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Wie kann der Buddhismus in den Westen integriert werden?

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Wie kann der Buddhismus in den Westen integriert werden?

Beitragvon voom » 8. Juli 2016 22:20

Es gibt Klöster mit westlichen Ordinierten, und Zurückziehungsstellen, wo in alter Tradition von Ngakpas Methoden und -Rituale traditionell praktiziert werden usw. In Europa gibt es sowas wie eine geografische Trennlinie, Belgien, Spanien, Frankreich haben eher Klöster in tibetischer Tradition (z.B. in der Dordogne) und die Länder östlich des Rheins inkl. Deutschland mehr Laienzentren.

Ich bin mir nicht sicher, wieviel tibetische Tradition wir wirklich brauchen. Es ist gut, wenn das bewahrt wird, aber aus meiner Sicht in der Buddhismus dann wirklich im Westen angekommen, wenn wir eigene Formen gefunden haben, wie wir die Essenz vermitteln und lernen. Der Buddhismus hat sich immer an die Länder angepasst, wo er heimisch wurde. Tibetischer Buddhismus ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Essenz völlig neue Formen gefunden hat, in Verschmelzung mit der lokalen Kultur und Mentalität.

Mir selbst ist es eher ein Anliegen, die Essenz in ihrer reinsten Form herauszu-kristallisieren und dann eigene Formen zu finden, sie zu vermitteln. Meine Interpretation meines Bodhisattva-Namens legt nahe, dass genau das meine wichtigste Aufgabe in diesem Leben ist.
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Re: Dalai Lama - Geburtstagsfest 2016

Beitragvon Thomas23 » 8. Juli 2016 23:03

Im Grunde befürworte ich auch eine Verschmelzung mit der westlichen Kultur.
In den Zentren die ich kennen gelernt habe ist mir aufgefallen das Texte wie zB Herz-Sutra wenn auf deutsch rezitiert oft im typischen "Vater-Unser"-Stil runtergeleiert werden.
Das gefällt mir überhaupt nicht!
Daher bin ich froh authentischen tibetischen Rezitationsstil zu praktizieren. Eine Verschmelzung mit zB katholischen Gewohnheiten will ich nicht.
Lieber erstmal die tibetische Tradition in Fleisch und Blut übergehen lassen um dann aus dieser Gewohnheit heraus die Sprache zu ändern usw.
Ich habe auch keine Lust auf deutsche Blasinstrumente statt tibetischer Dungs.

Die asiatischen Länder haben Musik.. ich meine ein Indianerhäuptling sagte mal zu den europäischen Invasoren "Ihr habt keine Musik in Euren Worten"..so meine ich das.
Die Musik in Körper, Rede und Geist.

Schwierig mit dieser Verschmelzung. Da kommen auch die vielen existierenden Vorstellungen was genau denn jetzt eigentlich unsere Kultur überhaupt ausmacht und ausdrückt zum Tragen :roll:
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Re: Dalai Lama - Geburtstagsfest 2016

Beitragvon voom » 8. Juli 2016 23:29

Da hast Du recht, dass das schwierig ist zu definieren. Ich meine aber weder kirchliche Traditionen noch "deutschtümelei". Ich denke da eh international. Meine Vision ist ein eher nüchterner, pragmatischer Stil. Wenn es was zu rezitieren gibt, mag ich es auf tibetisch auch lieber. Wirklich "modern verwestlicht" braucht man aber vllt. gar nicht zu singen. Man muss auch keine Ritualgegenstände herumschwenken, aber ich persönlich habe Glocke, Dorje, Phurba usw. durchaus im Gebrauch. Aber ich erfühle mir selbst, was ich damit mache. Ich weiss, dass mein Zugang nicht allgemeingültig ist, auch könnte es sich "postmodern" entwickeln: da wir nicht eine statische Kultur haben, mit der es sich vermischen kann, sondern bereits multikulturell im besten Sinne sein können, könnte es auch viele Ausprägungen haben, Ausdrucksformen usw. Jede Gruppe könnte ihren eignen Stil prägen, und dann schaut auch da jeder der interessiert ist, wo er sich am wohlsten fühlt.
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Re: Dalai Lama - Geburtstagsfest 2016

Beitragvon Thomas23 » 8. Juli 2016 23:33

Hier mal interessante Links zum Thema "Verschmelzung":

Der Buddha und Frau Holle von Alfred Weil
Das Julfest, die Weihnacht, und die Göttin von Karma und Wiedergeburt HEL
Verehrung, keltisch-germanisch
keltisch-germanische Mandalas
Germanisches Mantra
http://www.celticbuddhism.org/
http://www.celticbuddhism.net/

Das wäre dann Richtung vorchristlicher keltisch-germanischer Götter- und Geisterglauben.
Alfred Weil von der DBU und Horst Gunkel von Meditation am Obermarkt (Triratna) haben da m.E. gute Ideen.
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Re: Dalai Lama - Geburtstagsfest 2016

Beitragvon voom » 8. Juli 2016 23:38

Für mich ist die Verbindung keltisch-germanisch und tibetisch auch durchaus präsent und wichtig, habe da einige Experimente gemacht. Das bezieht sich aber eher auf einen magisch-mystischen Kern, wo ich eher auf Bön zurückgehen würde, als das auf die buddhistische Essenz zu beziehen.
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Re: Wie kann der Buddhismus in den Westen integriert werden?

Beitragvon Thomas23 » 8. Juli 2016 23:46

Interessant :perfect:

Ich würde das auch weniger mit der buddhistischen Essenz als eher mit den magisch-mystischen Anteilen des tibetischen Buddhismus aus Bön oder auch Hinduismus vergleichen.
Und in dieser Hinsicht haben wir auch eigenes kulturelles Wissen aus heidnischer Zeit von dem allerdings das meiste verloren gegangen ist.
Hierin sehe ich auch die interessanteste Form einer eigenkulturellen Verschmelzung mit dem tib. B.

Auch interessant:
Der Buddha vom Oseberg-Wikingerschiffsgrab
Nordic Buddha Gemeinschaft
--> letztere Gemeinschaft hat eine Statue of Baldur based of the Oseberg Buddha kreiert.
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Re: Wie kann der Buddhismus in den Westen integriert werden?

Beitragvon Thomas23 » 9. Juli 2016 10:30

Das schöne ist ja das mit dem historischen Graeco-Buddhismus aus Gandhara eine 800 Jahre lang gereifte Form eines europäischen Buddhismus existierte.
Vermutlich liegt dort auch die Wiege des Mahayana Buddhismus als Resultat einer Verschmelzung des indischen Buddhismus mit griechischer Philosophie.
Ohne Gandhara gäbe es die Buddha-Statuen in der Form wie wir sie heute kennen nicht.
Letztlich hat sich in den Jahrhunderten nach Gandhara schließlich der tibetische Buddhismus mit seinen hunderten von Bildnissen von Erleuchtungswesen entwickelt.
Es steckt also ganz real europäische (hellenische) Kultur im Mahayana und tibetischen Buddhismus.
Auch Padmasambhava soll laut Meinung einiger Forscher aus Gandhara stammen.
Geblieben sind die griechischen Philosophen, die Gandhara-Kunst und einige Funde von Gandhari-Schriften.

Die griechische vorchristliche Magie und Mystik sowie Philosophie dürfte das am vollständigst erhaltene und erforschte europäische Wissen aus heidnischer Zeit darstellen.
Ich denke die Mehrheit der Europäer kann sich mit der griechischen Antike identifizieren.
Hier liegt also reichliches Material für "Verschmelzungsexperimente" eines europäisch/tibetischen Buddhismus vor.
Im Rigpa-Zentrum Berlin steht zB gleich am Eingang ein tolles Replikat eines Gandhara-Buddha.
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Re: Wie kann der Buddhismus in den Westen integriert werden?

Beitragvon Max » 14. Juli 2016 18:30

Ich finde das ist eine sehr gute Frage, die mich auch schon seit langem umtreibt. Im Theravada hat sich in Deutschland ja schon eine Menge bewegt. Es gibt mittlerweile viele Lehrende und Zentren mit viel Erfahrung, die sich deutlich vom monastischen Theravada abheben. Auch im Zen scheint sich was zu tun.

Im tibetischen Buddhismus kann ich das nicht erkennen. Insbesondere nicht in den höheren Tantras, Dzogchen und Mahamudra. Der tibetische Buddhismus ist jetzt schon so lange im deutschsprachigen Raum und hat bisher noch keine westliche, autorisierte Lehrtradition. Auf den ersten Blick kann ich da auch nichts entdecken, was irgendwie Fahrt aufnimmt. Es ist seit Jahren das gleiche, Meister xyz auf Europatour gibt Massenkompatible Belehrungen von 2-3 Tagen und ist dann wieder verschwunden.

Ich habe den Eindruck, die westlichen Praktizierenden hängen bisweilen das Mönchstum so hoch, dass da immer eine Distanz zur Praxis bleiben muss. Aber wie gesagt, die Tantriker waren vor den Mönchen da, weit vor dem tibetischen Buddhismus. Die Tantras und das gesamte Wissen aus der Zeit ist immer noch existent. Es braucht auch keine Hörner, Trompeten, Gesänge und Rezitationen die sowieso keiner versteht. Ich verstehe auch nicht was eine katholische Messe auf Latein in Deutschland im Jahr 2016 soll. Solange ich ein Text um seiner Willen selbst rezitiere, egal in welcher Sprache bleibt es ganz Nett, wird aber kaum Wirkung entfalten. Daher empfinde ich Gebets- und Ritualtexte in der Muttersprache für mich viel stimmiger, was die persönliche Praxis angeht. Was die Ritualgegenstände angeht, haben die doch ihre Berechtigung durch die Praxis. Egal ob magisch oder westlich-psychologisch begründet, diese Sachen machen schon Sinn.

Ich sag mal so, wenn sich da keine eigene Lehrtradition entwickelt, die sich zurückbesinnt auf die Wurzeln, nämlich des nicht monastischen Tantra, wird das wohl nichts werden im Westen. Es gibt ja eine Handvoll Leute die sich das zur Aufgabe gemacht haben. Damit meine ich westliche Lehrende die entweder lange Zeit in den Ursprungsländern gelebt haben und jetzt u.a. auch in Europa lehren als auch Leute die Ihr Wissen weitergeben. Mir ist bisher auch keine nicht monastische Gruppe von Leuten aufgefallen die versuchen sich irgendwie zu organisieren.
Zuletzt geändert von Max am 14. Juli 2016 18:37, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Dalai Lama - Geburtstagsfest 2016

Beitragvon Max » 14. Juli 2016 18:36

voom hat geschrieben:Für mich ist die Verbindung keltisch-germanisch und tibetisch auch durchaus präsent und wichtig, habe da einige Experimente gemacht. Das bezieht sich aber eher auf einen magisch-mystischen Kern, wo ich eher auf Bön zurückgehen würde, als das auf die buddhistische Essenz zu beziehen.


Ist schon eine Weile her, aber Jan Fries hat mich da sehr begeistert mit seinem Ansatz.
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