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Weiterentwicklung

Beitragvon chalee » 9. Juli 2016 21:29

Kann Begierde (Anhaftung) konstruktiv für eine spirituelle Weiterentwicklung sein?
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Re: Weiterentwicklung

Beitragvon voom » 9. Juli 2016 23:47

Wenn man sie auf die Erleuchtung ausrichtet, dann wäre das eine tantrische Methode. Irgendwann ist es dann keine Begierde mehr, sie ist transformiert. Man redet davon, dass durch die Verbindung von Begierde und Mitgefühl die Begierde in die ihre zugrunde liegende Weisheit transformiert wird. Anders ausgedrückt entfernt man das Ego aus dem Störgefühl. Es bleibt eine gerichtete Energie, die heilsam genutzt werden kann. Man muss natürlich bei einem tantrischen Weg aufpassen, genau hinschauen, ob man sich etwas vormacht, oder ob man wirklich tantrisch damit arbeitet.
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Re: Weiterentwicklung

Beitragvon chalee » 10. Juli 2016 06:18

hey☺, danke dir voom. Kannst du ein Beispiel dafür geben, "wenn man sich etwas vormacht"...
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Re: Weiterentwicklung

Beitragvon voom » 10. Juli 2016 16:06

Nehmen wir an ein Mann meint, er sei so "erleuchtet" dass es ein "Ausdruck von Mitgefühl" wäre, Frauen seine "speziellen spirituellen Dienste sexueller Art" zukommen zu lassen. Während das aber eigentlich nur ein maskierter Ausdruck seiner Begierde ist und ein zusätzliches Argument sein soll, Frauen ganz banal ins Bett zu kriegen.

Oder jemand meint, Reichtum ansammeln zu müssen, um "Großzügigkeit" praktizieren zu können. Usw.

Zusammenfassen könnte man das unter dem Begriff, den v.a. Trungpa Rinpoche für das gesamte Spektrum dieser Art geprägt hat: "Spiritueller Materialismus"
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Re: Weiterentwicklung

Beitragvon chalee » 10. Juli 2016 17:00

☺Dankeschön interessant. könnte man auch sagen so was wie "Scheinspiritualität".(spiritueller Materialismus ). Also könnte Begierde durchaus Ansporn sein, um spirituell zu wachsen und auf Erleuchtung "hin zu arbeiten", solange wie man das "Objekt d. B." nicht antastet. Wäre das aber nicht auch egoistisch es als Mittel zu nutzen?
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Re: Weiterentwicklung

Beitragvon voom » 11. Juli 2016 00:05

Entscheidend ist, dass man das Objekt der Begierde austauscht: wenn man die Erleuchtung an sich zum Objekt der Begierde macht, kann Begierde als Mittel genutzt werden. Das mag zwar zunächst eine egoistische Motivation sein, aber so funktioniert eben Tantra: man richtet das Ego gegen sich selbst, bis es implodiert. ;)
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Re: Weiterentwicklung

Beitragvon chalee » 14. Juli 2016 14:56

hallöchen :)
könnte es sein, dass es für den spirituellen Pfad leichter/sinnvoller ist, in einer Beziehung zu leben ohne großartige Emotionen zueinander (aus buddh. Sicht); von Vorteil zumindest für diejenigen, die auf den Weg ausgerichtet sind, da sie als spirituell Suchende sich dann besser voll und ganz auf die Praxis konzentrieren können, ohne ABLENKUNG?
z. B. eine nüchterne/pragmatische Beziehung führen, statt nach der "großen Liebe" im Universum zu suchen, oder würde man sich denn dort nicht zu sehr in Gefühlsduselei, Eifersucht etc. verlieren, was hinderlich sein könnte für die volle Konzentration der spirituellen Ausrichtung?
:scratch:
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Re: Weiterentwicklung

Beitragvon Max » 14. Juli 2016 19:11

chalee hat geschrieben:hallöchen :)
könnte es sein, dass es für den spirituellen Pfad leichter/sinnvoller ist, in einer Beziehung zu leben ohne großartige Emotionen zueinander (aus buddh. Sicht); von Vorteil zumindest für diejenigen, die auf den Weg ausgerichtet sind, da sie als spirituell Suchende sich dann besser voll und ganz auf die Praxis konzentrieren können, ohne ABLENKUNG?
z. B. eine nüchterne/pragmatische Beziehung führen, statt nach der "großen Liebe" im Universum zu suchen, oder würde man sich denn dort nicht zu sehr in Gefühlsduselei, Eifersucht etc. verlieren, was hinderlich sein könnte für die volle Konzentration der spirituellen Ausrichtung?
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Wenn ich deinen Gedanken weiterspinne, könnte ich auf die Idee kommen in ein Kloster zu gehen um mich abseits der Welt auf einen sprituellen Pfad zu begeben. Für mich ist das Flucht, wenn es eine Ausweichbewegung ist, wie von dir beschrieben. Der buddhistische Leerheitsbegriff sollte in manchen Konstellationen mit Lebensfülle beschrieben werden. Es geht nicht um Vermeidung sondern um einen Prozeß der bedingungslosen Öffnung. Die Liebe einzuschmelzen auf eine pragmatische Beziehungsebene mit dem Ziel Befreiung zu erlangen erscheint mir sehr dualistisch.

In zwischenmenschlichen Beziehungsdingen ist es sehr hilfreich, Stolpersteine wie Eifersucht etc. für sich selber zu klären. Das kann eine Beziehung sehr glücklich machen. Dann gibt es auch keine Probleme mit der spirituellen Praxis.
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Re: Weiterentwicklung

Beitragvon chalee » 14. Juli 2016 20:54

hallo max :) , danke für deine gedanken
du triffst zum teil sicherlich ins schwarze mit deiner meinung.
genau, mir drängen sich des öfteren gedanken auf, wie in einem kloster leben zu wollen; mit dem hintergrund, dass für mich die dinge einfach keinen sinn ergeben, in der doch recht „materiellen“ welt.
es ist nur so, ich habe z. t. armutsphasen erfahren genauso wie „materiellen reichtum“ (an diesem punkt stehe ich z. zt.) und zahlreiche varianten der „trügerischen“ liebe.
ich denke daher manchmal, es ist alles gleich, auch was auf körperlicher ebene passiert; da es ja sowieso im laufe der zeit bröckelt. deshalb glaube ich, kann man auch alles „mental regeln“ im geist,
Alles ist gleich…!
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Re: Weiterentwicklung

Beitragvon Max » 15. Juli 2016 16:46

Die Welt ist wie sie ist. Es gibt da keine Fluchtmöglichkeit. Ab einen gewissen materiellen Wohlstand, ist erst eine spirituelle Praxis möglich. Nach einem 12 Stundentag im Niedriglohnsektor zum Bsp., wird eine tägliche Praxis sehr schwierig zu verwirklichen sein. Der DL sagte doch letztens zu Lady Gaga sie müßte noch mehr Geld machen, dass sei gut für die Wirtschaft und sie könne auch anderen damit helfen. Das bietet jetzt viel Spielraum für Interpretationen. Aber wie oben schon gesagt, ich kann einen dicken Benz fahren oder aus Überzeugung ein rostiges Rad. Solange ich daraus u.a. keine spirituelle Egonummer mache, ist alles richtig.

Was meinst du mit alles ist gleich …! … gleich schön oder bes……n oder sowohl als auch? Vom absoluten Standpunkt betrachtet sind die Dinge zwar unterschiedslos aber sie haben eine innewohnende Qualität. Wir leben in der Polarität von angenehm und unangenehm, nur der Bezugsrahmen ändert sich. Da wir Sinneswesen sind, haben wir ein natürliches Gefühl dafür. Es ist gut Lebensfülle und -freude zu verwirklichen, sein Job gut zu machen usw. anstatt einer negierenden Tendenz, die spirituell verbrämt ist nachzugeben, ala das Dasein ist zielfrei, ohne Sinn etc.. Zum Thema Kloster fällt mir immer der Begriff Hauslosigkeit ein. Das Leben von Yogis/Yoginis in der Stadt mit allen Verzahnungen und Verpflichtungen nur aus dem Gefühl heraus gelebt, dem die Hauslosigkeit zugrunde liegt. Diese Gedanken wollte ich noch mit dir teilen.
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Re: Weiterentwicklung

Beitragvon chalee » 15. Juli 2016 17:55

deine betrachtungsweise hat mich auf neue gedankengänge gebracht – dankeschön :) - hast es schön verständlich beschrieben
ja die welt ist wohl wie sie ist, da kann man nicht dran „rütteln“…
weißt, ich betrachte dies genauso: mit der „ego-nummer“ - schon gefühlsmäßig; genau deshalb verhält es sich so schwierig für mich, den sinn in der Welt herauszukristallisieren, aus denen eben keine „ego-nr.“ werden soll.
ich könnte auch meinen, dass ich aus reiner ehrlicher absicht handeln möchte, ohne das etwas „zuviel“ wird.
für mich käme daher nur noch in frage menschen (wesen), tieren hilfreich zu sein.
Aber, ab wann selbst ist das karma für die wesen nicht sogar selbst verantwortlich ….?
Hm, versteht man so ungefähr, was ich meine…

könntest du mir den letzten satz noch vielleicht genauer erklären, hm, ich habe es wohl nicht ganz verstanden
lg
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