwischen Mitgefühl und bodhicitta beschreiben?

Mitgefühl ist die Empfindung an sich und Bodhicitta die Motivation, Buddhaschaft zum Nutzen der Wesen zu erlangen.
Ich verstehe die Frage schon, der Unterschied ist vielleicht mehr systematisch. Sprich, in welchem denkerischen Bezugsrahmen man sich gerade befindet.
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Emaho » 14. März 2015 10:05

Sherab Yönten hat geschrieben:Das Verhältnis der 4 Unermässlichen (liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude, Gleichmut) zu den 6 Paramitas ist mir auch noch nicht so ganz klar. Liebende Güte ist für mich der Wunsch, dass alle Wesen glücklich sein mögen und im Besitz der Ursachen des Glücks, Mitgefühl ist für mich der Wunsch, dass alle Wesen frei sein mögen von Leid und von den Ursachen des Leids). Ich sehe es so, dass Mitgefühl in den 6 Paramitas sowieso immer enthalten ist.


Meine Schulung ist das Lamrim, ich habe es so verstanden: Ein Bodhisattwa geht auf seinen zwei Beinen auf dem Pfad. Mit dem rechten Bein geht er auf dem Methodenpfad. Methode ist das Praktizieren der Paramitas, mit Ausnahme der Weisheit. Mit dem linken Bein geht er auf dem Weisheitspfad, das heißt er schaut zu, dass er die Weisheit von der Abwesenheit innewohnender eigenständiger Existenz aller Phänomene, erkennen und erfahren kann, das 6. Paramita.
Mitgefühl ist in den 6 Paramitas insofern enthalten, als Mitgefühl die Empfindung ist, die bodhicitta hervorruft. Ein bodhisattwa ist man erst, wenn man bodhicitta erzeugt hat. Und erst als bodhisattwa geht man den Weg der Paramitas. Also ist Mitgefühl in den Paramitas enthalten, so wie du es sagst, weil ohne Mitgefühl wäre der bodhisattwa kein bodhisattwa und wäre nicht auf dem Pfad der Paramitas.

Die 4 Unermesslichen sehe ich intuitiv im Zusammenhang mit Buddha Maitreya. Vielleicht sind die 4 Unermesslichen das Resultat davon, wenn man eine gute Weile auf dem Pfad der Paramitas gewandert ist. Scheint mir logisch. Vielleicht aber sind die 4 Unermesslichen einfach eine Lehre aus einer anderen Schule? Letztlich sind es "nur" Worte - leer von eigenständiger Existenz ;)
EMAHO!

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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Ayu » 14. März 2015 11:42

Emaho hat geschrieben:Die 4 Unermesslichen sehe ich intuitiv im Zusammenhang mit Buddha Maitreya. Vielleicht sind die 4 Unermesslichen das Resultat davon, wenn man eine gute Weile auf dem Pfad der Paramitas gewandert ist. Scheint mir logisch. Vielleicht aber sind die 4 Unermesslichen einfach eine Lehre aus einer anderen Schule? Letztlich sind es "nur" Worte - leer von eigenständiger Existenz ;)

Die Vier Unermesslichen sind ja Geisteshaltungen, die man gleich von Anfang an übt.
Soweit ich weiß, haben sie ihren (oder einen) Ursprung in einem Palisutra, wo der Buddha seinem Sohn Rahula etwas erklärt, nachdem er irgendwelche Enttäuschungen erlebt hatte oder etwas unachtsam getan hatte. Sorry, die einführende Rahmengeschichte ist mir nicht mehr gegenwärtig.
Jedenfalls ergibt sich daraus die Belehrung über Liebe (Metta), Mitgefühl (Karuna), Mifreude (Mudita) und Gleichmut (Upekha) - und der Ratschlag, dass Rahula diese Vier entwickeln soll.

Edit: Hab was dazu gefunden:
Über die vier Unermesslichen http://www.palikanon.com/wtb/brahmavihara.html
Über die Entwicklung der Vier http://www.palikanon.com/visuddhi/vis09.html

Na, die Geschichte, die ich meinte, finde ich nicht. Hab ich wohl in Thich Nath Hanh's "Wie Siddharta zum Buddha wurde" gelesen. :shrug:

Mögen alle Wesen die Ursachen des Glücks realisieren.
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Re: Formen von Mitgefühl

Beitragvon Sherab Yönten » 15. März 2015 16:22

Emaho hat geschrieben:Ein Bodhisattwa geht auf seinen zwei Beinen auf dem Pfad. Mit dem rechten Bein geht er auf dem Methodenpfad. Methode ist das Praktizieren der Paramitas, mit Ausnahme der Weisheit


Weisheit ist auch ein Paramita !

Emaho hat geschrieben:Also ist Mitgefühl in den Paramitas enthalten, so wie du es sagst, weil ohne Mitgefühl wäre der bodhisattwa kein bodhisattwa und wäre nicht auf dem Pfad der Paramitas.


Man übt sich in den 4 Unermesslichen aber doch auch schon vorher (wie Ayu schreibt), man muss nicht erst Bodhisattva sein, um sie anzuwenden.

Emaho hat geschrieben:Die 4 Unermesslichen sehe ich intuitiv im Zusammenhang mit Buddha Maitreya.


Warum Maitreya ?

Emaho hat geschrieben:aber sind die 4 Unermesslichen einfach eine Lehre aus einer anderen Schule?


Ich denke, sie sind auch mit verantwortlich für das Erzeugen des Erleuchtungsgeistes.
Sie sind sogar neben der Zufluchtnahme ein Teil jeder Sadhana, die ich bisher kennengelernt habe, also gehören definitiv zum Vajrayana.
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