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Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsicht?

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Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsicht?

Beitragvon sunretam » 12. September 2015 22:13

Liebe Leute,

schon lange bin ich auf der Suche nach einer Antwort, wie massenhafte Mantrarezitation zu Mitgefühl und Einsicht in die Leerheit führen soll. Viele Lehrer habe ich schon gefragt, aber die Antworten drehten sich immer im Kreis.
Nur Lama Rinchen gab mir eine Antwort über den Zusammenhang, die teilweise für mich plausibel war, aber das war auch nicht hundertprozentig eindeutig.

Mir ist es wichtig, was die massenhafte Mantrarezitation im Gehirn "macht" - was Neuroforscher dazu herausgefunden haben.
Meine diesbezügliche Google-Suche führte zu keinem Ergebnis. Doch ich weiß, dass auf diesem Gebiet viel geforscht wird, auch Tanja Singer befasst sich sehr mit Empathie in der Hirnforschung. Leider werde ich trotzdem nicht richtig fündig.

Gibt es hier jemanden, der mir per Link einen Tipp geben könnte?

Falls Ihr wissen wollt, warum ich das frage:
massenhafte Mantrarezitation ist bei mir nur ein Geratter im Kopf, bzw. fördert das allgemeine Empfinden von Geratter. Ich vermute, dass mir während meiner kurzen Zeit bei den Hare Krishnas vor vierzig Jahren dieses Geratter einen Knacks versetzt hat.
Ein mir bekannter buddhistischer Lehrer äußerte neulich, mit unmäßiger Mantrarezitation könne man leichter eine Trance erzeugen, was aber nicht unser Ziel sei, als zu Mitgefühl und zur Einsicht in die Leerheit zu gelangen.

Nun haltet Euch bitte nicht zu lange auf mit Erklärungen und Belehrungen, wie ich etwas verbessern könnte,
sondern schickt mir lieber Links, bevorzugt aus der Neuroforschung.

Vielen Dank im Voraus

sunretam
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon Ayu » 12. September 2015 22:19

Ich würd's lieber ausprobieren, anstatt Wissenschaftsartikel zu lesen.
Wenn ich wissen will, wie eine Tomate schmeckt, les ich ja auch kein Buch über die Inhaltstoffe und Wirkungsweisen. :shrug:

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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon sunretam » 12. September 2015 22:37

Hallo Ayu,

hast Du nur oberflächlich über meine Ausführung hinweggelesen?

LG - s.

(P. S. ...und bitte nur ernst gemeinte Antworten, vielen Dank im Voraus!)
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon Tobias » 12. September 2015 22:52

sunretam hat geschrieben:Hallo Ayu,

hast Du nur oberflächlich über meine Ausführung hinweggelesen?

LG - s.


hmm,
naja bevor ich mich in irgendwelche Link-Recherchen stürze, würde ich gerne wissen, was das für ein Knacks war? Wie genau äußert sich das für dich? Es ist wahrscheinlicher, dass man im Bereich spirituelle Krisenbewältigung oder Verarbeitung von spirituellen Erlebnissen eher zu einem Ergebnis kommt, als über blanke Linkverteilung. Du bist bestimmt nicht der einzige Mensch, der diese Art Knacks jemals erlebt hat.

Wenn du möchtest kann ich das Thema auch in den sicheren Raum verschieben.

Liebe Grüße
Tobias
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon sunretam » 12. September 2015 23:05

Hallo Tobias,

es ist nicht so kompliziert, wie Du vielleicht denkst.
Der Knacks besteht darin, die Mantra-Massen als Geratter zu empfinden. Weiter nichts.
Auch keine spirituelle Krise. Sondern einfach nur Geratter.

Wir neigen dazu, vieles überzuinterpretieren. Aber es ist einfach nur wie es ist, nicht mehr und nicht weniger.

Darum bleibt mir als Einziges, einen Hinweis zu finden, wie Mantra-Geratter zu Mitgefühl und Einsicht in die Leerheit führen kann, hirnphysiologisch betrachtet.

LG - s.
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon voom » 12. September 2015 23:16

Mir ist dazu speziell keine Forschung oder Studie bekannt, und ich kenne ein paar Forscher aus dem Bereich Meditationsforschung. Wenn dann glaube ich auch nicht, dass so ein isolierter Aspekt einer ganzheitlichen Meditationsmethode einfach neurophysiologisch auf seine Wirkung hin untersucht werden kann. Zum Mantra gehört ein Bild und ein Gefühl und normalerweise auch eine Meditation wo man das vertieft, was man in dem Zusammenhang empfindet usw. usf. Jemand der nicht regelmäßig die Meditation macht wird nicht die gleiche Wirkung haben. Dann wäre zu vermuten, dass das Mantra vor allem die Energie und Sicht der formellen Meditation in den Alltag einwebt, also sozusagen wie ein Schlüssel zu diesem Energiefeld wirkt. Mit dem Schlüssel allein kann man aber die Wirkung eines hinter der Tür befindlichen Raums nicht erklären.
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon sunretam » 12. September 2015 23:44

Vielen Dank, voom.

Dazu möchte ich ergänzen, dass ich im Gespräch mit anderen Mit-Adepten schon häufig gehört habe, sie bevorzugen das Mantrarezitieren, da sie mit der Visualisation Schwierigkeiten haben.
sie sehen das also als Entweder-Oder.

LG - s.
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon sunretam » 12. September 2015 23:55

Und es gehört zwar nicht zu meiner ursprünglichen Frage,
aber interessanterweise kann ich noch hinzufügen, dass Männer meistens sehr viel mehr Schwierigkeiten haben zu visualisieren, nicht nur was die Formen betrifft, sondern auch die Farben. Allenfalls das Rot gelingt ihnen noch am besten.
Für mich sehr erstaunlich.

Vielleicht können sie dafür besser mit Mantras umgehen oder empfinden eher etwas dabei,
sofern man ein Fan von Entweder-Oder ist. Mit anderen Worten, klappt das Eine nicht, dann hoffentlich das Andere.

Aber ich habe Euch gebeten nicht abzuschweifen, und ich will es auch nicht gerade, also lasse ich es gut sein mit dieser einzigen Nebenbemerkung.

LG - s.
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon voom » 13. September 2015 00:42

Zumindest in den tibetischen tantrischen Meditationen wird versucht alle Ebenen auf einmal anzusprechen, da ist es mehr ein sowohl-als-auch. In der formellen Meditation jedenfalls. Im Alltag hängt es für mich mehr von der Situation ab, welches Mittel ich verwende. Beim Autofahren sind Mantras praktisch, aber Visualisierungen sollte man tunlichst sein lassen, die Augen gehören auf die Strasse gerichtet...
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon Ayu » 13. September 2015 09:18

sunretam hat geschrieben:Hallo Ayu,

hast Du nur oberflächlich über meine Ausführung hinweggelesen?

LG - s.

(P. S. ...und bitte nur ernst gemeinte Antworten, vielen Dank im Voraus!)


Ja, stimmt. Sorry. Der Ansatz kam mir so sinnlos vor, dass ich gar keine Lust hatte mich da hinein zu vertiefen.
Ich habe auch keine neurologischen Studien zu bieten, nur jahrelange Erfahrung am eigenen Leib bzw Geist. Die sind mir allerdings so kostbar, dass ich sie nicht einfach so herzeige.

Tschulligung.

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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon Sherab Yönten » 13. September 2015 10:42

sunretam hat geschrieben:schon lange bin ich auf der Suche nach einer Antwort, wie massenhafte Mantrarezitation zu Mitgefühl und Einsicht in die Leerheit führen soll


Hallo sunretam,

Den nachfolgenden Link hast Du wahrscheinlich schon gelesen, oder ?

https://de.wikipedia.org/wiki/Mantra

Im buddhistischen Kontext bedeutet Mantra also: Schutz des Geistes !
Ein Mantra zu rezitieren ohne eine tantrische Grundlage zu haben, macht jedoch keinen Sinn. Praktizierst Du Tantra ? Wenn ja, dann wüsstest Du, dass der tantrische Buddhismus sich tendenziell als "Geheimlehre" begreift, so dass es nicht verwunderlich ist, dass es dazu noch keine westliche Forschungen gibt geschweige denn Links, die im Internet zu finden sind. Wenn nein, dann würde ich Dir empfehlen, Dich ernsthaft mit Tantra auseinanderzusetzen, vielleicht kannst Du nach einer gewissen Zeit der Praxis Deine Frage selbst
beantworten :)
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon asoka » 13. September 2015 10:46

sunretam hat geschrieben:Liebe Leute,

schon lange bin ich auf der Suche nach einer Antwort, wie massenhafte Mantrarezitation zu Mitgefühl und Einsicht in die Leerheit führen soll. Viele Lehrer habe ich schon gefragt, aber die Antworten drehten sich immer im Kreis.
Nur Lama Rinchen gab mir eine Antwort über den Zusammenhang, die teilweise für mich plausibel war, aber das war auch nicht hundertprozentig eindeutig.

Mir ist es wichtig, was die massenhafte Mantrarezitation im Gehirn "macht" - was Neuroforscher dazu herausgefunden haben.
Meine diesbezügliche Google-Suche führte zu keinem Ergebnis. Doch ich weiß, dass auf diesem Gebiet viel geforscht wird, auch Tanja Singer befasst sich sehr mit Empathie in der Hirnforschung. Leider werde ich trotzdem nicht richtig fündig.

Gibt es hier jemanden, der mir per Link einen Tipp geben könnte?

Falls Ihr wissen wollt, warum ich das frage:
massenhafte Mantrarezitation ist bei mir nur ein Geratter im Kopf, bzw. fördert das allgemeine Empfinden von Geratter. Ich vermute, dass mir während meiner kurzen Zeit bei den Hare Krishnas vor vierzig Jahren dieses Geratter einen Knacks versetzt hat.
Ein mir bekannter buddhistischer Lehrer äußerte neulich, mit unmäßiger Mantrarezitation könne man leichter eine Trance erzeugen, was aber nicht unser Ziel sei, als zu Mitgefühl und zur Einsicht in die Leerheit zu gelangen.

Nun haltet Euch bitte nicht zu lange auf mit Erklärungen und Belehrungen, wie ich etwas verbessern könnte,
sondern schickt mir lieber Links, bevorzugt aus der Neuroforschung.

Vielen Dank im Voraus

sunretam



Also ich kann dir nur aus meiner Erfahrung erzählen und mir geraten wurde.
Das was du aus der Krishna Tradition erzählst kann ich nachvollziehen den das Ziel ist ja ein anderes als im Buddhismus.
Genauso das dies immer noch nachschwingt verstehe ich auch und kenne das aus meiner Erfahrung mit einer anderen Hindu Tradition.

Man hat sich ja geprägt im Geist.

Was aus meiner Sicht einer der grössten Unterschiede ist das man im Buddhismus das Mantra achtsam verwendet.

Achtsam jede Silbe verwenden, über die Bedeutung reflektieren oder als Ersatz für das Shamatha auf den Atem allein.

Meist eignen sich zwei Silbige Mantren gut.

Einatmen Karmapa , ausatmen Chenno.

Zum Beispiel.

Also ich würde sagen das Mantra ist das was du daraus machst und keine Zauberformel.

Es ist so eine Art Schweizertaschenmesser.

Geratter ist es nicht weil es das ist sondern weil du es dazu machst.

Sinnvoll ist es nicht weil es das ist sondern du gibst diesen Sinn.

Es liegt in deiner Hand und nicht in der Hand des Lehrers denn er ist nur der Werkzeuggeber.

Könnte mir aber vorstellen das ist auch nicht was du wissen wolltest.

Aber dann solltest du konkreter fragen den dazu müsste man mehr hintergrund wissen.

Gruss asoka
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon sunretam » 15. September 2015 08:42

Hier noch mal zur Erinnerung:


sunretam hat geschrieben:Liebe Leute,

schon lange bin ich auf der Suche nach einer Antwort, wie massenhafte Mantrarezitation zu Mitgefühl und Einsicht in die Leerheit führen soll. Viele Lehrer habe ich schon gefragt, aber die Antworten drehten sich immer im Kreis.
Nur Lama Rinchen gab mir eine Antwort über den Zusammenhang, die teilweise für mich plausibel war, aber das war auch nicht hundertprozentig eindeutig.

Mir ist es wichtig, was die massenhafte Mantrarezitation im Gehirn "macht" - was Neuroforscher dazu herausgefunden haben.
Meine diesbezügliche Google-Suche führte zu keinem Ergebnis. Doch ich weiß, dass auf diesem Gebiet viel geforscht wird, auch Tanja Singer befasst sich sehr mit Empathie in der Hirnforschung. Leider werde ich trotzdem nicht richtig fündig.

Gibt es hier jemanden, der mir per Link einen Tipp geben könnte?


Das allein ist es, was ich wissen möchte.

Leider ist dieses Forum zu schwach frequentiert, als dass die Chance besteht, eine qualifizierte Antwort zu erhalten.

Aber dafür könnt Ihr nichts.

Ich danke Euch trotzdem für Eure Bemühungen und wünsche Euch viel Freude bei der spirituellen Praxis.
Vielleicht fällt mir später mal wieder ein anderes Thema ein.

Alles Liebe, sunretam
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon voom » 15. September 2015 11:48

Du hast eine Menge qualifizierte Antworten bekommen, das was Du suchst gibt es vielleicht gar nicht, schon mal daran gedacht? Ich finde es nicht sehr freundlich, in einem Forum erst eine so spezifische Frage zu stellen und dann alle Antworten als "unqualifiziert" abzustempeln. Wenn Du das unter "mir fällt ein Thema ein" verstehst, dann kann zumindest ich persönlich darauf zukünftig gerne verzichten. Denn was soll ich mir Mühe geben mit einer Antwort, wenn ich in der Folge derart herablassend behandelt werde?

Wenn ich nicht schon vorher wüsste, dass aus den hier im Thread genannten Gründen eine derartige Forschung gar nicht existiert, weil es eben mit einem so speziellen Fokus bei diesem Thema schlicht nichts zu holen gibt, hätte ich auch gerne Kontakte zu Forschern herstellen können. Wie ich schon sagte kenne ich mehrere Meditationsforscher an verschiedenen Unis persönlich, darunter auch ein Neurobiologie der die Gehirnwellen von Meditierenden untersucht.

Viele Lehrer habe ich schon gefragt, aber die Antworten drehten sich immer im Kreis.

Auch das könnte daran liegen, dass Du schlichtweg die falschen Fragen stellst ;) Vielleicht drehst Du Dich ja im Kreis?
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon Tobias » 15. September 2015 12:16

Hallo sunretam,
ich versuche mal eine qualifizierte Antwort:

Wenn du sagst, das Forum sei zu klein um eine qualifizierte Antwort zu bekommen überschätzt du aus meiner Sicht die Intelligenz der Masse.

Ich habe dich auch deshalb nach einer spezifizierung deiner Frage gefragt, weil ich wissen wollte worum es dir genau geht.

Ich weiß nicht ob du selbst meditierst, aber deine Fragestellung unterliegt schon einem Annahmefehler. Im Buddhismus gibt es i.d.R, keine Meditation die sich rein auf Mantrarezitation bezieht. Mantra-Rezitation steht im Zusammenhang mit konzentrativer und analytischer Meditation.

Das kann man auch nicht trennen, denn du kannst ja den Leuten nicht sagen, sie sollen über Monate hinweg falsch meditieren. Selbst wenn es also Forschungsergebnisse gäbe, die sich auf Mantra-Meditation beziehen, so könnte man die Ergebnisse dieser Forschung nicht sicher auf die reine Mantra-Rezitation beziehen, denn diese sind verbunden mit Aspekten der konzentrativen und analytischer Meditation.

Ansonsten, wenn du glaubst das Forum sei zu klein um eine gute Antwort zu bekommen, wende dich doch an englisch-sprachige Foren, denn diese scheinen aktiver zu sein als die deutschen Foren. Du kannst hier gerne das Ergebnis deiner Frage mitteilen.

Liebe Grüße
Tobias
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon raterZ » 15. September 2015 13:34

sunretam hat geschrieben:Liebe Leute,

schon lange bin ich auf der Suche nach einer Antwort, wie massenhafte Mantrarezitation zu Mitgefühl und Einsicht in die Leerheit führen soll. Viele Lehrer habe ich schon gefragt, aber die Antworten drehten sich immer im Kreis.
Nur Lama Rinchen gab mir eine Antwort über den Zusammenhang, die teilweise für mich plausibel war, aber das war auch nicht hundertprozentig eindeutig.

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Meine diesbezügliche Google-Suche führte zu keinem Ergebnis. Doch ich weiß, dass auf diesem Gebiet viel geforscht wird, auch Tanja Singer befasst sich sehr mit Empathie in der Hirnforschung. Leider werde ich trotzdem nicht richtig fündig.

Gibt es hier jemanden, der mir per Link einen Tipp geben könnte?


die mantrameditation wirkt deshalb, weil sie eine magische invokation von erwachten bewusstseinen sind - das ist allerdings nichts für die neurowissenschaften, die sich nur auf das gehirn einschießen.
klar hirnströmungsveränderungen wird man sicherlich messen können. die erklären aber gar nichts.
um es mal salopp zu sagen: diese meditationen machen im ganzen energiekörper etwas, und nicht nur im gehirn. das herzchakra ist da bspw. wichtiger, als das kopfchakra.
unsere wissenschaften sind noch lange nicht so weit, solche dinge messen zu können.
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon Wanderer » 15. September 2015 13:44

Hi !

Ich wollte eigentlich eine "längere...bis permenente Auszeit" nehmen, aber ich muß hier doch noch einige Infos da lassen:

@sunretam
Also das was Du suchst, kannst Du so nur in speziellen, wissenschaftlichen Onlineagazinen finden. Kaum bis gar nicht im "freien Internet".
Zum Beispiel in "Pubmed" oder ähnlichen Magazinen...

Grundvorraussetzung ist jedoch, dass du SEHR gut englisch kannst...sonst wird es frustrierend...

Und ja, es gibt die Infos, die Du suchst...zumindest fast genauso..

Ein guter Anfang...ist dieser Blog hier...eine Mischung aus Buddhismus und Medizin.


Link: http://dharmadoctors.org/blog/2010/09/b ... ase-study/


Die Links die speziell zur Bentwortung Deiner Frage abzielen, sind am ehesten diese hier:
Selbst wenn Du nicht GENAU die Antwort erhältst, die Du suchst....viellelicht kannst Du daraus eine "befriedigende Antwort ableiten"...


1.) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20804370 ("Brain activation during compassion meditation: a case study.")


2.) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18835662 ("Effect of compassion meditation on neuroendocrine, innate immune and behavioral responses to psychosocial stress")


3.) http://journals.plos.org/plosone/articl ... ne.0001897 ("Regulation of the Neural Circuitry of Emotion by Compassion Meditation: Effects of Meditative Expertise")


4.) http://sccn.ucsd.edu/~arno/mypapers/del ... tation.pdf ("Integrative Clinical Psychology, Psychiatry and Behavioral Medicine: Perspectives, Practices and Research")


5.) http://nopr.niscair.res.in/bitstream/12 ... 54-161.pdf ("Spectral analysis of the Vedic mantra Omkara")



Wenn man sich einen Zugang kauft, und weiter sucht....findet man mit hoher Wahrscheinlichkeit die Antwortauf Deinen Fragen.



LG,
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon voom » 15. September 2015 14:18

Danke Wanderer, allerdings ist das in der Tat alles auch immer noch sehr unscharf: dass es Studien zur Wirkung von Meditation auf das Gehirn gibt, ist ja unbestritten. Sie will aber ganz exakt wissen "wie massenhafte Mantrarezitation zu Mitgefühl und Einsicht in die Leerheit führen soll" . Das ist aber schon die falsche Fragestellung, weil - zumindest im buddhistisch-tantrischen Kontext - Mantrarezitation allein gar nicht zu solchen Ergebnissen führen soll. Zumindest nicht losgelöst von den anderen Aspekten der Meditation. Dessen sind sich die Wissenschaftler auch bewusst, weswegen sie versuchen einen im Rahmen der wissenschaftlichen Möglichkeiten ganzheitlichen Ansatz zu untersuchen.

Vielleicht wird das an einem Bild besser verständlich: nehmen wir an, es soll untersucht werden, wie Schlüssel und Schloss funktionieren, um eine Tür zu öffnen. Dabei wird aber ein Wissenschaftler sicher nicht die Frage stellen: "wie sorgt wiederholtes Herausnehmen des Schlüssels aus der Handtasche zur Öffnung des Schlosses?" Ähnlich reduziert ist die Fragestellung, die hier präsentiert wurde, so dass es nicht verwundert, wenn diese Frage tatsächlich so nicht erforscht wird.
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon Wanderer » 15. September 2015 15:19

Hallo !

@voom
Ok, dann muß ich "passen", glaub ich...


@sunretam
Meinst Du die "ISKCON Hare Krishna Bewegung" ?
Wenn ja, gut dass Du da weg bist...

Aber der Gott selbst, Lord Krishna ist sehr nett und cool !



LG,
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon voom » 15. September 2015 16:02

Du könntest z.B. mal hier nachfragen, zumindest ob die Leute dort was wissen über weitere Forschung in ihrem Gebiet:
Um diesen versteckten Text lesen zu können, mußt du registriert und angemeldet sein
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon sunretam » 26. Oktober 2015 10:05

voom hat geschrieben:Du hast eine Menge qualifizierte Antworten bekommen, das was Du suchst gibt es vielleicht gar nicht, schon mal daran gedacht? Ich finde es nicht sehr freundlich, in einem Forum erst eine so spezifische Frage zu stellen und dann alle Antworten als "unqualifiziert" abzustempeln. Wenn Du das unter "mir fällt ein Thema ein" verstehst, dann kann zumindest ich persönlich darauf zukünftig gerne verzichten. Denn was soll ich mir Mühe geben mit einer Antwort, wenn ich in der Folge derart herablassend behandelt werde?


Hallo voom, ich bin sehr perplex, dass Du meine Bemerkung als herablassend empfindest.... ich habe nur gemeint, dass dieses Forum zu schwach frequentiert ist, als dass die Chance besteht, dass eine qualifizierte Fachperson das lesen und spezifisch darauf antworten könnte. Ich meine einfach, dass die Wahrscheinlichkeit dazu nicht so groß ist.
Und ich möchte hier richtigstellen, dass ich nie gesagt habe, die Forumsteilnehmer für unqualifiziert zu halten; das ist jetzt Deine Interpretation. Jeder hier ist qualifiziert. Nur eben jeder auf einem anderen Gebiet.

Lieber Wanderer, ganz vielen Dank für die Links; ich bedaure ganz außerordentlich, dass ich mit gehobenen Englisch ganz und gar nicht zurechtkomme. Ich bedaure sehr, dass ich nicht zwei Muttersprachen habe, Deutsch und Englisch. Mein mangelhaftes Englisch hat mich schon oft im Leben gehindert, Türen zu öffnen in Momenten, wo ich froh gewesen wäre, sie öffneten sich.
Auf dem Gymnasium war ich aus verschiedenen Gründen traumatisiert, trotz IQ von 139 (habe ein Jahr vor dem Abi das Handtuch geschmissen und eine Berufsausbildung gemacht), und das ist ein tiefer Graben, den ich nie geschafft habe zu überwinden. Wer weiß, vielleicht war ich auf der falschen Schule? Inzwischen habe ich ein anstrengendes Leben und ich habe es aufgegeben, dieses Defizit zu überwinden und alles nachzuholen. Das schaffe ich in diesem Leben leider nicht mehr.
Ich weiß, Du willst aufrichtig helfen und vielleicht hat es Dir viel Mühe gemacht, diese Links herauszusuchen.
Trotzdem danke für sie alle, schon allein die gute Motivation ist ein unschätzbares Verdienst.
Übrigens, den ersten Link konnte ich nicht öffnen, der Grund war nicht herauszufinden.

Jetzt noch mal an voom:
Ich kann gut verstehen, warum Dir meine Frage als falsch gestellt vorkommt.
Es ist ja nun leider mal so, dass man in der Regel sich hier nicht persönlich kennt, und selbst wenn doch, dann ist die eigene Sicht von jemand anderem immer nur ein Ausschnitt, nie der Kontext.

Selbstverständlich kann man kein Phänomen als eigenständig betrachten. Auch nicht das alleinige Mantrarezitieren.
Bei mir war es in der Tat so, dass ich schon in sehr jungen Jahren zu massenhafter Mantrarezitation animiert wurde, und, lieber Wanderer, das war tatsächlich die Hare-Krishna-Gemeinschaft!
Später vertiefte ich mich wieder in den Buddhismus, wo ich mal mit 13 Jahren angefangen hatte, und arbeitete mich mit den Jahren vom Theravada über Zen bis zum Vajrayana vor, doch Kontakt suchte ich erst sehr spät, nämlich vor ca. 20 Jahren. Ich trat in eine westlich modifizierte Gemeinschaft ein (AMM), vor 11 Jahren trat ich da aus verschiedenen Gründen wieder aus und nahm zuletzt Kontakt auf bei den Karma-Kagyüs, das war vor fast acht Jahren. Nun habe ich das Gefühl, bei denen kann ich bleiben und auch sterben.
Im AMM wurde zwar auch mit Mantras praktiziert, sie wurden als Unterstützung betrachtet. Nie aber wurde das massenhafte Mantrarezitieren kultiviert oder hervorgehoben, sondern es wurde viel Wert auf korrekte Visualisation und damit verbundene innere Verknüpfung gelegt. So hatte ich am Anfang bei den Karma-Kagyüs das Gefühl, dass dieses massenhafte Mantrarezitieren für mich ein Rückschritt statt ein Fortschritt war, denn hier wurde es nun mal kultiviert, in Form von Ngöndro undsoweiter. Ich habe auch die ersten Jahre meinem Lama kaum etwas aus meinem Privatleben erzählt, weil ich dachte, das gehört nicht hierher. So kam es, dass er sich darauf fokussierte, mir die klassische Praxis zu übermitteln, weil er wohl dachte, damit kann man nichts verkehrt machen, wenn man den Menschen noch nicht so gut kennt (aber das ist jetzt nur meine eigene Deutung).
Damit aber wurde meine Meditation ziemlich flach, weil ich mich mit dem Geratter, das ich nicht gewohnt war, künstlich an der Oberfläche hielt, und mich dadurch der vertiefenden Meditation beraubte. Als pflichtbewusster Mensch dachte ich aber, wenn man bei den Karma-Kagyüs eintritt, dann muss man wohl immer durch das Ngöndro durch, egal welche Vorgeschichte man hat, das ist hier wohl so üblich, und wir werden sehen, wie es weitergeht.
Nach einiger Zeit merkte ich aber, dass es so nicht weitergehen kann, und ich begann meinem Lama auch Privates und auch inneres Erleben in diesem Zusammenhang zu berichten. So kam endlich der Durchbruch, indem er mich anwies, das Ngöndro abzubrechen, weil er wohl selbst merkte, dass es nicht das Richtige für mich ist, und gab mir ganz persönliche und individuelle Anweisungen. Ich bin im Nachhinein sehr froh, dass es so gekommen ist.

Und jetzt betrachte ich das Mantrageratter wieder mit natürlichem Abstand und dadurch entstand die Idee dazu, diesen Thread zu eröffnen.

Übrigens, lieber Wanderer, ich wünsche Dir noch eine schöne Auszeit, falls sie noch besteht, und falls Du (eben wegen dieser) dieses überhaupt liest. Alles Liebe!

Liebe und herzliche Grüße an Euch

sunretam
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon sunretam » 26. Oktober 2015 10:12

Nun sehe ich gerade, dass ich ja ganz am Anfang meine kurze Zeit bei den Hare Krishnas schon erwähnt hatte.
Liegt ja auch schon ein bisschen zurück, dass ich das geschrieben habe.
sunretam
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon sunretam » 26. Oktober 2015 10:19

Hier noch schnell ein Gedanke dazu, den ich Euch nicht vorenthalten will.

Nach meinem Empfinden ist die Motivation, vor allem in Form von Vertrauen und Hingabe, insbesondere zum Lehrer, das A und O, in der Meditation stabil zu bleiben. Auch Abschweifungen können zur Stabilität beitragen, indem sie als geschicktes Werkzeug benutzt werden.

Wenn man dann subtil etwas fühlt (Kanäle, Chakras), kommt evtl. ein Mantra ganz natürlich hervor. Aber nicht zwingend oder unter Nachdruck.
Ich weiß nicht, ob ich mich hier verständlich ausgedrückt habe.

Wenn auf diese Weise gute Eindrücke und Gewohnheiten entstehen, wird sich das beispielsweise auch in den Messergebnissen der Hirnphysiologie zeigen, allerdings nicht augenblicklich, sondern bei langfristiger Praxis.

Liebe Grüße, sunretam
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon voom » 26. Oktober 2015 11:28

Auch beim Ngöndro geht es ja nicht allein um "massenhafte Mantrarezitation" nur weil man die Mantras da zählt. Wer das rein als Mantrarattern versteht, ist auf einem Holzweg. Die Ganzheit der Übung soll durch neue Gewohnheitsstrukturen im Geist Grundlagen legen. Um neue Strukturen im Geist auszubilden, ist eine gewisse Qualität an neuer Erfahrung notwendig, oder eine Menge Wiederholungen. Eigentlich kann man im Ngöndro nur schwer ins reine Mantrarattern abgleiten, weil man je nach Übung noch die Verbeugungen macht, die Mandalas aufbaut und verschenkt usw. Bei Diamantgeist hilft die Länge des Mantras mit 100 Silben, nicht ins "Rattern" zu verfallen, sollte es zumindest. Wer dann das Guru Yoga ohne tiefe Hingabe und ordentliche Visualisierung macht, um damit fertig zu werden, sollte am besten gleich nochmal von vorne anfangen.

Es gibt tatsächlich eine Weisheitsgeschichte zu den Verbeugungen, man kann das aber auch auf jede andere Übung übertragen. Der Lehrer gibt es den Schülern die Aufgabe, die Übung 100.000 mal zu machen. 3 von den 4 gehen mit Elan an die Sache heran und übertrumpfen sich täglich damit, wer die meisten Wiederholungen gemacht hat. Der vierte schaut sich das nur an und macht scheinbar gar nichts. Als zum Stichtag die 4 vor dem Lehrer stehen, schauen die 3 verächtlich auf den 4., der in ihren Augen faul war, und machen sich über ihn lustig. Sie prahlen, wer von ihnen die geforderte Anzahl um mehr Wiederholungen sogar übertrumpft hat. Der Lehrer fragt den 4.: was hast Du in der Zeit gemacht? Er sagt: ich habe versucht zu verstehen, worum es geht. Als ich es begriffen habe, habe ich die Übung einmal gemacht und war zufrieden mit dem Ergebnis. Der Lehrer gibt ihm die darauf aufbauende Übung und schickt die anderen 3 los, noch einmal 100.000 der gleichen Übung zu machen, weil sie nichts begriffen haben.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

(Dilgo Khyentse Rinpoche)
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Re: Massenhafte Mantrarezitation=>Mitgefühl+Leerheitseinsich

Beitragvon sunretam » 26. Oktober 2015 12:05

Wie gesagt, voom, als ich somit nachträglich nach so vielen Jahren das massenhafte Mantrarezitieren wieder praktizieren musste, empfand ich es als Rückschritt. Also nachdem ich jahrelang schwerpunkmäßig mehr meditative Vertiefung, wie beschrieben, geübt hatte und Mantras hier und da eher als Unterstützung empfand, bei guter Motivation und Hingabe.
Das Geratter störte einfach meine Vertiefung, die ich inzwischen entwickelt hatte, und so hielt sich das "Ergebnis" künstlich an der Oberfläche. Aber da ich brav bin, habe ich es einfach so gemacht, weil ich dachte, es muss so sein, weil es so vorgegeben ist.
Einmal habe ich auch zum Lama gesagt: ich habe großen Respekt vor dieser alten Tradition und ich möchte durch eigenen Einsatz mithelfen, sie zu bewahren. Ich habe auch, ohne einen Namen zu nennen, eine andere Schülerin mit einem anderen Wurzellama erwähnt, die mit dem Mandala nicht klarkam, aber dann dachte: wenn ich es schon nicht für mich machen kann, dann mache ich es für den Lama! -
Aber da winkte er gleich ab. (Es heißt ja auch, wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben).
Das war in dieser Phase, dass ich das Ngöndro abbrechen sollte.

Übrigens, die Niederwerfungen, die ich mir kompatibel mit dem Mantra machen musste, fand ich gut; das Mandala fand ich sehr umständlich und musste es zwangsläufig abwandeln, damit es für mich praktizierbar wurde.
Aber das alles ist ja nun vorbei.

Nun praktiziere ich wieder im altbewährten Stil (wie bereits oben beschrieben), nur der Schwerpunkt ist ein anderer (bei der Visualisation).

Ich möchte nochmal hervorheben, dass ich durch das Ngöndro, das ich erst spät, also nach Jahren der spir. Praxis, kennengelernt habe, das Mantrarattern sozusagen als aufgestülpt empfunden habe. Bzw. als Fremdkörper, der mich in der meditativen Vertiefung behindert. Tiefe Hingabe kann ich besser entwickeln, wenn ich Stille halte. So ist die Erfahrung.
Was aber ein Mantra nicht ausschließt, doch das muss aus einer natürlichen Empfindung von Hingabe hervor-erscheinen.

Übrigens, das 100-Silben-Mantra des Vajrasattva spricht mehrere elementare Aspekte an. Diese auch mal einzeln zu kontemplieren, ist eine wunderbare Sache. Zum Beispiel: "Du Diamant des Gelöbnisses", "Lass mich standhaft werden", "schenk mir alle Siddhis". Mit diesen einzelnen Aspekten kann man sich durchaus mal während einer Sitzung befassen, also mit einem einzelnen von diesen, was gerade im Vordergrund steht im Leben. Das gibt eine starke Kraft. Und es entwickelt sich dabei meistens mehr, als das Mantra soundso viel zu rezitieren.

Die Weisheitsgeschichte gefällt mir sehr gut. Das ist es ja, worum es geht.

Liebe Grüße, sunretam
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