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Buddhismus und Depressionen

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Buddhismus und Depressionen

Beitragvon Simon » 11. Juni 2016 22:47

Hallo miteinander,

ich suche dieses Forum auf, weil ich eine ganz spezielle Frage habe. Einer meiner nahen Angehörigen, ein junger, kräftiger und sehr liebenswerter Mensch, leidet unter starken Depressionen. Mir selbst hat in der Vergangenheit die bhuddistische Praxis viel Kraft und Lebensfreude gebracht, ohne dass ich mich bisher einer bestimmten Schule zugehörig fühle. Nun würde ich gerne meinem guten Freund helfen und könnte mir vorstellen, dass wenn er Zugang zu einer Sangha bekommt, er Wege erlernen könnte, um dauerhaft besser zu leben und sich in guter Gesellschaft befindet. In Psychotherapie und ärztlicher Begleitung befindet er sich bereits. Er ist noch sehr jung und erst seit zwei Jahren erkrankt. In seinem Wohnort gibt es ein Zentrum des Diamantenweges.
Nun meine Frage: Sind Menschen, mit klinisch relevanten Depressionen und einer schwierigen Lebenssituation dort willkommen? Ich möchte ihn nicht an einen Ort bringen, an dem er auf Ablehung stößt. Der Diamantenweg Bhuddismus richtet sich ja explizit an Menschen die mit Familie, Freundschaften und Beruf fest im Leben verankert sind. Bei ihm ist die Situation eher kompliziert :shrug:
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Re: Bhuddismus und Depressionen

Beitragvon Tobias » 12. Juni 2016 00:43

Hallo,
wie das Diamantweg-Zentrum auf deinen Angehörigen reagiert lässt sich schwer sagen. Immerhin sind es ja Menschen im Zentrum und damit sind sie unterschiedlich

Es könnte sein, dass er auf Ablehnung stößt genauso kann es sein,dass er dort gut aufgenommen wird.

Ich würde mich deshalb der Frage aus einer anderen Perspektive stellen. Nämlich aus Sicht der buddhistischen Praxis. Hier ist der Diamantweg ein bisschen speziell. Zu Beginn beschäftigt man sich natürlich mit den 4 edelen Wahrheiten. Kernpunkt und der umfangreichste Teil der Praxis sind zahlreiche Visualisierungsübunge. Diese Übungen sind zwar durchaus üblich im Vajrayana-Buddhismus jedoch finde ich dass der Diamantweg darauf ein paar % mehr Wert legt als dies bei anderen Schulen. Diese Übungen erfordern v.a. Vertrauen in die Buddhistische Lehre und in den Lehrer Ole Nydahl und den Karmapa..

Weniger Wert wird gelegt auf Dinge wie Achtsamkeit.(im Vergleich zu anderen Schulen. Ich bin etwas skeptisch ob für einen depressiven Menschen der Diamantweg die optimale Anlaufstelle im Buddhismus-Einstieg für Menschen mit Depressionen ist.

Vielmehr wäre der Fokus entwedeer auf Achtsamkeit oder auf die Arbeit mit Emotionen auf einer niederschwelligen Ebene aus meiner Sicht wesentlich erfolgsversprechender für depressive Menschen.

Diesen Fokus auf Achtsamkeit den ich meine findet man anschaulich im Zen Buddhismus. Das wäre glaue ich eine sehr gute Anlaufstelle für ihn. Zur Arbeit mit Emotionen im Buddhismus kenne ich ein sehr gutes Buch, was einen praktischen Übungsweg darstellt für Buddhismus-Einsteiger um mit negativen Emotionen umzugehen. Sollte dich das interessieren, sag bescheid.

Ich persönlcih würde bei einem depressiven den Zugang zum Buddhismus v.a. über Achtsamkeit als Startpunkt vermitteln.

Liebe Grüße
Tobias
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Re: Bhuddismus und Depressionen

Beitragvon voom » 12. Juni 2016 14:01

Dass er sich bereits in Behandlung befindet, ist ein sehr wichtiger Punkt. Da wäre es dann aber evtl. abzuklären, wie der Therapeut zu dem Thema steht. Das ist nämlich sehr unterschiedlich, von harter Ablehnung gegenüber jeglicher Art Spiritualität (meist Psychiater) über die Bevorzugung "in die Wissenschaft eingesickerter" Methoden wie bei MBSR - bis hin zu Offenheit und Integration eigener Bemühungen, teilweise sogar in der Methode enthalten wie bei transpersonalen Psychologen oder Psychosynthese.

Wenn zumindest die Bereitschaft da ist, das zu tolerieren, kann man es versuchen. Wenn jemand aber mit solchen Ideen auch noch gegen den Therapeuten "kämpfen" muss, reicht vielleicht die Energie nicht für beides. Noch ein Tick wichtiger ist es vielleicht, dass der Freund selbst echtes eigenes Interesse am Buddhismus hat. Klar kann man sagen: "Das tut mir gut, in jeder Hinsicht, vielleicht willst Du das ja auch mal ausprobieren" aber darüber hinaus bringt es nichts, Druck auszuüben. Ich kann mich nicht erinnern, dass auch nur eine Person, die gegen eigenes Interesse in Richtung Buddhismus "gegängelt" wurde, letztlich dabei geblieben ist. Selbst dann wenn sie Zuflucht genommen haben und sich ein bischen haben mitreissen lassen.

Man braucht halt sowas wie "buddhistisches Karma", deswegen kann auch Buddhismus eigentlich nicht missionieren. Man kann nur inspirieren und gute Bedingungen schaffen, damit Menschen für die es wirklich passt, Kontakt bekommen und praktizieren können. :)
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Re: Bhuddismus und Depressionen

Beitragvon Simon » 13. Juni 2016 22:24

Vielen dank für eure ausführlichen Antworten! Ich würde es ihm sehr wünschen, dass er Mittel erlernt, mit denen es ihm besser geht, Anschluss an eine nette Gruppe erhält und starke Vorbilder bekommt. Ob er selbst dafür bereit ist bezweifle ich schon und werde ihn dabei nicht unter Druck setzen. Interesse zeigt er schon und in der Klinik in der er war, hat er einen ersten Zugang zur Achtsamkeit bekommen. Außer dem Diamantenweg gibt es dort leider kein Zentrum. Aber machmal finden sich ja doch Wege.
@Tobias: Das Buch würde mich auf jeden Fall interessieren! Könntest du mir den Titel bitte verraten?
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Re: Bhuddismus und Depressionen

Beitragvon voom » 14. Juni 2016 14:03

Wenn er sich interessiert - in den meisten Diamantweg-Zentren würde er sicherlich gut aufgenommen und könnte sehr wirksame Methoden lernen. Das sollte also m.E. kein Ausschluss-Kriterium sein.
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Re: Bhuddismus und Depressionen

Beitragvon Tobias » 15. Juni 2016 08:44

Hallo simon
Das Buch heisst emotionale Befreiung

Ich hab hier im Forum eine rezemsion
Geschrieben

link zur rezension

Lieb Grüsse
Tobias
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Re: Bhuddismus und Depressionen

Beitragvon voom » 15. Juni 2016 16:59

Wo wir bei Büchern sind, was mir in schwierigen Phasen wirklich gut geholfen hat, ist "Wenn alles zusammenbricht" von Pema Chödrön - der Titel ist Programm.
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Re: Bhuddismus und Depressionen

Beitragvon Simon » 18. Juni 2016 22:17

Danke für eure Tipps und Ratschläge! Ich werde mir die beiden Bücher mal ansehen.
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Re: Bhuddismus und Depressionen

Beitragvon chalee » 20. Juni 2016 12:03

voom hat geschrieben:Wo wir bei Büchern sind, was mir in schwierigen Phasen wirklich gut geholfen hat, ist "Wenn alles zusammenbricht" von Pema Chödrön - der Titel ist Programm.


Dankeschön auch von mir für diesen Buchtipp.
Es lässt sich gut nachvollziehen, da es auf eine angenehme leichte Weise geschrieben ist. Vor allem hat es mir zu neuen Impulsen weiter verholfen; gerade zum richtigen Zeitpunkt, wo ich eben mit div. offenen Themen im Leben festhänge…
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Re: Bhuddismus und Depressionen

Beitragvon voom » 21. Juni 2016 01:34

Ja das ging mir genauso - das scheint so ein Buch zu sein, das bei vielen Leuten "gerade zum richtigen Zeitpunkt" wahrgenommen wird. Bis dahin hatte ich den Eindruck, dass Themen wie Angst und Depression im (tibetischen) Buddhismus kaum offen angesprochen werden. Pema Chödrön zeigt eine "weiche, feinfühlige" Seite, "Pema" als "Lotusblüte" passt zu ihrer Ausdrucksform. :)
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