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Muss man einer Schule angehören?

Einfache Fragen und Antworten (nicht nur) für Buddhismus-Neulinge

Muss man einer Schule angehören?

Beitragvon Firefly » 6. Februar 2016 02:31

Hallo,

ich weiß die Frage nach der Schule wurde hier schon oft gestellt, aber es ist ja auch immer eine sehr persönliche Entscheidung und individuell zu betrachten. Ich interessiere mich seit ca. 3 Jahren für den Buddhismus, aber habe diesen bislang nur halbherzig ausgeübt (ab und zu mal meditiert, ab und zu mal etwas darüber gelesen). Immer dann wenn es mir mal nicht so gut ging, hat mir diese Lebensweise wieder rausgeholfen. Und wenn es mir dann wieder besser ging, habe ich es nicht mehr beachtet. Damit soll jetzt Schluss sein. Ich möchte diesem Weg folgen und dran bleiben. Weil es meine tiefe Überzeugung ist, dass es MEIN Weg ist.

Aber jetzt wo ich mich intensiver damit beschäftige merke ich, dass allgemein im Buddhismus die Meinung gilt, man müsse sich früher oder später für eine Schule entscheiden. Warum? Momentan lese ich vieles, ohne zu hinterfragen aus welcher Schule es denn kommt. Am meisten berühren mich eigentlich die Videos von Ajahn Brahm (welcher der Theravada Richtung angehört), aber ich denke das liegt einfach viel an seiner Persönlichkeit. Ansonsten weiß ich, dass mich der tibetische Buddhismus eher abschreckt. Nicht unbedingt der Inhalt der Lehre, aber eher dieser Personenkult um einen Lama. Braucht man eine Lehrer? Kann man den Weg nicht auch selbst finden? Ich kann mit dem ganzen "Zauber" drumherum nichts anfangen. Noch dazu kommt, dass in meiner Gegend nur ein einziges Zentrum ist wo ich vorbei schauen könnte (bin nicht sonderlich mobil - Chemnitz) und das ist der Diamantweg nach Ole Nydhahl. Ich will niemanden zu nahe treten, aber ich habe ihn persönlich kennengelernt und er konnte mich nicht berühren um es mal positiv auszudrücken. Insofern denke ich nicht, dass der Besuch dieses Zentrums mir weiterhelfen könnte. ZEN-Buddhismus sagt mir da schon eher zu, aber das ist mir schon fast zu "krass" in die andere Richtung. Ich finde da den Zugang auch nicht. Insofern bleibt jetzt nur noch Theravada übrig oder? :) Aber da weiß ich nicht wohin und wie ich da anfangen soll. Mir scheint das irgendwie eine Richtung zu sein, die nur wenige einschlagen.

Achja: Wer mich auch berührt ist Thích Nhất Hạnh. Und der gehört meines Wissens ja gar keiner Schule an... und wenn ist das irgendeine Mischung aus ZEN, Theravada und seinem eigenen Ding.

Vielleicht kann mir jemand paar Ratschläge geben, was es bringt einer Schule anzugehören. Und vielleicht hat hier ja jemand Erfahrung mit dem Theravada Buddhismus und kann ein wenig davon erzählen, wie es so weiter geht in der Schule als "Anfänger" vor allem wenn in der Nähe kein Zentrum ist, was man sich mal anschauen könnte.
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Re: Muss man einer Schule angehören?

Beitragvon Tobias » 6. Februar 2016 03:06

Hallo Firefly,
Willkommen im Forum
das ist tatsächlich ein schwieriges them innerhalb des buddhismus und besonders innerhalb des Mahayana(hier zähle ich auch Zen dazu) und Vajrayana(also der tib. Buddhismus)

Es ist wirklich eine Philosophie-Frage was man unter einem Lehrer versteht.

Allgemein für alle Schulen gilt dass der Buddha Gautama der Lehrer ist. Das ist mal Minimum. Im Mahayna gibt es mindestens noch Padmasambhava(aus dem tib Buddhismus) und Bodidharma(aus dem Zen) Das sind sozusagen die großen die für die Verbreitung der Lehre des Buddhismus gesorgt haben, und die die Lehre entscheinnd geprägt /verbreitert haben.

Nun hängt es glaube ich von vielen Faktoren ab, zu welchem dieser drei Basis-Figuren mn sich an meisten hingezogen fühlt. Zumal sich die 3 in ihren Kernlehren auch durchaus einig sind.

Grundsätzlich kannst du also auch ohne einen Meister aus dem Theravada Mahayana oder Vajrayana Buddhist sein, indem du Zuflucht zum Buddha seiner Lehre(Dharma) und seiner Gemeinschaft(Sangha) nimmst.




Trotzdem ist dann natürlich die Frage was du genau machen willst. Also wie möchtest du den Buddhismus für dich leben. Und wie glaubst du kannst du Befreiung erlangen? Um das herauszufinden und sich zu erarbeiten ist es meiner Meinung nach unerlässlich sich auf die Lehre eines Buddha zu beziehen.

Jemand der ohne die Hilfe(also die Lehren) eines Buddha erleuchtung/Befreiung erlangen will wird im Mahayana pratyeka-buddha. Dieser Weg gilt im Mahayana als Irrweg und ich finde das richtig, da der Buddha und seine Lehre, absolut notwendige Zufluchtsobjekte sind.

Aber dir ging es ja um den Personenkult der dich abschreckt. Das kann ich nachfühlen. Ich persönlich fühle mich auch keinem einzigen Lehrer zugehörig, Aber ich finde in jeder Schule mindestens 1 Meister der mich tief inspieren kann. Personenkult ist aus meiner sicht nicht angemessen. Das siehst du auch an wirklich großen Mahayana-Praktizierenden wie z.B. Heiligkeit Dalai Lama oder Heiligkeit Sakya Trizin. Diese beiden hochrangigen Praktizierenden des tib. Buddhismus treten sehr bescheiden auf und ich habe nicht den Eindruck, dass sie besondere Verehrung für sich wünschen.

Diese Verehrung geht ja auch immer von zwei seiten aus. Ich meine damit, dass es nicht am Lehrer liegen muss sondern auch an den Schülern und ihrer Interpretation der Lehre.

Ein persönliches Beispiel:
ich war mal bei einem Bön Meister der übers Wochenende in Berlin war. In meinen Augen ist er ein wirklich großer Lehrer. Ich persönlich schätze ihn sehr Zum Abschluss des Seminars folgten Gebete für sein langes Leben(etwas wo ich sagen wir mal unsicher bin ob das einen sinn hat) zum Abschluss bat uns der Veranstalter dass wir uns im Kreis aufstellen und danach zum Pult des Meisters laufen und uns einzeln verbeugen. Die Leute fanden das wohl üblich. Es bringt Verdienste dem Meister zu ehren. Aber in diesem kleinen Zentrum dauert dieser vorgang einfach ne Weil Ich habe den Meister während dieser Ansage beobachtet und er sagte relativ leise(zumindest leiser als die Organisatoren) "ihr könnt auch einfach nur winken und dann gehen". Er tat das in einer herzlichen und freundlichen Art. Die meisten sind dennoch zu ihm gegangen im Kreis weil man es einfach so macht. Ich habe ihn angesehen ihn angelächelt und ihm gewunken.

Ich finde es am wichtigsten dass du die Lehre durchdringst und dass du eine Person(den Lehrer) findest dem du vertraust. Ich habe auch nicht nur einen Lehrer sondern mehrere die ich als meine Lehrer betrachte, weil sie mir ein Vorbild in einigen Dingen sein können.

Edit: in Leipzig gibt es auch Meditationszentren von verschiedenen Traditionen. Aber ich nehme an da kommst du nicht hin oder?

Liebe Grüße
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Re: Muss man einer Schule angehören?

Beitragvon raterZ » 6. Februar 2016 21:20

Ich würd vorschlagen: fang mit den basics an, also theravada. alles andere kann man dann später hinzufügen - denn zen, wie auch vajrayana bauen eigtl. darauf auf.
und für diese basics braucht es keine sangha oder lehrer. besuch mal einen 10 tages vipassana kurs und lies dich durch die materie - und vor allem praktiziere täglich.
offene fragen kann man auch über das internet beantworten.
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
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Re: Muss man einer Schule angehören?

Beitragvon Firefly » 6. Februar 2016 22:57

Danke für eure Antworten :)

Dass der große Lehrer dem man folgt Buddha selbst ist bzw seine Lehre, das ist mir schon klar. Aber das ist für mich auch kein Personenkult in dem Sinne wie es beim tibetischen Buddhismus häufiger der Fall ist. Ich finde auch, dass man sich durchaus von vielen Personen inspirieren lassen kann und es ist schön zu lesen, dass das auch möglich ist, sich da nicht total beschränken zu müssen.

Momentan ist die Beschäftigung mit dem Buddhismus bei mir eher ein wildes Durcheinander von den Grundlagen (8 facher Pfad, 4 edle Weisheiten, 5 Silas) mal abgesehen. D.h. Videos von Ajahn Brahm, Bücher von verschiedenen Autoren (tibetischer Buddhismus und ZEN), irgendwelche Websiten...

Wie ich mir das vorstelle im weiteren Verlauf: Ich befasse mich irgendwie mit den Lehren und finde vielleicht eine Gemeindschaft, die sich ebenfalls damit befasst. D.h. das ganze irgendwie strukturierter angehen. Allerdings sind die "Lehren" im Theravada der Pali Kanon oder? Kann man den überhaupt alleine verstehen? Und wie läuft das genau also dieses "strukturierte" Vorgehen im ZEN und beim tibetischen Buddhismus ab? Oder gibt es das überhaupt nicht und man befasst sich eben spontan mit irgendwas? Tut mir leid, aber ich habe da absolut keine Vorstellungen über die Praxis :shy:

Nach Leipzip / Dresden könnte ich höchstens ab und zu mal fahren, aber auch nicht spät abends (ich komm dann schlecht nach Hause mit dem Zug). Bin jetzt auf die Buddhistische Gesellschaft Leipzip gestoßen, die sich dem Theravada verschrieben hat, aber da scheint bis auf paar Vorträge nichts los zu sein und sie verweisen intern auf der Website auf einen ZEN Meister. Also selbst da komme ich nicht weiter.

Die Richtung Vispassana Meditation würde mich total interessieren. Aber auch hier Fehlanzeige in Chemnitz. Hier gibt es nur so komische Selbstheilungsgruppen, die esoterisch total abgehoben sind (meiner Meinung nach).
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Re: Muss man einer Schule angehören?

Beitragvon Tobias » 6. Februar 2016 23:31

Hallo,
im tib. Buddhismus gibt es einige Studienprogramme die von deutschen Organisationen angeboten werden und wo man auch nicht zwingend vor Ort sein muss um sie zu studieren.

Mit einiger Arbeit kann man sich auch selbst einen Studienkurs und einen Praxiskurs zusammenstellen.

Einen Vipassana-Kurs (nicht so weit weg von dir) gibt es immer mal wieder

hier

Edit:
außerdem gibt es in den verschiedenen Traditionen auch die Möglichkeit eines Fernstudiums. 2016 startet z.B. in der Theravadatradition die buddhistische Online-Akademie. Ich habe mal bei den Veranstalterm nachgefragt und teile dir die Antwort mit, falls ich eine bekomme.

Auch im Mahayana gibt es ein umfangreiches Fernstudium falls du daran intreressiert bist lass es mich wissen. Ich habe die Termine nicht im Kopf, sitze da aber recht nahe an einer möglichen Quelle.

Liebe Grüße
Tobias
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Re: Muss man einer Schule angehören?

Beitragvon Buddhaghosa » 7. Februar 2016 09:39

Hallo,

Schulen sind immer auch Interpretationstraditionen und später entstanden. Warum nicht zumindest teilweise selber lesen, was der Buddha selber gesagt hat. Natürlich kann man nicht zurückgehen zu seiner Zeit. Aber die Lehrreden bringen einen zumindest möglichst nah ran. Und es gibt sie kostenlos, hier auch auf Deutsch: https://suttacentral.net/.

Danach hat man einen (halbwegs) guten Prüfstein für die Interpretationen der unterschiedlichen Schulen. Natürlich sollte man nicht vergessen, seine eigene Interpretation auch stets zu prüfen. Hierbei können dann auch Gruppen unterschiedlicher Schulen helfen. Und vielleicht merkt man auf dem Weg auch: ist doch nicht so mein Weg, was der Buddha so lehrt. Dafür sollte man auch offen sein.

Für ein wenig Struktur hilft vielleicht Bodhis Anthologie. Erhältlich in Buchform auf Deutsch und Englisch. Oder hier http://dhammawheel.com/viewtopic.php?f= ... 40#p279487 mit Verlinkung auf die Lehrreden. Mit 2 Mausklicks ist man i.d.R. bei der deutschen Übersetzung.

Gruß
Florian
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Re: Muss man einer Schule angehören?

Beitragvon Firefly » 9. Februar 2016 01:19

Danke für eure Tipps!

Tobias, sag gerne Bescheid wenn du mehr über diese Online-Akademie im Theravada weißt. Würde mich sehr interessieren :)
Florian, danke für die Links, ich werde mich mal reinlesen.
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