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Glaube und Vertrauen im Buddhismus

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Glaube und Vertrauen im Buddhismus

Beitragvon Buddhaghosa » 24. September 2015 16:15

Zum Thema Glaube und Vertrauen im Buddhismus mache ich mir immer wieder mal Gedanken. Hier http://tsurezuregusa.de/die-rolle-des-v ... uddhismus/ zum Beispiel. Ich fange mal ganz am Anfang an mit einem Blick in den Duden:

Duden hat geschrieben:Glaube: gefühlsmäßige, nicht von Beweisen, Fakten o.Ä. bestimmte unbedingte Gewissheit, Überzeugung.

glauben: für möglich u. wahrscheinlich halten, annehmen; meinen

Vertrauen: festes Überzeugtsein von der Verlässlichkeit, Zuverlässigkeit einer Person, Sache


Die Wenigsten werden wohl wirklich Beweise und Fakten haben, wenn es um Buddhas Lehre geht.

Sraddha (Vertrauen/Glaube) ist etwas, was sich im Zeitverlauf entwickelt, aber gleichzeitig steht es auch ganz am Anfang: „Vertrauen ist das Saatkorn und Askese ist der Regen“ (Sutta-nipata). Eine andere Darstellung ist, wie nach dem Hören der guten Lehre sich Vertrauen entwickelt und darauf basierend man dann weises Nachdenken beginnt (http://tsurezuregusa.de/bilder/buddhas_ ... oesung.PNG) und weniger Sherabs Ansatz: "Solange ich nicht verstanden habe worum es ... geht, kann ich kein Vertrauen haben".

Mir geht es aber hier nicht um Sherab, sondern wie es im Buddhismus ursprünglich verstanden wurde.

Schaut man in die Lehrreden, dann findet sich ganz häufig folgender Fall: Der Buddha hält eine Lehrrede - meistens nicht länger als ein paar Minuten - und im Anschluss nehmen die Leute Zuflucht zu ihm. Dies ist Ausdruck von Vertrauen/Glaube und wird vom Buddha auch so definiert: "Was aber, ihr Mönche, ist die Kraft des Vertrauens? Da besitzt der edle Jünger Vertrauen; er glaubt an die Erleuchtung des Vollendeten ..." (https://suttacentral.net/de/an5.14). Dies ist Ausdruck einer "gefühlsmäßigen Überzeugung" und nicht eines Verstehens. Ein schönes Beispiel wie ich finde ist diese Lehrrede https://suttacentral.net/de/an5.34.

Hier wird der Buddha gefragt, ob er eine sichtbare Frucht des Almosengebens geben kann. Natürlich kann er und gibt 4 Beispiele - "der Gabenspender, ist vielen Menschen lieb und angenehm" usw. - und als Bonus spricht er noch über die Wirkung des Gebens im nächsten Leben. Der Laie Siha äußert sich dann wie folgt:

Was da, o Herr, diese vom Erhabenen gewiesenen vier sichtbaren Früchte des Almosengebens betrifft, so folge ich dabei nicht meinem Vertrauen zum Erhabenen, sondern ich selber kenne sie. Wenn mir aber, o Herr, der Erhabene sagt, daß der Geber, der Gabenspender, beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, auf glückliche Daseinsfährte gelangt, in himmlische Welt, so erkenne ich das nicht selber, sondern darin folge ich meinem Vertrauen zum Erhabenen.


Der Buddha wehrt ihn jetzt nicht ab mit Buzzwords wie "eigene Erfahrungen", "kein Glaube", "mach mal langsam bis du es verstanden hast". Er nimmt es einfach an mit "Das aber ist so, Sīha! Das aber ist so, Sīha!". Irgendwann wird dieses Vertrauen vielleicht auch zu einem Erkennen. Aber dieses Vertrauen ist schon hier und jetzt heilsam und wirksam.

Weil Siha eben "glaubt an die Erleuchtung des Vollendeten", hat er Vertrauen in das, was er sagt. Auch wenn er es noch nicht versteht und erkannt hat. Und dieser Glaube ist dann auch die erste rechte Ansicht auf Buddhas Edlem Achtpfad:

,Es gibt Gaben, Dargebrachtes und Geopfertes; es gibt Frucht und Ergebnis guter und schlechter Taten; es gibt diese Welt und die andere Welt; es gibt Mutter und Vater; es gibt spontan geborene Wesen; es gibt gute und tugendhafte Mönche und Brahmanen auf der Welt, die diese Welt und die andere Welt durch eigene Verwirklichung mit höherer Geisteskraft erfahren haben und erläutern.‘ (https://suttacentral.net/de/mn117)


Erstmal so weit.

Gruß
Florian

Falls jemand mit dem Kalama-Sutra kommt, hier http://tsurezuregusa.de/fluch-des-kalama-sutta/ meine Anmerkungen schon einmal vorab.
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