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Meditation und Gehirn

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Meditation und Gehirn

Beitragvon voom » 28. Juli 2015 00:28

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Re: Meditation und Gehirn

Beitragvon Sister Kinky » 28. Juli 2015 09:19

Danke, das Thema interessiert mich sehr, zumal der Buddhismus für mich mehr eine "Wissenschaft des Geistes", denn eine Religion ist.

Ich habe vor Jahren das Buch Hirnforschung und Meditation - Ein Dialog von Wolf Singer und Matthieu Ricard gelesen, das auch für einen Laien wie mich verständlich ist.

Ein wirklich spannendes Thema, wie ich finde.
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Re: Meditation und Gehirn

Beitragvon Tobias » 28. Juli 2015 09:52

Der Vortrag wurde ja zum Ende nochmal wirklich gut.

Ich fand es nur merkwürdig, als er von Vipassana sprach. Nach dem Motto "da beobachten sie ihren Atem" am Ende hat er die Mediationsformen anders und sinnvoller kategorisiert. Wenn man nämlich so argumentiert wie er es zuerst tat, wäre Vipassana eine reine Achtsamkeitsmeditation, die das bewusstsein auf einen Körpervorgang nämlich den Atem lenkt. Das aber Shamatha. Ich hoffe , die Leute wissen wirklich was sie dort tun, ansonsten interpretieren sie die Ergebnisse falsch.

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Re: Meditation und Gehirn

Beitragvon Tobias » 28. Juli 2015 10:30

Sister Kinky hat geschrieben:Danke, das Thema interessiert mich sehr, zumal der Buddhismus für mich mehr eine "Wissenschaft des Geistes", denn eine Religion ist.

Ich habe vor Jahren das Buch Hirnforschung und Meditation - Ein Dialog von Wolf Singer und Matthieu Ricard gelesen, das auch für einen Laien wie mich verständlich ist.

Ein wirklich spannendes Thema, wie ich finde.


Also ich würde mir zu dem Thema in nächster Zeit keine Literatur kaufen. Ich finde die Meditationsforschung ist dermaßen langsam. Seit Jahren hören wir immer die gleichen Resultate "Meditation hilft stress zu regulieren" "Meditation fördert Aufmerksamkeit", "In der Meditation zeigen sich veränderungen in genau diesen Arealen". Das ist alles Konzeptuelles denken was jetzt auch von der Forschung langsam in Frage gestellt wird.

Wenn man häufig nur Anfänger untersucht, ist es klar dass man diese Veränderungen im Hirn feststellt. Aber Shamatha oder Achtsamkeitsmeditation mache ich doch nicht primär um meine Konzentration oder aufmerksamkeit zu verbessern. Das ist dieses typische Optimierungsdenken. Aber auch in Shamatha und erst recht in Vipassana geht es um eine transzendentale Erfahrung, Das ist das Ergebnis der Meditation. Die Konzentration ist nur eine brücke. Und dann leuchtet im MRT wieder alles mögliche auf und dann haben die Forscher vermutlich schwierigkeiten:)

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Re: Meditation und Gehirn

Beitragvon voom » 28. Juli 2015 12:32

Das mit dem Vipassana kann man ja mal mitteilen. Ich denke, der Grund warum viele Wissenschaftler sich auf diese Sachen konzentrieren, ist dass es der wissenschaftlichen Gemeinde zunächst mal darum geht, wie man die Erkenntnisse in der Medizin und Psychologie verwerten kann. Der Dozent arbeitet ja offenbar an einer Uniklinik. Da geht es rein um die säkulare Nutzung der Erkenntnisse.

Ich habe auch schon Vorträge gehört von anderen Forschern, die durchaus die Gehirnscans Praktizierender auf verschiedenen Ebenen der Verwirklichung verglichen haben. Die Veränderung des Gehirns zwischen Meditationsanfängern und erfahrenen Praktizierenden ist wohl sogar noch größer als zwischen Nicht-Meditierern und Meditationsanfängern.

Eine wirklich umfassende Erforschung spiritueller Erfahrungen wird sich auch weiterhin schwierig gestalten, weil das derzeitige Paradigma der Wissenschaft keinen guten Rahmen dafür setzt. Es würde immer die Messbarkeit der Erfahrung gefordert, damit wird aber auch gleich die Erfahrung auf das Messbare reduziert. Die wirklich interessanten Ebenen des Geistes entziehen sich aber leider dem objektiv Messbaren und bleiben subjektiv.

Es gibt daher sogar Forscher, die eine Ausweitung des Paradigmas fordern, um solche Erfahrungen überhaupt angemessen untersuchen zu können.
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Re: Meditation und Gehirn

Beitragvon Dakini » 29. Juli 2015 08:04

Eine wirklich umfassende Erforschung spiritueller Erfahrungen wird sich auch weiterhin schwierig gestalten, weil das derzeitige Paradigma der Wissenschaft keinen guten Rahmen dafür setzt. Es würde immer die Messbarkeit der Erfahrung gefordert, damit wird aber auch gleich die Erfahrung auf das Messbare reduziert. Die wirklich interessanten Ebenen des Geistes entziehen sich aber leider dem objektiv Messbaren und bleiben subjektiv.


Wie auch schon vom Vortragenden angesprochen, dürfte das Interesse Langzeitstudien zu finanzieren (die grössten Finanzspritzen setzen nunmal die Pharmafirmen ;-) ) eher gering sein.

Interessant ist ja lediglich, dass es tatsächlich messbare Veränderungen gibt, finde ich, als jemand, die versucht keinem Selbstbetrug auf zu sitzen.
Wieweit und wie sehr diese Veränderungen sind, finde ich dagegen eher nebensächlich.
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Re: Meditation und Gehirn

Beitragvon Tobias » 29. Juli 2015 11:22

Dakini hat geschrieben:
Interessant ist ja lediglich, dass es tatsächlich messbare Veränderungen gibt, finde ich, als jemand, die versucht keinem Selbstbetrug auf zu sitzen.
Wieweit und wie sehr diese Veränderungen sind, finde ich dagegen eher nebensächlich.


Naja, aber, dass ist doch auch eine alte Erkenntnis der neurowissenschaft. Wenn man etwas lange genug tut zeigen sich veränderungen im Gehirn. So wie die junge Generation heute häufig in dem Hirn-Arial besonders ausgebildet ist, dass für die Steureung der Hände/des Daumens zuständig, ist weil sie sich so viel mit Smartphone und PC beschäftigen.

Diese Plastizität des Gehirns, ist zwar schon faszinierend, jedoch ist diese Erkenntnis neurowissenschaftlich schon mindestens 10 Jahre alt. Das dieses Phänomen also auch in dieser Studie bestätigt wird,war zu erwarten.
(Sorry, dass ich hier den Miesepeter gebe) ;)

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Re: Meditation und Gehirn

Beitragvon voom » 29. Juli 2015 14:55

Ja es kommt in der Tat darauf an, welche Gehirnpartie und mit welcher - kurzfristigen oder langfristigen - Auswirkung aktiviert wird. Prof. Schmidt forscht da aber meines Wissens auch wesentlich weiter, als er in diesem Laienvortrag weitergeben konnte. Das ja auch ausdrücklich "Meditation und Gehirn" zum Thema hatte. Ich habe neulich den Vortrag eines Neurobiologen gesehen, mit dem er zusammenarbeitet. Da wurde das vertieft. Prof. Schmidt macht eigentlich Achtsamkeitsforschung aus geisteswissenschaftlicher Perspektive, ist selbst kein Neurowissenschaftler.
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Re: Meditation und Gehirn

Beitragvon Igor » 30. Juli 2015 11:23

Über die Neurowissenschaft und die Meditation schreibt sehr gut Jon Kabat-Zinn. (Arbor-Verlag).

http://www.arbor-verlag.de/jon-kabat-zinn


Sehr empfehlensert, aber das Buch wird am Septeber nur erscheinen:

http://www.campus.de/buecher-campus-ver ... -9964.html

LG.

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