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Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

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Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon Sherab Yönten » 5. Mai 2015 12:18

Für Kurzentschlossene: Morgen am 06.05.2015 im Museum für angewandte Kunst in Frankfurt/ Main um 19.00 Uhr:

Podiumsdiskussion zum Thema Mystik aus buddhistischer, christlicher und muslimischer Sichtweise.

Hier gibt es auch eine interessante Buddha - Ausstellung (in Kooperation mit dem Tibethaus), die noch länger läuft.

Bei Interesse werde ich gerne berichten.
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon Emaho » 5. Mai 2015 12:55

Ja, super, bitte berichte uns darüber!
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon raterZ » 5. Mai 2015 23:45

lol das wär ja was für mich. lustigerweise bin ich in der nähe. vielleicht guck ichs mir mal an ^^)
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon Sherab Yönten » 7. Mai 2015 12:29

raterZ hat geschrieben:lol das wär ja was für mich. lustigerweise bin ich in der nähe. vielleicht guck ichs mir mal an ^^)


Und ? Warst Du da ?

Ich hatte den Eindruck, dass alle 5 Referenten (2 vertraten den Islam, 2 den Buddhismus, 1 Vertreter des katholischen Christentums) sich darin einig waren, dass Mystik eine Erfahrung ist, die nicht mit Worten zu beschreiben war.

Sobald ein Referent jedoch versuchte, aus seiner Sicht Mystik in Worte zu fassen wurden Unterschiede auch zwischen den einzelnen mystischen Richtungen sichtbar.

Meister Eckart und Hildegard von Bingen wurden als "laute" christliche Mystiker erwähnt, Meister Eckart wurde sogar von der offiziellen Kirche verurteilt wegen seiner Position.

Es wurde besprochen inwieweit die Mystiker eine "Gefahr" darstellen würden für den Mainstream der Religionen. Die buddhistischen Vertreter verwiesen darauf, dass Yogis wie Milarepa und andere keinerlei Gefahr darstellten (im Gegenteil, sie wurden sehr verehrt unter der Bevölkerung) während der Vertreter des Christentums sowie des Islams die Meinung vertraten, die Mystiker wären "gefährlich". Es sei jedoch ein Vorurteil, dass die Sufisten sich weniger streng an den Koran halten würden wie andere, auch hätten sie durchaus auch einen Einfluss auf die politisch Mächtigen und es wäre ein Fehler wenn die USA meinten, dass der Sufismus die "einzig richtige islamische Religion" sei.

Bei Gelegenheit mehr :)
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon voom » 7. Mai 2015 13:24

Ich glaube nicht dass man sagen kann, dass der Sufismus der "einzig richtige Islam" sei, und es gibt schon Sachen, die bei den Sufis komplett anders ablaufen, und deswegen werden sie in den meisten islamischen Ländern auch extrem unterdrückt. Eben weil man sie gefährlich findet. Was soll eine Religion, die Tanzen in der Öffentlichkeit verbietet, vor allem wenn Männer und Frauen zusammenkommen, auch davon halten wenn in grossen Festivitäten zu eklektischer Musik Frauen und Männer in Massen ekstatisch "auf der Strasse herumtanzen" um Gott in sich zu erfahren. Der politische Einfluss des Sufismus ist heutzutage praktisch bei Null, und im Christentum sind die Mystiker gleich in der Esoterik angesiedelt und werden nicht mehr als Christen angesehen.
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon Sherab Yönten » 7. Mai 2015 15:01

voom hat geschrieben:Ich glaube nicht dass man sagen kann, dass der Sufismus der "einzig richtige Islam" sei, und es gibt schon Sachen, die bei den Sufis komplett anders ablaufen, und deswegen werden sie in den meisten islamischen Ländern auch extrem unterdrückt.


Der Referent sah das ja auch so und kritisierte die USA, die dieses wohl gerne hätten.

voom hat geschrieben:Der politische Einfluss des Sufismus ist heutzutage praktisch bei Null,


Das sah der Herr Professor (Prof. Dr. Wasim Frembgen/ Völkerkundemuseum München) aber anders, er bezog seine Kommentare aber wohl ausschließlich auf die Situation in Pakistan.

voom hat geschrieben: und im Christentum sind die Mystiker gleich in der Esoterik angesiedelt und werden nicht mehr als Christen angesehen.


Bei Hildegard von Bingen war das aber anders. Sie wurde damals wie heute durchaus als Christin gesehen und respektiert, auch wenn sie einen mystischen Ansatz vertrat.
Meister Eckart konnte sich mit seinen Ansichten dagegen nicht durchsetzen.
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon voom » 7. Mai 2015 15:26

Sherab Yönten hat geschrieben:
voom hat geschrieben:Der politische Einfluss des Sufismus ist heutzutage praktisch bei Null,

Das sah der Herr Professor (Prof. Dr. Wasim Frembgen/ Völkerkundemuseum München) aber anders, er bezog seine Kommentare aber wohl ausschließlich auf die Situation in Pakistan.

Pakistan ist wohl tatsächlich das einzige islamische Land, das in einer bestimmten Region noch eine offene lebendige Sufikultur hat. Sie haben es dort aber auch zunehmend schwer. Siehe z.B. http://www.deutschlandradiokultur.de/ke ... _id=147035

Oder Wikipedia:
Auch in Pakistan sind die Mystiker zunehmend ins Visier von Fundamentalisten, die den Taliban bzw. Al Qaida nahestehen, geraten. In den Jahren 2005 bis 2009 gab es neun Anschläge auf sufistische Schreine mit insgesamt 81 Toten.[17] Im Jahre 2010 gab es fünf Anschläge auf Schreine der Sufis, darunter einen Selbstmordanschlag auf das größte Heiligtum Pakistans, den Schrein des Data Gandsch Bakhsch im Zentrum Lahores, bei dem 45 Menschen starben, sowie zwei weitere Selbstmordanschläge auf den Schrein des Abdullah Shah Ghazis in Karachi, bei denen neun Personen getötet und 75 verletzt wurden.[18] Die ablehnende Haltung gegenüber dem Sufismus in Pakistan geht vor allem von den Deobandi und den Ahl-i Hadîth aus.[19]

In wahhabitisch beherrschten Saudi-Arabien wurde die Lehre von Sufismus als „Schirk“ (Götzendienst, Polytheismus) deklariert. Niederlassungen von Sufi-Bruderschaften sind in Saudi Arabien verboten. Insbesondere der Besuch von Schreinen sowie der Tanz und die Musik stoßen auf Ablehnung der wahhabitischen Fundamentalisten.[20] Die Wahhabiten zerstörten bereits vor Jahrzehnten konsequent alle Schreine, sogar die Schreine von Gefährten und Verwandten des Propheten, um die mystischen Kulte zu unterbinden.[21]


Sherab Yönten hat geschrieben:
voom hat geschrieben: und im Christentum sind die Mystiker gleich in der Esoterik angesiedelt und werden nicht mehr als Christen angesehen.

Bei Hildegard von Bingen war das aber anders. Sie wurde damals wie heute durchaus als Christin gesehen und respektiert, auch wenn sie einen mystischen Ansatz vertrat.

Ich meinte das ausschliesslich auf die heutige Zeit bezogen. Vereinzelt hat man in der Vergangenheit Mystiker integriert, aber nur so viel wie man vertragen konnte, ohne sich wirklich verändern zu müssen.
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon om.a » 7. Mai 2015 15:42

Hildegard von Bingen war eine hochgebildete
Schriftenkundige Frau (ihre Bildung kann sie nur genossen haben, weil sie zum Adel zählte),
dies ermöglichte ihr zu Lebenszeiten mit den damalig einflußreichen Männern in Kontakt zu stehen.
Dadurch war sie sozusagen automatisch anerkannt, gehörte dazu.
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon Sherab Yönten » 7. Mai 2015 19:36

Hier der Versuch einer allgemeinen Definition:

1) Gefühl der Allverbundenheit
2) Direkte Begegnung mit dem "Göttlichen"
3) Unorthodox

Zitate:

Aus islamischer Sicht: " Es gibt kein Blatt eines Baumes, das sich nicht durch die Kraft des Göttlichen bewegt" (Beziehungsmystik zu Gott).

Nitzsche: "Wo Sehnsucht und Verzweiflung sich paaren, da entsteht Mystik"

Christlich: "Die Gottwerdung des Menschen bedeutet Einstieg in die irdischen Verhältnisse, Mystik sei nichts " Abgehobenes. (Beziehungsmystik zu Gott).

Im Tibetischen Buddhismus: Die tibetische Sprache kennt den Begriff Mystik nicht !
Man könnte vielleicht sagen: "Mystiker sind die, die eine reine Sicht haben (Offenbarungen von Meditierenden/ Yogis), in Tibet: Niemals Beziehungsmystik (hat nichts mit einem außen stehenden Gott zu tun).
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon om.a » 7. Mai 2015 19:42

Vielen vielen Dank, lieber Sherab Yönten!

Der letze Absatz zur Mystik im Tibetischen macht mich nachdenklich, sehr interessant.- !!!!

( ? warum soll es ein wort geben, für einen natürlichen dauerzustand?)
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon Sherab Yönten » 7. Mai 2015 20:11

om.a hat geschrieben:( ? warum soll es ein wort geben, für einen natürlichen dauerzustand?)


Es gibt eigentlich gar kein Wort für jede Form der Mystik. Deshalb meinte ich gleich zu Beginn:

Sherab Yönten hat geschrieben:Ich hatte den Eindruck, dass alle 5 Referenten (2 vertraten den Islam, 2 den Buddhismus, 1 Vertreter des katholischen Christentums) sich darin einig waren, dass Mystik eine Erfahrung ist, die nicht mit Worten zu beschreiben war. Sobald ein Referent jedoch versuchte, aus seiner Sicht Mystik in Worte zu fassen wurden Unterschiede auch zwischen den einzelnen mystischen Richtungen sichtbar


Blöd oder ? Warum macht man dann solche Podiumsdiskussionen wenn alle sich einig sind, dass es eigentlich eine Erfahrung ist, die mit Worten nicht beschreibbar sind ?
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon om.a » 7. Mai 2015 20:18

Nein, bitte, das ist nicht blöd!
das ist interessant!!
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon om.a » 7. Mai 2015 20:27

Im Tibetischen Buddhismus: Die tibetische Sprache kennt den Begriff Mystik nicht !

Aus dem Sufismus und der christlichen Literatur kenne ich einige Bespiele, in denen die Mystiker selbst sich geäußert haben.

Mir ist es nur nicht aufgefallen, dass es sozusagen im Tibetischen das nicht so als eigenen Begriff gibt.
Und erkläre es mir so, dass dort das Mystische sozusagen allgegenwart ist, ( oder war, außerhalb der Klöster.)
Für mich ist das direkt ein "Schlüssel"., der mir da zugeflogen ist. sich in mein Loch gefügt hat. :perfect:
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon raterZ » 9. Mai 2015 15:10

ne war nicht da ^^)

und ich finde schon, dass sich mystik beschreiben lässt. aber ist halt schwer verständlich für leute, die diese erfahrung noch nicht hatten. dennoch finde ich, konnten gute poeten bspw. schon einen vorgeschmack geben. es gibt viele zen-gedichte oder koans in der hinsicht, die sowas andeuten.

bspw: "wenn alles zu einem wird, wozu wird dann das eine?"
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Re: Podiumsdiskussion zum Thema Mystik

Beitragvon om.a » 9. Mai 2015 15:16

das Deine !
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