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Prajnaparamita

Buddhismus und buddhistische Praxis in allen Schulen und Richtungen

Prajnaparamita

Beitragvon Sherab Yönten » 24. September 2015 07:47

Prajnaparamita gilt als die Vollkommenheit der Weisheit, manchmal spricht man auch von "intuitiver Weisheit". Das Herzustra repräsentiert zum Beispiel einen Prajnaparamita Text.
Wie würdet Ihr Prajnaparamita beschreiben ? Was genau ist mit Intuition in diesem Zusammenhang gemeint ?
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon asoka » 24. September 2015 09:04

Ich verstehe das so:
Es ist Weisheit die von innen kommt und nicht von aussen.

Intuitive Weisheit verstehe ich als Buddhabewusstsein.
Man hat das Bewustsein eines Buddha erreicht und muss nicht mehr grübeln wie die Zusammenhänge sind sondern intuitiv weis man es.

Bin ich in einer dunklen hölle brauche ich licht um zu sehen.
Intuitive weisheit ist wenn ein kurzer funke von licht ausreicht und man weis was wo ist in der hölle zu finden ist.

Meine Sicht hierzu.

Gruss asoka
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon Sherab Yönten » 24. September 2015 09:12

asoka hat geschrieben:intuitive Weisheit verstehe ich als Buddhabewusstsein.


Und da wir ja alle schon Buddhanatur in uns haben, ist dieses Bewusstsein bei uns auch schon da. Nur grübeln wir trotzdem noch zu viel, weil wir uns vom Ego leiten lassen und nicht von unserer intuitiven Weisheit ?? Irgendwie ist die Antwort auf (fast) alles immer Ego :?
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon asoka » 24. September 2015 10:16

Sherab Yönten hat geschrieben:
asoka hat geschrieben:intuitive Weisheit verstehe ich als Buddhabewusstsein.


Und da wir ja alle schon Buddhanatur in uns haben, ist dieses Bewusstsein bei uns auch schon da. Nur grübeln wir trotzdem noch zu viel, weil wir uns vom Ego leiten lassen und nicht von unserer intuitiven Weisheit ?? Irgendwie ist die Antwort auf (fast) alles immer Ego :?


Ja so würde ich das auch sehen.
Und ab und zu blitzt es auf oder kommt durch.

Im Grunde geht jede Praxis gegen das Ego vor.

Ob die Praxis eher kontemplativ, mitgefühl metta usw. ausgelegt ist es geht vorallem darum das man sich nicht zu wichtig nimmt.

Umso weniger man vom Ego in all seinen Verkleidungen beeinflusst wird öffnet sich dieser Kanal.
Das ist was ich meine mit weisheit die von innen kommt.

Hat ja sicherlich der eine oder andere schonmal erlebt. :rainbow:
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon Sherab Yönten » 24. September 2015 19:47

Ich habe eben gegen den PC Schach gespielt (Stufe 8 von 10, das Programm wurde von Kasparow entwickelt) und habe im Blitzschach Modus (15 Minuten Zeit für jeden Spieler) gewonnen. Dabei habe ich überwiegend die Züge intuitiv gewählt, da einfach die Zeit nicht da war, "stundenlang" über einen Zug nachzudenken. Das intuitive Spielen erfordert natürlich viel Erfahrung, aber bei diesem Spiel siegte die Intuition gegenüber dem programmierten Intellekt (einschränkend muss ich sagen, dass ich von insgesamt 178 Spielen bisher 13 gewonnen habe und zwei Remis gespielt habe :lol: Der unerleuchtete Mensch macht natürlich auch Fehler bei einer reinen intuitiven Spielweise). Vielleicht kann man diese Art zu spielen mit intuitiver Weisheit gleichsetzen. Immer in jedem Schritt des Lebens intuitiv ahnen, was zu tun ist, welcher Zug der richtige ist.
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon voom » 24. September 2015 20:14

Ich glaube, was die Prajnaparamita meint, geht noch ein paar Stufen "tiefer". Das was Du meinst, würde ich als "Alltags-Intuition" bezeichnen, Ursache dafür ist oft auch Erfahrung, die so tief durchgesackt ist, dass die Dinge sich ohne Umweg über den Kopf zeigen. Will sagen, ohne Wissen funktioniert diese Art Intuition nicht.

Prajnaparamita ist die grundlegende Weisheit die sich ohne weitere Ursache als dem Urgrund selbst zeigt. Das ist vorrangig die Weisheit über die Natur des Geistes, ursprüngliche Erleuchtung die immer schon da war...
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon raterZ » 24. September 2015 22:44

weisheit ist im buddhismus immer die erkenntnis der daseinsebene, wie sie wirklich ist: vergänglich, ichlos und leidhaft - daraus resultiert die nicht-anhaftung, die erkenntnis, dass es da niemanden gibt und letztendliches glück - dafür steht prajnaparamita.
was daran intuitiv sein könnte, erschließt sich mir auch nicht.
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon voom » 24. September 2015 22:55

raterZ hat geschrieben:weisheit ist im buddhismus immer die erkenntnis der daseinsebene, wie sie wirklich ist: vergänglich, ichlos und leidhaft - daraus resultiert die nicht-anhaftung, die erkenntnis, dass es da niemanden gibt und letztendliches glück - dafür steht prajnaparamita.

Was soll denn das "leidhaft" da? Die letztendliche Ebene ist frei von Leid.

raterZ hat geschrieben:was daran intuitiv sein könnte, erschließt sich mir auch nicht.

Es fühlt sich schon an, wie Intuition, ist ähnlich, weil es "einfach da ist" ohne Ursache, ohne angesammeltes Wissen.
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon Sherab Yönten » 25. September 2015 06:52

voom hat geschrieben: Das was Du meinst, würde ich als "Alltags-Intuition" bezeichnen, Ursache dafür ist oft auch Erfahrung, die so tief durchgesackt ist, dass die Dinge sich ohne Umweg über den Kopf zeigen


Würdest Du denn sagen, dass intuitive Weisheit ohne die Erfahrungen der "Alltags - Intuition" möglich ist ?

voom hat geschrieben:Prajnaparamita ist die grundlegende Weisheit die sich ohne weitere Ursache als dem Urgrund selbst zeigt


Was meinst Du mit "Urgrund" ?

voom hat geschrieben: Das ist vorrangig die Weisheit über die Natur des Geistes, ursprüngliche Erleuchtung die immer schon da war...


Wenn ich das Herz Sutra so lese, kommen hier die Ausdrücke "Natur des Geistes" oder "ursprüngliche Erleuchtung" oder "Urgrund" gar nicht vor. Warum gilt das Herz Sutra dann als Prajmaparamita - Text ?

raterZ hat geschrieben:weisheit ist im buddhismus immer die erkenntnis der daseinsebene, wie sie wirklich ist: vergänglich, ichlos und leidhaft - daraus resultiert die nicht-anhaftung, die erkenntnis, dass es da niemanden gibt und letztendliches glück - dafür steht prajnaparamita.
was daran intuitiv sein könnte, erschließt sich mir auch nicht.


Es gibt im Buddhismus unterschiedliche Weisheiten. Prajnaparamita ist die Weisheit, die auf Sutra Ebene eine Rolle spielt. Daneben gibt es noch verschiedene tantrische Weisheitsebenen (spiegelgleiche Weisheit u.s.w.), die den jeweiligen Buddhafamilien zugeordnet werden.
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon voom » 25. September 2015 11:10

Sherab Yönten hat geschrieben:Würdest Du denn sagen, dass intuitive Weisheit ohne die Erfahrungen der "Alltags - Intuition" möglich ist ?

Ja, eben die Art ursprüngliche Weisheit, die direkt der Buddhanatur entspringt, darum geht es ja, dass das möglich ist.

Wenn ich das Herz Sutra so lese, kommen hier die Ausdrücke "Natur des Geistes" oder "ursprüngliche Erleuchtung" oder "Urgrund" gar nicht vor. Warum gilt das Herz Sutra dann als Prajmaparamita - Text ?

Weil sich die Weisheit der Prajnaparamita auf die letztendliche Ebene des Geistes bezieht, die im Herz-Sutra beschrieben wird. Die Tibeter (und nicht nur die) haben sehr viele Begriffe für diese letztendliche Ebene des Geistes. Man könnte auch Dharmakaya, Raum, Rigpa usw. sagen.

Es gibt im Buddhismus unterschiedliche Weisheiten. Prajnaparamita ist die Weisheit, die auf Sutra Ebene eine Rolle spielt. Daneben gibt es noch verschiedene tantrische Weisheitsebenen (spiegelgleiche Weisheit u.s.w.), die den jeweiligen Buddhafamilien zugeordnet werden.

Ich würde das gar nicht mal in Sutra und Tantra trennen. Bzw. mag sein, dass sie im Sutra schon vorkommt, aber im Tantra ist sie genauso wichtig. Prajnaparamita ist eine ursprüngliche Weisheit, die Weisheiten die Du nennst beziehen sich auf die reine Form oder umgewandelte Form der Störgefühls-Energien.

Manjushri hat z.B. das Schwert für Unterscheidungsweisheit und das Buch steht für die Prajnaparamita. Bei den Zufluchtsbäumen ist die Prajnaparamita meist ganz oben, was auch die Ursprünglichkeit symbolisiert.
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon Sherab Yönten » 25. September 2015 11:35

voom hat geschrieben:a, eben die Art ursprüngliche Weisheit, die direkt der Buddhanatur entspringt, darum geht es ja, dass das möglich ist.


Ja - nur wie übt man sich darin, diese ursprüngliche oder intuitive Weisheit zu entwickeln ?
Die Alltags Intuition kann man (wie beschrieben) üben und manchmal sogar erfolgreich anwenden.
Das Wort "Buddhanatur" ist für mich aber total schwammig, nichts Greifbares, es ist ja damit lediglich ein Potential gemeint, das genutzt werden kann.
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon raterZ » 25. September 2015 12:01

voom hat geschrieben:
raterZ hat geschrieben:weisheit ist im buddhismus immer die erkenntnis der daseinsebene, wie sie wirklich ist: vergänglich, ichlos und leidhaft - daraus resultiert die nicht-anhaftung, die erkenntnis, dass es da niemanden gibt und letztendliches glück - dafür steht prajnaparamita.

Was soll denn das "leidhaft" da? Die letztendliche Ebene ist frei von Leid.

ja wenn man sie erkennt. aber das sind eben dukkha, anicca und anatta. das ist übrigens die sutraebene sherab ;) und es ist doch so, dass man das eigene leiden (dukkha) verstärkt wahrnimmt, wenn man eben weisheit entwickelt. gleichzeitig erkennt man die unbeständigkeit dahinter und dass es niemanden gibt ^^)

das sind alles ganz plastische erfahrungen, die sich unter dem schönen wort "weisheit" verbergen ;)
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon voom » 25. September 2015 12:13

Sherab Yönten hat geschrieben:Ja - nur wie übt man sich darin, diese ursprüngliche oder intuitive Weisheit zu entwickeln ?

Das ist der Punkt, man kann sie nicht "entwickeln" - denn dann hätte sie ja eine bedingte Ursache. Sie ist so grundlegend, dass sie allem zugrunde liegt und frei wird, wenn man aufhört, sie gewohnheitsmäßig zu blockieren. Somit ist jede Übung im Buddhismus eine Übung, die das mehr und mehr freilegt..

Sherab Yönten hat geschrieben:Das Wort "Buddhanatur" ist für mich aber total schwammig, nichts Greifbares, es ist ja damit lediglich ein Potential gemeint, das genutzt werden kann.

In gleicher Weise ist die Buddhanatur die Grundlage von allem, unsere geistige Aktivität verhindert die Wahrnehmung dessen. "Potential, das genutzt werden kann" ist auch irreführend ausgedrückt. Man sagt, es ist ein Potential, weil es auf der tiefsten Ebene keine Ausdrucksform hat. Aber eigentlich entspringt und besteht alles da heraus, auch samsarische Phänomene. Durch die Erkenntnis dessen verwandelt sich Samsara in Nirvana.

Zwar ist die Sicht im Tantra, dass man etwas Unerleuchtetes in etwas Erleuchtetes umwandelt, das geht aber nur, weil es das eigentlich schon ist. Man verwandelt nicht Eisen in Gold, sondern putzt nur das Objekt, so dass man sieht, dass es schon immer aus Gold war.
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon Sherab Yönten » 25. September 2015 12:41

voom hat geschrieben:Man verwandelt nicht Eisen in Gold, sondern putzt nur das Objekt, so dass man sieht, dass es schon immer aus Gold war.


Und wie "putzt" Du ?

raterZ hat geschrieben:a wenn man sie erkennt. aber das sind eben dukkha, anicca und anatta. das ist übrigens die sutraebene sherab und es ist doch so, dass man das eigene leiden (dukkha) verstärkt wahrnimmt, wenn man eben weisheit entwickelt.


Das verstehe ich nicht. Warum soll das eigene Leiden verstärkt wahrgenommen werden wenn man Weisheit entwickelt ? Nach Deiner Logik müsste man also sehr wohl etwas "entwickeln" obwohl es eigentlich schon da ist. Ist es dasselbe was Voom mit "putzen" meinte ?
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon voom » 25. September 2015 13:12

Sherab Yönten hat geschrieben:Und wie "putzt" Du ?

Das nennt man "Meditation" ;)

Das verstehe ich nicht. Warum soll das eigene Leiden verstärkt wahrgenommen werden wenn man Weisheit entwickelt ? Nach Deiner Logik müsste man also sehr wohl etwas "entwickeln" obwohl es eigentlich schon da ist. Ist es dasselbe was Voom mit "putzen" meinte ?

Ich denke, was er meint ist, dass viele in der Meditation zunächst überhaupt erstmal verstehen, dass und warum Leben Leiden ist, selbst dann, wenn es einem gut geht. Das ist ja eine Form der Entwicklung von Weisheit. Aber es gibt eben Formen der Weisheit, die man entwickeln kann ("Erfahrungsweisheit") und eben auch Formen der Weisheit, die ur-sprünglich sind.

Was ich mit "putzen" meine, ist in der Vajrasattva-Praxis am eindeutigsten ausgedrückt. Aber jede Meditation zielt darauf ab, weniger in der Illusion und mehr in der Wahrheit zu sein.

In der Vajrasattva-Sadhana heisst es - in verschiedenen Formulierungen - meist so oder so ähnlich:

"Wir sind uns bewußt, daß schädliche Taten, Worte und Gedanken seit anfangsloser Zeit den Geist aller Wesen verschleiern und den Zustand höchster Freude verhindern, der unser wahres Wesen ist. Deswegen wollen wir diese Hindernisse jetzt mit voller Kraft entfernen."

Die Betonung auf den "Zustand höchster Freude" zeigt, dass es sich um eine Kagyü-Version handelt, wo die Natur des Geistes in Bezug auf ihren freudvollen Aspekt betont wird ("Detong"). Bei den Gelugpas (in Reinform) wird eher der Weisheits-Aspekt betont, bei den Nyingmapas der Klarheits-Aspekt (=die Möglichkeit, dass Dinge entstehen können).

Um mal ein bischen in die Richtung zu gehen, wie Turmalin gerne versucht die Dinge zu erfassen: man könnte sagen, wenn ein ganzer Buddha aus den 3 Kayas "besteht" dann schaut man einmal auf die Weisheit=Dharmakaya, auf die Freude=Sambhogakaya und auf die Klarheit=Nirmanakaya (aber das soll nur eine Gedankenbrücke sein und ist keine offizielle Zuordnung)

Einen anderen Bezug könnte man mit Shine-Lagthong herstellen: durch die Achtsamkeit und Geistesruhe werden die geistigen Aktivitäten beruhigt, die den "Zustand verhindern, der unser wahres Wesen ist" und als Resultat kann die ursprüngliche Weisheit zum Vorschein kommen. Spontane Einsicht in die Natur des Geistes wäre dann das optimale Resultat, wenn wirklich keine Schleier mehr diese Einsicht blockieren.
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon Sherab Yönten » 25. September 2015 13:16

voom hat geschrieben:Spontane Einsicht in die Natur des Geistes wäre dann das optimale Resultat, wenn wirklich keine Schleier mehr diese Einsicht blockieren.


O.k. und diese spontane Einsicht in die Natur des Geistes wäre dann gleichbedeutend mit Prajnaparamita ?
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon Sherab Yönten » 28. September 2015 10:40

Zur Info: das Wort "Intuition" wurde von der Übersetzerin gewählt, um "Prajna" von anderen Formen der Weisheit (Ye - she) abzugrenzen.
Wir haben am Wochenende ein sehr schönes Prajnaparamita Sutra kennengelernt:
"Das Ratnaguna - Samcayagatha Sutra: "Verse über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit" .

Es gibt einen Kommentar von Urgyan Sangjarakshita, die Sanskrit Version wurde zunächst von Edward Conze ins Englische übersetzt und dann ins Deutsche.

Es ist etwas länger als das Herz Sutra, aber nicht so trocken. :)
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon Sherab Yönten » 28. September 2015 11:04

Kann man sogar als PDF Datei downloaden.
Einfach den deutschsprachigen Titel bei google eingeben :)
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon voom » 28. September 2015 11:13

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Re: Prajnaparamita

Beitragvon Sherab Yönten » 28. September 2015 12:37

voom hat geschrieben:http://www.monika-draeger.de/pdfs/Ratnaguna_04_a.pdf


Zur Ergänzung: http://www.monika-draeger.de/html/kurzvita.html
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon Samten » 30. September 2015 18:15

Sherab Yönten hat geschrieben:Ich habe eben gegen den PC Schach gespielt (Stufe 8 von 10, das Programm wurde von Kasparow entwickelt) und habe im Blitzschach Modus (15 Minuten Zeit für jeden Spieler) gewonnen. Dabei habe ich überwiegend die Züge intuitiv gewählt, da einfach die Zeit nicht da war, "stundenlang" über einen Zug nachzudenken. Das intuitive Spielen erfordert natürlich viel Erfahrung, aber bei diesem Spiel siegte die Intuition gegenüber dem programmierten Intellekt (einschränkend muss ich sagen, dass ich von insgesamt 178 Spielen bisher 13 gewonnen habe und zwei Remis gespielt habe :lol: Der unerleuchtete Mensch macht natürlich auch Fehler bei einer reinen intuitiven Spielweise). Vielleicht kann man diese Art zu spielen mit intuitiver Weisheit gleichsetzen. Immer in jedem Schritt des Lebens intuitiv ahnen, was zu tun ist, welcher Zug der richtige ist.

willste ma 'n x-trem Beispiel für "(Alltags ?) Momente-Intuition"..? auf ner Suzie Hayabusa
's geht mir nicht dadrum, isses illegal, unmoralisch was immer, er ist so eins mit der Situation und seiner Maschine...einfach incredible.....man könnte sagen ,ein Samurai in seiner "Höchstform".....
bitteschön:


Video direkt über Youtube aufrufen

nur gut Fahren können ist da nicht alles......p:p:p:

Ghost Rider - The Final Ride
Zuletzt geändert von Samten am 30. September 2015 18:56, insgesamt 1-mal geändert.
"mögen die Früchte meiner Meditation zum Wohl aller fühlenden Wesen sein"
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Re: Prajnaparamita

Beitragvon voom » 30. September 2015 18:43

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Re: Prajnaparamita

Beitragvon Sherab Yönten » 15. Oktober 2015 14:05

In der "Tibet Gallerie" gibt es auch eine Statue als Prajnaparamita.

Hier die Beschreibung der Definition:

Prajnaparamita

Personifikation einer gleichnamigen Schrift, in der Gautama Buddha seine Lehre niedergelegt haben soll. Es ist die "Weisheit" (prajna), die "hinüber" (param) "gegangen ist". Ihren Verehrern verleiht sie Weisheit und Gelehrsamkeit.


http://www.tibet-galerie.de/gottheiten. ... naparamita
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