Andere buddhistische Foren in Deutschland,
in denen wir aktiv sind:
Tibet. Zentrum Hamburg forum.tibet.de
Buddhaland - Ein Portal für Buddhismus

Spannende Praxisanweisung Dzogchen

Wichtig: Urheberrecht beachten, immer Quellen und Lizenz nennen!

Spannende Praxisanweisung Dzogchen

Beitragvon voom » 21. November 2013 17:04

Quelle: http://enricokosmus.wordpress.com/2013/ ... nde-worte/

Ngak'chang Rangdrol Dorje | 21. November 2013 hat geschrieben:Tsig sum nedeg – drei entscheidende Worte!
GarabDorje

Die drei Aussagen (des Garab Dorje), die den entscheidenden Punkt treffen

ངོ་རང་ཐོག་ཏུ་སྤྲད།།
ཐག་གཅིག་ཐོག་ཏུ་བཅད།།
གདེང་གྲོལ་ཐོག་ཏུ་བཅའ༎


Direkt in die eigene Natur eingeführt!
Man legt sich entschieden auf diesen Punkt fest!
Mit Vertrauen in die Befreiung fährt man fort!


Dazu “Die besondere Lehre des weisen und glorreichen Königs”
(der Wurzeltext) von Dza Patrul Rinpoche

Verehrung dem Guru!

Die Sicht ist Longchen Rabjam (alles umfassende Große Weite).
Die Meditation ist Khyentse Özer (Lichtstrahlen des mitfühlenden Allwissenden).
Die Lebensführung ist Gyalwa’i Nyugu (Sproß der Siegreichen).
Praktiziert man auf diese Weise, wird man gewiß in einem einzigen Leben erwachen.
Falls nicht, wird es kein Bedauern geben – der Geist ist entspannt und glücklich.
Ah la la.

Die Sicht – Longchen Rabjam (allumfassende Sicht der Großen Weite) – ist wie folgt.

Um den entscheidenden Punkt der Bedeutung der drei Aussagen zu treffen.

Zunächst bringt man den Geist in einen entspannten Zustand, ohne Erscheinen oder Sammeln hat man überhaupt keine Gedanken. Vollständig verweilend in diesem entspannten Zustand ruft man unvermittelt PHAT, um den Intellekt in Stücke zu schlagen kraftvoll, plötzlich und scharf – e ma ho! Gar nichts – betroffen! Betroffen, aber ungestört. Dieses unbehinderte Vorkommen ist unausdrückbar. Erkenne das Gewahrsein des Dharmakaya. Dem zu begegnen, was schon ist, ist der erste entscheidende Punkt.

Ob Gedanken erscheinen oder verweilen ob aufgeregt, zugetan, glücklich oder traurig zu allen Zeiten und in allen Situationen bewahre Vertrautheit damit, nachdem der Dharmakaya wiedererkannt wurde. Wiedervereine die zuvor gekannten Mutter und Kind Klar-Lichter. Verweile im Aspekt des unausdrückbaren Gewahrseins. Beständig befreie verweilend, Glückseligkeit, Klarheit und Nicht-Denken. Lass die Silbe von Prajna und Upaya unvermittelt herabfallen!

Gelassenheit und danach sind ununterschieden. Ohne Unterscheidung zwischen den Sitzung und Pausen, verweile immer in Untrennbarkeit. Nichtsdestotrotz bis Stabilität erlangt ist, ist es wichtig darauf zu meditieren indem man Ablenkung aufgibt. Behalte Sitzungen von Gelassenheit bei. Die ganze Zeit über und in allen Situationen halte das alles durchdringende Einssein des Dharmakaya aufrecht. In entschiedener Weise entspanne deinen Geist. Triff die endgültige Entscheidung, dass da nichts anderes da ist. Sich allein dafür zu entscheiden, ist der zweite entscheidende Punkt.

Zu diesem Zeitpunkt sind Anhaftung, Ablehnung, Freude und Sorge ohne Ausnahme alles vorübergehende Gedanken. Durch das Erkennen des Dharmakaya als den Aspekt der Befreiung, wie in dem Gleichnis vom Zeichnen auf dem Wasser, ist die Beständigkeit von Selbsterscheinen-Selbstbefreiung unaufhörlich. Was immer auch erscheint, es ist das Aufrechterhalten des nackten Gewahrseins. Alle Gedanken sind die Manifestation des Königes des Dharmakaya, natürlich rein und spurlos – ah la la.

Obwohl die Art und Weise, wie Gedanken erscheinen, dieselbe ist wie zuvor, ist der Unterschied in der Art wie sie befreit werden, der entscheidende Punkt. Ohne dies ist die Meditation nichts als ein Pfad der Täuschung. Dies zu besitzen, ist wie das Ruhen im Dharmakaya ohne Meditation. Vertrauen in die Befreiung haben, ist der dritte entscheidende Punkt.

Diese Sichtweise, die die drei entscheidenden Punkte besitzt und die Meditation, die Allwissenheit und Mitgefühl vereint, ist allgemein von der Lebensführung der Bodhisattvas begleitet. Sogar wenn dies mit der Rede der Siegreichen der drei Zeiten verglichen werden würde, würde es keine Kernanweisung geben, die das übertreffen würde.

Der Schatzentdecker des Dharmakayas, die Manifestation des Gewahrseins, hat diesen Schatz aus der Weite der Prajna hervorgebracht. Er ist anders als die Auszüge aus Erden und Steine. Dies ist das Testament des Garab Dorje. Es ist die Essenz des erleuchteten Geistes der drei Linien, versiegelt und meinen Herzensschülern anvertraut.

Diese tiefgründige Bedeutung ist die heilige Anweisung aus dem Herzen. Diese heiligen Anweisungen aus dem Herzen sind der entscheidende Sinn. Verliert diese entscheidende Bedeutung nicht. Erlaubt nicht, dass diese Kernanweisungen verworfen werden. Dies beschließt einen kurzen Kommentar über die „Außergewöhnliche Anweisung des Gelehrten Shri Gyalpo“.

Die Übersetzung des Tsig sum nedeg in die deutsche Sprache wurde vom Ngak’chang Rangdrol Dorje (Enrico Kosmus) am Amitabha-Tag des 8. Monats im Jahr der Wasserschlange fertiggestellt. Mögen sie die Praktizierenden von Vorteil sein!
Zuletzt geändert von voom am 21. November 2013 17:11, insgesamt 1-mal geändert.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

(Dilgo Khyentse Rinpoche)
Benutzeravatar
voom
Themenstarter
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 4881
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Mystiker

Re: Spannende Praxisanweisung Dzogchen

Beitragvon voom » 21. November 2013 17:08

Ich glaube das gehört in die Kategorie Mennagde (Dzogchen) oder Upadesha (Mahamudra), was eigentlich geheime Anweisungen für die Praxis sind, nachdem man durch einen Meister in die Natur des Geistes eingeführt wurde (Semde)... ?!
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

(Dilgo Khyentse Rinpoche)
Benutzeravatar
voom
Themenstarter
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 4881
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Mystiker

Re: Spannende Praxisanweisung Dzogchen

Beitragvon raterZ » 22. November 2013 01:58

geheim? ohne einführung in rigpa sind es eh nur hohle worte.

aber interessant, ich habe eine ähnliche einteilung durch experimentieren heraus gefunden.

1. punkt: den geist ausdehnen und mit einem mal versuchen "den spiegel" zu entdecken. dieses entdecken passiert plötzlich, ist also dem phat ähnlich, aber ohne, dass ich es ausspreche und muss ständig wiederholt werden.
sobald das einigermaßen stabil ist nach ein paar minuten dann
2. punkt: die bewusste entscheidung setzen, alle geistesgifte nicht als unrein zu betrachten, bzw. keine unterscheidung zwischen rein/unrein zu machen. das ist sehr interessant, weil es wirklich ganz rein intellektuell ist. danach passiert aber etwas, was der erfahrung aus punkt 1 mehr tiefe gibt, weil da der faktor des loslassens hinein kommt.
punkt 3 ist dann irgendwie, dass die selbstbefreiung so fahrt aufnimmt, dass man nichts weiter tun muss, als sich zurück zu lehnen und dem zuzugucken - sozusagen. jede bewusste anstrengung würde an diesem punkt die praxis nur stören. zu punkt 3 komme ich leider nur, wenn ich wirklich viel shamatha übe. aber dann ist die aufrechterhaltung im alltag eigentlich kein problem, da es kaum was zu tun gibt. die praxis läuft von selbst weiter ^^
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
Benutzeravatar
raterZ
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1019
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Spannende Praxisanweisung Dzogchen

Beitragvon voom » 22. November 2013 11:20

Der Begriff "geheime Unterweisung" taucht ja bei den Tibetern oft auf. Wobei das offensichtlich im Dzogchen an dieser Stelle genauer genommen wird, als im Mahamudra. Also Upadesha enthält traditionell vollständige Unterweisungen auch schon in einem offen verfügbaren Text, während mand im Dzogchen mit einem offenen Text die Leute neugierig macht oder inspiriert, und dann müssen sie für die Anweisungen erst zu einem Meister gehen und sich Einweihung und Mennagde abholen. "Geheim" heisst bei den Tibetern immer mehr, dass man es persönlich bekommen soll, nicht nur aus einem Buch. Eigentlich übersetzt es sich wohl besser mit "Geflüsterte Anweisungen".

Ich würde Dir zustimmen, dass es in beiden Fällen "hohle Worte" bleiben, wenn die Erfahrung nicht zumindest als erlebtes Aufblitzen vorhanden ist, an das man anknüpfen kann. Wer behauptet, diese Ebene erreicht zu haben, wo aber offensichtlich nicht einmal "der Geist ist entspannt und glücklich" länger als 1 Sekunde gehalten werden kann, während man über die "erreichte Ebene" intellektualisiert, das ist wohl die Gefahr die droht, wenn man dies ohne Semde praktiziert.

"Geheime Unterweisungen" kann man ja heute fast im Hunderterpack in der Buchhandlung mitnehmen. Dennoch finde ich den Text oben sehr inspirierend, und es ist sicher gut, die Wurzeltexte zu kennen um die eigene Erfahrung mit dem vergleichen zu können, was ein anerkannter alter Meister dazu gesagt hat.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

(Dilgo Khyentse Rinpoche)
Benutzeravatar
voom
Themenstarter
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 4881
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Mystiker

Re: Spannende Praxisanweisung Dzogchen

Beitragvon raterZ » 23. November 2013 22:08

da stimme ich zu. der text ist sehr gut! :namaste:
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
Benutzeravatar
raterZ
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1019
 
Buddh. Richtung: Vajrayana


Zurück zu Ganze Texte und Meditationen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron