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Buddhistische Bestattungskultur

Einfache Fragen und Antworten (nicht nur) für Buddhismus-Neulinge

Buddhistische Bestattungskultur

Beitragvon chalee » 17. Januar 2016 09:11

Hallo,
wie sieht eine Buddhistische Bestattungszeremonie aus, gibt es verschiedene Arten je nach Buddhistischer Richtung? Wie kann man sicher stellen, dass diese eines Tages bei einem selbst durchgeführt wird. (Angehörige, die dies unterstützen würden, sind nicht vorhanden.)

Danke im voraus
chalee
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Re: Buddhistische Bestattungskultur

Beitragvon Turmalin » 17. Januar 2016 12:10

Hallo Chalee!
:welcome:
du schreibst, dass du Varjayana-Praktizierende bist. Möchtest du etwas darüber wissen, wie im Buddhismus, bzw Vajrayana-Buddhismus mit dem toten Körper umgegangen wird, oder was mit dem Geist nach dem Tod passiert und was Freunde dann für den Toten praktizieren? Was man selbst meditiert während man stirbt? Hast du schon mal vom tibetischen Totenbuch gehört?
Was die Tibeter mit dem Körper gemacht haben, traditionell geht in Deutschland nicht. Aber ich glaube es ist nicht so wichtig, was mit dem Körper passiert.
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Re: Buddhistische Bestattungskultur

Beitragvon Tobias » 17. Januar 2016 12:29

Hallo Chalee auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum

Ich habe darüber letztens einen Vortrag gehört. Im Rahmen der Bardo-Belehrungen sprach der Lama von verschiedenen Arten des Guten Sterbens. Er meinte am mitfühlendsten sei es wenn man seinem Körper den Tieren zum Fraß vorwirft, weil dann andere fühlende Wesen etwas davon haben.

Von einer Erdbestattung riet er ab, weil es wohl Tiere anzieht, die von der Leiche essen, schließlich aber im Sarg sterben werden.

Für den Westen riet er als mitfühendeste und kulturell angepassteste Form die Feuerbestattung. Das wäre also etwas wonach du dich richten könntest. Im Rahmen der Feuerbestattung könntest du aus Mahayana-Sicht einem spirituellen Freund bitten eine Zeremonie durchzuführen in der er verschiedene "hungrige Geister" einlädt, die die Essenzen deines Körpers aufnehmen. Das wäre auch mitfühlend

Ansonsten ist buddhistisch/im Mahayana eine viel wichtigere Frage, wie man sich auf den Tod vorbereitet bzw. mit welcher Geisteshaltung man stirbt.

Liebe Grüße
Tobias
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Re: Buddhistische Bestattungskultur

Beitragvon chalee » 18. Januar 2016 09:23

Tobias hat geschrieben: Im Rahmen der Feuerbestattung könntest du aus Mahayana-Sicht einem spirituellen Freund bitten eine Zeremonie durchzuführen in der er verschiedene "hungrige Geister" einlädt, die die Essenzen deines Körpers aufnehmen. Das wäre auch mitfühlend

Ansonsten ist buddhistisch/im Mahayana eine viel wichtigere Frage, wie man sich auf den Tod vorbereitet bzw. mit welcher Geisteshaltung man stirbt.


herzlichen Dank :) , ich denke vor allem auch, dass die geistige Haltung am Schluss am wichtigsten ist.
Aber das mit den Hungergeistern, die die Essenzen des Körpers aufnehmen sollen, verstehe ich nicht ganz - was würde dies denn bewirken? Ich bin immer von ausgegangen, die Hungergeister existieren u. a. in menschlicher Form, also die Menschen, die vom Leben nicht loslassen können und generell gierig sind etc. Und wenn diese "Hungergeist-menschen" gestorben sind, mit allen Mitteln versuchen am Leben anzuhaften, sich also Menschen suchen, die noch leben und dann als Geist in ihre Körper eindringen, um auf diese Art "weiterzuleben"?

lg ch.
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Re: Buddhistische Bestattungskultur

Beitragvon voom » 18. Januar 2016 12:24

Das mit den Hungergeistern gibt es einfach auf verschiedenen Ebenen, man kann die Daseinsbereiche auf menschliche Erfahrungswelten übertragen, aber eigentlich sind eigene Daseinsbereiche gemeint. Wenn man mit diesen Prinzipien nicht so vertraut ist und z.B. keine Chöd-Praxis gemacht hat, sollte man meiner Ansicht nach nicht dazu übergehen, die körperlichen Überreste, und seien es Energien nach dem Verbrennen, zu verschenken. Vielleicht kann man sich besser vorstellen, wenn z.B. die Asche verstreut werden darf, dass sie Dünger für neues Leben wird. Ich denke man darf da ruhig phantasievoll sein und sich etwas vorstellen, was der Person selbst angenehm ist. Wichtiger ist dann in der Tat, wo der Geist sich fokussiert. Da wäre es schon gut, eine klare Ausrichtung, wenn nicht gar einen Plan zu haben.
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Re: Buddhistische Bestattungskultur

Beitragvon Tobias » 18. Januar 2016 12:25

Aber das mit den Hungergeistern, die die Essenzen des Körpers aufnehmen sollen, verstehe ich nicht ganz - was würde dies denn bewirken? Ich bin immer von ausgegangen, die Hungergeister existieren u. a. in menschlicher Form, also die Menschen, die vom Leben nicht loslassen können und generell gierig sind etc. Und wenn diese "Hungergeist-menschen" gestorben sind, mit allen Mitteln versuchen am Leben anzuhaften, sich also Menschen suchen, die noch leben und dann als Geist in ihre Körper eindringen, um auf diese Art "weiterzuleben"?

lg ch.


Also erstmal ist die mir bekannte klassische Bardo-Beschreibung, dass die Hungergeister keinen materiellen Körper haben. Gerade den Verlust dieses Körpers können sie nicht verkraften, darum werden sie den klassischen Bardo-weg nicht gehen. Der Ausdruck der Anhaftung an den menschlichen Körper zeigt sich u.a. durch Hunger. Sie sehen essen, realisieren nicht dass sie tot sind/bzw. wollen es nicht wahr haben; sie versuchen etwas zu essen und scheitern daran. Das frustriert sie und verstärkt die Anhaftung an den Körper und ihr negatives Karma.

Soweit mein Basis-Kenntnisstand, aus verschiedenen Bardo-Belehrungen.
Hungergeister sind also auf der suche nach greifbaren Erfahrungen. Diese können sie allerdings auf ihrer Existenzebene nur machen, wenn Sie von anderen ein Opfer erhalten. Das können Speiseopfer sein oder Rauchopfer. (wie z.B. im Bön das Riwo Sangchö). Die Opfergaben sind also der einzige Weg wie Hungergeister Befriedigung erfahren können(mit Ausnahme von der Hilfe eines Phowa-Profis).

Jetzt ist, die Vorstellung: Wenn Hungergeister schon von etwas Räucherwerk oder Reis o.ä. "Satt werden" Wieviel mehr würden ihm 60-90 Kilo Menschenfleisch Knochen usw. helfen?

Der Verdienst oder Das Mitgefühl ist also weitaus größer.

Liebe Grüße
Tobias
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Re: Buddhistische Bestattungskultur

Beitragvon Tobias » 18. Januar 2016 12:29

übrigens;
meine Informationen über die Bestattungen beziehe ich aus "Lama Lopön Tsewang
Die sechs Bardos, anhand des Textes „Übergang und
Befreiung“ von Ven. Tenga Rinpoche
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Re: Buddhistische Bestattungskultur

Beitragvon chalee » 18. Januar 2016 15:41

voom hat geschrieben:Das mit den Hungergeistern gibt es einfach auf verschiedenen Ebenen, man kann die Daseinsbereiche auf menschliche Erfahrungswelten übertragen,....


Hallo Voom, dankeschön :) jetzt verstehe ich, was gemeint ist im übertragenen Sinne. Mit der Richtung werde ich mir erst noch im klaren werden wollen.
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Re: Buddhistische Bestattungskultur

Beitragvon chalee » 18. Januar 2016 15:52

Hallo Tobias,
das beruhigt ja :namaste: , dass sie von den Opfergaben schon alleine "satt werden".
Und vielen Dank für den Buchtipp.
lg chalee
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