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Haus der Stille

Erfahrungen, Erlebnisse und Begegnungen

Haus der Stille

Beitragvon Klara » 27. Mai 2015 11:49

Ich hatte während einer Schweigewoche
eine einschneidende Erfahrung während der Kontemplation.


Ich befand mich mit Jesus Christus im Garten Gethsemane
und empfand sein Leid MIT.
Soviel Tränen habe ich in meinem ganzen Leben nicht geweint
und in einer EINZIGEN war meine Liebe zu IHM.


Ich fühlte mich in der Einsamkeit, Hilflosigkeit völlig
alleingelassen von seinen Jüngern, die nicht eine Stunde mit ihm
wachen konnten, obwohl er sie darum gebeten hatte -
letztendlich die Nicht-Anwesen-heit Gottes als das NICHTS.


Als er dies feststellte und es auch kein Ent-rinnen gab,
ließ er sich zur Schlachtbank führen.

Eine völlige und absolute Aufgabe seiner Selbst
in die Unvermeidlichkeit
nicht des Todes (das ist weniger schlimm),
sondern die Ferne und Unnahbarkeit des Vaters .


:(
Es kursiert das Gerücht, ich hätte Gott gefunden. Ich denke, das ist unwahrscheinlich, weil ich genug Schwierigkeiten habe, meine Schlüssel zu finden; und es gibt empirische Beweise, dass diese existieren."
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Re: Haus der Stille

Beitragvon voom » 27. Mai 2015 11:54

Wie würdest Du den Unterschied zwischen diesem Mitleid und dem buddhistischen Konzept von Mitgefühl beschreiben? Oder siehst Du keinen Unterschied?

Ich bin irritiert darüber, Jesus einerseits als "Bodhisattva" empfinden zu wollen, auf der anderen Seite aber als so menschlich leidend dargestellt zu sehen, was aus buddhistischer Sicht nicht wirklich zusammenpasst.
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Re: Haus der Stille

Beitragvon Klara » 27. Mai 2015 12:09

voom hat geschrieben:Wie würdest Du den Unterschied zwischen diesem Mitleid und dem buddhistischen Konzept von Mitgefühl beschreiben? Oder siehst Du keinen Unterschied?

Mitgefühl ist mir zu theoretisch,
das kann ich zu jedem Menschen entwickeln oder auch nicht, ist eher harmlos nach dem Motto:
"Was Du nicht willst das man Dir tut, das füg auch keinem anderen zu"
Da gibt es einen Abstand für mich.
Freundlichkeit und Anstand gehören dazu und ist selbstverständlich für mich, obwohl ich
im Inneren manchmal ganz anders denke. Mitgefühl ist eher ein Entwicklungsprozess . . .


voom hat geschrieben:Ich bin irritiert darüber, Jesus einerseits als "Bodhisattva" empfinden zu wollen, auf der anderen Seite aber als so menschlich leidend dargestellt zu sehen, was aus buddhistischer Sicht nicht wirklich zusammenpasst.

Christus war leidend und dieses LEID habe ich mitempfunden,
Dies ist für mich und ich kann hier nur über mich
sprechen eine Erfahrung, die mich immer tief bewegt !
Auf der anderen Seite ist er Gottes Sohn, ein Teil aus ihm, also ein Bodhisattva.
DAS bereitet mir enorme Schwierigkeiten, daß diese Lehre der Liebe gemordet wurde.
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Re: Haus der Stille

Beitragvon Klara » 27. Mai 2015 12:20



Diesen Thread habe ich eröffnet,
weil ich immer, nehme ich mir eine Auszeit und
begebe mich in o.g. Haus, etwas Inneres erlebe.

leider konnte ich aus finanziellen Gründen
mir diesen Luxus in letzter Zeit nicht leisten.
Ich zehre sozusagen aus Vergangenem,
was aber für mich sehr wichtig war und ist.

Nächste Woche fahre ich nach Schweden
und erlaube mir eine 3-täge Wanderung
in die Einsamkeit der schwedischen Wälder.
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Re: Haus der Stille

Beitragvon voom » 27. Mai 2015 12:28

Diesen Thread habe ich eröffnet,
weil ich immer, nehme ich mir eine Auszeit und
begebe mich in o.g. Haus, etwas Inneres erlebe.

Ich hoffe das ist ok, wenn ich meine Gedanken dazu aufschreibe? Damit will ich Dir Deine Erfahrung in keiner Weise nehmen oder sie abwerten, was ja in Bezug auf den persönlichen Bezug auch gar nicht möglich ist. Ich versuche zu verstehen, was es ist, was daran so vielen Menschen offenbar so tröstlich ist!

Klara hat geschrieben:Mitgefühl ist mir zu theoretisch,
das kann ich zu jedem Menschen entwickeln oder auch nicht, ist eher harmlos nach dem Motto:
"Was Du nicht willst das man Dir tut, das füg auch keinem anderen zu"
Da gibt es einen Abstand für mich.
Freundlichkeit und Anstand gehören dazu und ist selbstverständlich für mich, obwohl ich
im Inneren manchmal ganz anders denke. Mitgefühl ist eher ein Entwicklungsprozess . . .

Hmm, ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich so stimmt. Ich empfinde Mitgefühl, vor allem wenn ich es meditativ erfahre, zutiefst berührend. Nur eben nicht leidvoll. Das ist für mich etwas, das mich besonders fasziniert: wie man gleichzeitig zutiefst vom Leid, einer Person, der Welt, berührt sein kann, ohne selbst zu leiden. Mir sind da regelmäßig die Tränen in Strömen übers Gesicht gelaufen. Es ist aber mehr wie diese Tränen, die man hat wenn man positiv gerührt ist. Man fühlt sich gleichzeitig gestärkt davon und kann handeln, wenn es möglich ist, etwas zu tun.

Christus war leidend und dieses LEID habe ich mitempfunden,
Dies ist für mich und ich kann hier nur über mich
sprechen eine Erfahrung, die mich immer tief bewegt !
Auf der anderen Seite ist er Gottes Sohn, ein Teil aus ihm, also ein Bodhisattva.
DAS bereitet mir enorme Schwierigkeiten, daß diese Lehre der Liebe gemordet wurde.

Ich kann das so verstehen, dass indem er sich einerseits so menschlich zeigt, und andererseits als göttlich, dass man verstehen kann, dass man selbst, obwohl man so menschlich ist, man auch göttlich ist. Auf der anderen Seite ist der Buddhismus eben ausdrücklich, wenn man überhaupt irgendwas pauschal darüber sagen kann, die Lehre von der Überwindung des Leids. Und aus dem Blickwinkel würde es mir nicht viel bringen, ein Vorbild zu haben, das ich mir als tatsächlich leidend vorstelle. Ich rede von mir!

Ein wenig kann ich mich dem annähern, wenn ich mir vorstelle, dass es tröstlich sein kann sich im eigenen Leid einem göttlichen Wesen nahe zu fühlen. Aber dass dieses Wesen der Auslöser oder die Quelle oder das Vorbild dieses Leids sein sollte, das irritiert mich.

Als ich in einer bestimmten esoterischen Szene unterwegs war, hatte man auch ein ganz anderes Bild von Jesus. Bilder von ihm am Kreuz oder gar mit blutendem Herz waren nicht gern gesehen. Es ging eher um den bereits aufgestiegenen Jesus, das Christusbewusstsein. Den, der alles menschliche Leid bereits überwunden hat.
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Re: Haus der Stille

Beitragvon Klara » 27. Mai 2015 22:57


Guten Abend voom,

Deine Gedanken haben mich berührt, sehr sogar !

Nun, bei mir ist es eben so, daß ich das Leid und die Trübsal
dieser Welt nicht überwinden kann, im Gegensatz zum Buddhismus.
Mir ist bekannt, daß dies die Lehre des Buddhas ist.

Natürlich wird der leidende Christus nicht gerne integriert -
bei mir ist das anders.
Ich bleibe am Kreuz stehen; die Auf-Erstehung oder
Wiedergeburt im Geiste ist weit weg.

Ich erlebe und empfinde diese Welt als leidvoll und in tiefer Trübsal,
weil sich die Menschheit von Gott abgewendet hat und in der Materie
zu versinken scheint . . .
Mir spendet gerade der leidende Christus Trost und gibt mir die Kraft
die dunkelsten Stunden, die Nacht der Seele, vielleicht zu überwinden.
Seine Liebe zu uns, vollbracht in seiner kurzen Zeit in dieser Welt
und der bedingungslose Schritt, sich dem Willen des Vaters zu beugen,
ist mir Vorbild.
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Re: Haus der Stille

Beitragvon asoka » 27. Mai 2015 22:59

Klara wie difinierst du Gott?
Was ist Gott für dich?
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Re: Haus der Stille

Beitragvon Klara » 27. Mai 2015 23:05

asoka hat geschrieben:Klara wie difinierst du Gott?
Was ist Gott für dich?


Asoka, DAS ist eine schwierige Frage.

... aber ich kann es dann doch wieder
einfach mit den Worten meines Herrn Jesus beantworten:

"Wer mich sieht, sieht den Vater,
der Vater und ich sind eins"

In Jesus hat Gott sich in die Materie begeben
und ist Fleisch geworden;
den Naturgesetzen unterworfen wie wir.

Nur auf dem Weg über Jesus kann ich überhaupt eine Vorstellung von Gott entwickeln;
sonst wäre mir DAS nicht möglich !


:rose:
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Re: Haus der Stille

Beitragvon asoka » 27. Mai 2015 23:07

Meine Sicht ist Jesus der Mensch und Christus das Bewusstsein.
Ähnlich Sid. der Mensch und Buddha das Bewusstsein.

Gott kommt Shunyata gleich.

Gott ist nur ein Begriff für das unerklärbare nur erlebbare.

Wie eben Shunyata auch.

Ich persönlich finde OM als treffensten Begriff.

Ein Zeni würde Mu sagen.

Aber so hat jeder die Wahl sich an einen Strohhalm zu klammern.

Im Grunde nur erlebbar.
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Re: Haus der Stille

Beitragvon Tobias » 27. Mai 2015 23:53

Klara hat geschrieben:

Nun, bei mir ist es eben so, daß ich das Leid und die Trübsal
dieser Welt nicht überwinden kann, im Gegensatz zum Buddhismus.
Mir ist bekannt, daß dies die Lehre des Buddhas ist.

Natürlich wird der leidende Christus nicht gerne integriert -
bei mir ist das anders.
Ich bleibe am Kreuz stehen; die Auf-Erstehung oder
Wiedergeburt im Geiste ist weit weg.

Ich erlebe und empfinde diese Welt als leidvoll und in tiefer Trübsal,
weil sich die Menschheit von Gott abgewendet hat und in der Materie
zu versinken scheint . . .
Mir spendet gerade der leidende Christus Trost und gibt mir die Kraft
die dunkelsten Stunden, die Nacht der Seele, vielleicht zu überwinden.
Seine Liebe zu uns, vollbracht in seiner kurzen Zeit in dieser Welt
und der bedingungslose Schritt, sich dem Willen des Vaters zu beugen,
ist mir Vorbild.


Warum solltest du das Leid der Welt, dass du wahrnimmst nicht überwinden können. Auch oder gerade weil du Christin bist kannst du das doch tun. Indem du dich Jesus bzw. Gott hinwendest. Warum sollte dein Leid im christlichen Sinne gerechtfertigt sein. Glauben/Spiritualität ist doch die Auseinandersetzung mit der Schrift und ihre Transzendierung in eigene Erfahrung.Eines meiner größten spirituellen Vorbilder ist Martin Luther. Nicht dass ich den Evangelismus gegenüber den Katholizismus als besser empfinden würde. Aber ich habe tiefen Respekt vor Luther, der in einer Zeit wo das Christentum in einer Krise war sich einschloss um den Glauben neu zu erfahren ihn neu zu erarbeiten. Das Ergebnis dieses spirituellen Prozesses teilt er mit der ganzen Welt.

Klara, wenn du die Welt als leidvoll empfindest, liegt das nicht daran, dass du die Botschaft Gottes in diesem Moment nicht verstehst? Sicher Gottes Wege sind unergründlich, und dennoch ist es möglich einzelnen Momenten einen subjektiven höheren Sinn zu verleihen. Das ist doch die Arbeit die ein Christ zu tun hat. Und woher willst du wissen, ob der einzelne Mensch den du leiden siehst sich von Gott abgewendet hat? Das weiß nur Gott.
Wir sind das, was wir denken. Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt. Sprich und handle mit reiner Gesinnung Und Glück wird dir folgen, wie dein unteilbarer Schatten.
Buddha Gautama


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Re: Haus der Stille

Beitragvon Klara » 28. Mai 2015 00:05

Auszug aus Tobias Beitrag
Und woher willst du wissen, ob der einzelne Mensch den du leiden siehst sich von Gott abgewendet hat? Das weiß nur Gott.

Da hast Du recht !
Wir haben eine Gemeinsamkeit -
bin ebenfalls Luther-Fan.

Ich bin nicht die üblich zu verstehende Christin,
mich hätte die Kirche schon als Ketzerin auf dem Scheiterhaufen gebracht.
oder wie E. Drewermann exkommuniziert.
Zum Glück bin ich nicht katholisch, bin Lutherisch-protestantisch.
Tja, und ich knabbere hart an Gottes Wort und mein Verstand
macht schlapp vor der Lehre . . .

Weder glaube ich an die Jungfrauengeburt noch an sonstige Wundertätigkeiten.
Gottes Wille sind für mich die Naturgesetze
Ursache und Wirkung
Saat und Ernte.


:angel:
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Re: Haus der Stille

Beitragvon voom » 28. Mai 2015 00:10

Es wird ja auch seinen Grund haben, dass Du die Nähe zum Buddhismus suchst...

Ich fand immer, dass (mystisches) christliches Denken sich gut durch Elemente aus dem Buddhismus ergänzen lässt...
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