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Selbstliebe

Buddhismus und buddhistische Praxis in allen Schulen und Richtungen

Selbstliebe

Beitragvon raterZ » 11. Juni 2015 18:28

Mir ist klar geworden, dass jede Mitgefühlsmeditation immer erst bei sich selber anfangen muss. D.h. man muss anfangen sich selber bedingungslos zu lieben. Das ist eine schwere Aufgabe - aber jedes Mitgefühl, was ohne Selbstliebe nach außen projeziiert ist, ist unvollständig.
Damit ist eben auch eine mehr oder weniger größere Schattenarbeit bei sich selbst verbunden. Welche Anteile in einem liebt man nicht, und wieso? Was kann ich mir nicht verzeihen etc.?
Erst wenn das vollständig bearbeitet ist, wird Mitgefühl auch spontan und ohne Probleme für andere entstehen können.

Wollte ich mal loswerden :angel:
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Re: Selbstliebe

Beitragvon Dakini » 11. Juni 2015 18:38

Jo...und es ist die schwerste Art zu lieben...
wie sang es Whitney Houston....
...I found the greatest love of all inside of me....

Video direkt über Youtube aufrufen
Zuletzt geändert von Dakini am 11. Juni 2015 18:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Selbstliebe

Beitragvon voom » 11. Juni 2015 18:39

Für mich war es eine wichtige Erkenntnis, was das Thema angeht, dass Selbstliebe nicht eine Energiebewegung von Aussen nach Innen ist, sondern von Innen nach Aussen. Probiert mal in der Meditation aus, was ich meine. Wenn man das Gefühl hat, Selbstliebe müsse "man sich von Aussen geben" dann ist das meist ein Hinweis auf eine versteckte Erwartung an die Eltern. Bei den buddhistischen Meditationen wird nicht ohne Grund meist das Licht im Herzzentrum erzeugt und durch den eigenen Körper dann nach Aussen zu den anderen Wesen hin ausgedehnt. Diese Bewegung ist stimmig. Dabei wird auch deutlich was das mit den Schatten auf sich hat: wenn man im Bild bleibt und da ist eine nicht "durchlichtete" Stelle im eigenen System, dann wirft diese einen Schatten wenn das Licht aus dem Herzen nach Aussen strahlt. Diese Schatten, bei anderen wahrgenommen, obwohl sie die eigenen sind, nennt man dann "Projektion". Erst wenn die Schatten beseitigt sind, kann man die Welt und die Wesen sehen, wie sie wirklich sind. Natürlich kann man durchaus Bereiche haben, wo man selbst schon geklärt ist, auch wenn andere Bereiche es nicht sind. Da kann man dann schon effektiv helfen. Ganz besonders, je mehr man sich selbst und die eigenen Themen schon kennt und dann bei den Schatten weiss, bei sich zu bleiben.
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Re: Selbstliebe

Beitragvon Tobias » 11. Juni 2015 19:01

Ich tue mich mit dem Begriff liebe an sich schwer. Ich habe Probleme mit der Abgrenzung dieses Gefühls. Buddha lehrte aus meiner Sicht grenzenlose Weisheit und grenzenloses Mitgefühl. Ich halte sehr viel von Wertschätzung und Mitgefühl. Das sind einigermaßen trennscharfe Begriffe. Damit lässt sich dann auch Tonglen o,ä. ausführen. Aber ich glaube nicht dass Buddha Liebe gelehrt hat auch wenn irgendein tib. "Philosoph" das in einem kategorisierungswah n an irgendeiner Stelle als wichtig erklärt hat. Der Kategorisierungswahn macht mich häufig skeptisch weil sich das schwer erfassen lässt. Aber wie gesagt es geht mir drum dass buddhistisch gesehen, ich keine trennscharfe Definition oder Beschreibung von Liebe kenne.

Liebe Grüße
tobias
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Re: Selbstliebe

Beitragvon Wanderer » 11. Juni 2015 20:10

Hallo !

Liebe...hab ich ausreichend.
Ich selbst liebe mich auch ausreichend.
Habe habe viele Fehler...aber einigermaßen erträgliche....glaube ich zumindest.

Aber ich veruche die "Liebe" eher von mir fernzuhalten, wenn ich ehrlich bin.
Ein eher störender und schwach machender Faktor, der mich an meinen Plänen hindert (die Weltherrschafft an mich zu reißen ! 8-) :mrgreen: )
Ich werde lieber sehr gemocht, als RICHTIG geliebt...
Wenn mich jemand richtig liebt, dann erzeugt das bei mir Druck und Einengung...und das kann ich auf den Tod nicht leiden !! :evil:
Dann werde ich wütend auf diesen Menschen, obwohl dieser ja eigetlich nichts gemacht hat...im Gegenteil
Ich selber "liebe" eigentlich nur meine Großmutter...sonst niemanden...selbst wenn alle meine Bekannten plötzlich verschwinden würden, wäre mir das relativ egal...würde mir in kurzer Zeit neue Bekannte zulegen..
Wenn ich z.B einem Menschen oder einer Organisation helfe, dann tue ich das weil ich es halt richtig finde.
Aber ich habe dabei kein echtes Gefühl...weder positiv noch negativ...
Es gehört sich einem Menschen (behindertes Kind, Frau, Obdachloser,...e.t.c) zu helfen...das ist Teil meines persönlichen Ehrenkodex.


Ich bin eher ein Einzelgänger....obwohl ich viele "platonische Bekannte" habe...
Mit Sicherheit habe ich eine Art Trauma...das inzwischen aber so fest mit mir verwachsen ist, dass man es nicht mehr trennen kann. :problem: :think:
Will ich aber auch gar nicht...ist ein Teil von mir...ähnlich wie eine Kreigsnarbe....nur halt seelisch..


Kurz gesagt: Ich liebe mich und die Menschen genug, um Ihnen und mir Gutes zu tun....das muß erst mal reichen...



LG,
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Re: Selbstliebe

Beitragvon Sherab Yönten » 11. Juni 2015 21:18

Solange man Selbstliebe nicht mit egoistischen Verhaltensmustern verwechselt....

Denn es gibt ja eigentlich kein Selbst was man lieben könnte.

Es ist aber klar, dass Mitgefühl für andere automatisch auch Mitgefühl für sich selbst einbezieht. Nur ist Mitgefühl für sich selbst nicht mehr oder weniger wichtig wie Mitgefühl für andere.
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Re: Selbstliebe

Beitragvon take care » 11. Juni 2015 21:40

raterZ hat geschrieben:Mir ist klar geworden, dass jede Mitgefühlsmeditation immer erst bei sich selber anfangen muss. D.h. man muss anfangen sich selber bedingungslos zu lieben. Das ist eine schwere Aufgabe - aber jedes Mitgefühl, was ohne Selbstliebe nach außen projeziiert ist, ist unvollständig.
Damit ist eben auch eine mehr oder weniger größere Schattenarbeit bei sich selbst verbunden. Welche Anteile in einem liebt man nicht, und wieso? Was kann ich mir nicht verzeihen etc.?
Erst wenn das vollständig bearbeitet ist, wird Mitgefühl auch spontan und ohne Probleme für andere entstehen können.

Wollte ich mal loswerden :angel:


Sehr gut, das ist der Weg,
richtig und mutig so!

:rose:
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Liebste Grüße und take care ...
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Re: Selbstliebe

Beitragvon raterZ » 12. Juni 2015 14:22

Sherab Yönten hat geschrieben:Es ist aber klar, dass Mitgefühl für andere automatisch auch Mitgefühl für sich selbst einbezieht.


theoretisch schon - praktisch aber nicht. solche inneren baustellen "umschifft" man gerne regelmäßig ;)
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Re: Selbstliebe

Beitragvon Sherab Yönten » 12. Juni 2015 14:34

raterZ hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:Es ist aber klar, dass Mitgefühl für andere automatisch auch Mitgefühl für sich selbst einbezieht.


theoretisch schon - praktisch aber nicht. solche inneren baustellen "umschifft" man gerne regelmäßig ;)


Was meinst Du denn mit inneren baustellen ?

Für mich ist die größte innere Baustelle die, dass ich lerne mir darüber im Klaren zu sein, dass ich so wie ich meine zu existieren gar nicht existiere, sondern dass diese Vorstellung der Existenz eben nur eine Illusion ist.
Diese Baustelle möchte das Ego selbstverständlich gerne umschiffen......
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Re: Selbstliebe

Beitragvon raterZ » 12. Juni 2015 20:35

das ist keine sache die man lernt, sondern erfährt.

aber weisheit ist nur die eine seite der medaille. mitgefühl die andere ;) beides ist gleich wichtig.
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Re: Selbstliebe

Beitragvon Sherab Yönten » 12. Juni 2015 20:51

raterZ hat geschrieben:das ist keine sache die man lernt, sondern erfährt.


Das weiß ich RaterZ. Ich habe schon mal geschrieben, dass ich manchmal Schwierigkeiten habe, Dinge schriftlich auszudrücken. Weisheit ist ja immer jenseits von Worten.

raterZ hat geschrieben:aber weisheit ist nur die eine seite der medaille. mitgefühl die andere ;) beides ist gleich wichtig.


Weiseit/ Mitgefühl gehören für mich zusammen, sie sind untrennbar.

Wie übst Du denn Mitgefühl mit Dir selbst zu haben ?
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Re: Selbstliebe

Beitragvon raterZ » 13. Juni 2015 19:57

ich erzeuge möglichst non-duales mitgefühl und strahle es in meinem körper herum mit der affirmation "ich liebe mich selbst".
kann ja jeder mal probieren und gucken was dann passiert. bei mir recht viel, also an emotionen und körperwahrnehmungsverädnerung. auch merke ich widerstände - heißt alles für mich, dass ich primär erstmal alles in mir in der hinsicht auflösen muss, bevor ich dieses mitgefühl nach außen strahlen kann.
und eines vermute ich dann nämlich: das wird dann völlig von alleine passieren, denn innen und außen sind nicht getrennt.
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Re: Selbstliebe

Beitragvon Klara » 15. Juni 2015 11:04

raterZ hat geschrieben:Mir ist klar geworden, dass jede Mitgefühlsmeditation immer erst bei sich selber anfangen muss. D.h. man muss anfangen sich selber bedingungslos zu lieben. Das ist eine schwere Aufgabe - aber jedes Mitgefühl, was ohne Selbstliebe nach außen projeziiert ist, ist unvollständig.
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Gebe Dir vollkommen recht, werter rater

Christus hat gesagt: "Liebet einander, wie ich euch geliebt habe"

Dies ist DAS Gebot, was mir am schwersten fällt . . .
.... und ich stelle oft fest, dass ich kein Gutmensch bin.
Dabei geht mir Harmonie und Frieden ueber alles.

Liebe ist ein grosses Wort, von der Handlung ganz zu schweigen.
Mitgefuehl kann ich entwickeln, kein Problem, aber Liebe . . .

daran werde ich wohl knabbern bis zum letzten Atemzug !

Das einzige selbstlose Empfinden der Liebe habe ich in der Mutterliebe
erfahren duerfen. Das wars, vermittelt mir aber zumindest eine Ahnung
wie Liebe beschaffen sein sollte.


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Re: Selbstliebe

Beitragvon raterZ » 15. Juni 2015 16:13

wichtig ist auch seinen körper zu lieben. denn man selbst ist eben nama-rupa: körper/geist. wir haben häufig so unsere komplexe mit unseren körper, vor allem unserer sexualität, also unseren genitalregionen. das will auch alles vollständig angenommen und geliebt werden ;)
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Re: Selbstliebe

Beitragvon Klara » 15. Juni 2015 16:28

raterZ hat geschrieben:wichtig ist auch seinen körper zu lieben. denn man selbst ist eben nama-rupa: körper/geist. wir haben häufig so unsere komplexe mit unseren körper, vor allem unserer sexualität, also unseren genitalregionen. das will auch alles vollständig angenommen und geliebt werden ;)


Oh je , ich mag mich noch nich mal im Spiegel begucken . . .
leide unter Lipolymphödemen.


:cry:
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Re: Selbstliebe

Beitragvon raterZ » 15. Juni 2015 16:49

nunja dann hast du ja deine baustelle ;)

genau darauf will ich ja hinaus mit dem thread. ^^)
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Re: Selbstliebe

Beitragvon Klara » 15. Juni 2015 22:40

raterZ hat geschrieben:nunja dann hast du ja deine baustelle ;)

genau darauf will ich ja hinaus mit dem thread. ^^)


is und bleibt harter Tobak, die janze Sache mit der Selbstliebe . . .

:devil:
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Re: Selbstliebe

Beitragvon Ayu » 16. Juni 2015 10:03

Dieser Thread handelt eher vom Blickwinkel der westlichen Psychologie.
Im tibetischen Buddhismus (Shantideva, Lodjong, 37 Praktiken eines Bodhisattva) wird es etwas anders gelehrt. Was nicht heißt, man solle sich gar nicht selbst lieben - nur geht der Fokus von sich selbst einfach weg. Da wäre es genauso abwegig, sich selbst zu kasteien oder abzulehnen, was ja wiederum nur eine negative Form der Selbstzentriertheit ist.

Aber grundsätzlich geht es im Buddhismus ja überall um das Annehmen der Situationen wie sie sind. Es soll ja keinem Ideal nachgeeifert werden, sondern man wird ermutigt, die Wirklichkeit daraufhin zu ergründen wie sie wirklich ist. Dazu gehört man selbst, aber die Anderen mindestens genau so.
Man selbst ist im Grunde das Lesebuch, um die anderen zu verstehen.

Gefühle wie Liebe kann man vielleicht üben oder erinnern, aber man sollte sie nicht fordern. Wenn ich nunmal Wasser in den käsigen Beinen hab, ist es eine idiotische Überforderung, dann auch noch von sich zu fordern, dass man das zu "lieben" hätte. Das ist über's Ziel hinaus geschossen. Es reicht aus, wenn man sich selbst nicht so wichtig nimmt.

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Re: Selbstliebe

Beitragvon voom » 16. Juni 2015 11:48

Psychologie hin- oder her, ich halte es für absolut notwendig, sich selbst zumindest zu 100% anzunehmen, wie man ist. Dann ist aber auch der Schritt zur Liebe nicht weit, wenn ich unter "Liebe" nicht irgendeinen romantischen Rauschzustand verstehe. Einer der Gründe, warum das im Buddhismus nicht so betont wird, so habe ich es mal gelesen, ist dass in Asien eher die Tendenz besteht, sich selbst zu überhöhen. Die Art und Weise wie hier viele Menschen sich selbst hassen oder ablehnen, ist eher nicht so bekannt und hat einige Lamas wohl sehr überrascht. Das bedeutet aber auch, dass es für solche Menschen kontraproduktiv ist, sich selbst "nicht so wichtig zu nehmen".

Es geht immer darum, eine Balance herzustellen.
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Re: Selbstliebe

Beitragvon Klara » 16. Juni 2015 12:29

voom hat geschrieben:Psychologie hin- oder her, ich halte es für absolut notwendig, sich selbst zumindest zu 100% anzunehmen, wie man ist. Dann ist aber auch der Schritt zur Liebe nicht weit, wenn ich unter "Liebe" nicht irgendeinen romantischen Rauschzustand verstehe. Einer der Gründe, warum das im Buddhismus nicht so betont wird, so habe ich es mal gelesen, ist dass in Asien eher die Tendenz besteht, sich selbst zu überhöhen. Die Art und Weise wie hier viele Menschen sich selbst hassen oder ablehnen, ist eher nicht so bekannt und hat einige Lamas wohl sehr überrascht. Das bedeutet aber auch, dass es für solche Menschen kontraproduktiv ist, sich selbst "nicht so wichtig zu nehmen".

Es geht immer darum, eine Balance herzustellen.


Eine Balance ist mir mit meinem Körper und damit verbundenen seelischen Zu-Stand
nicht möglich.
.... so kann ich mich nicht annehmen und lieben schon erst recht nicht.
Ich möchte hier keinen Link einstellen, worauf Bilder zu sehen sind, wie Frauen
mit Lipödemen aussehen :cry:

Seelen-Anteile in mir kriege ich schon eher auf die Reihe, die gut und positiv sind
für mich und auch Mitmenschen, aber die wiegen es nicht auf.
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Re: Selbstliebe

Beitragvon raterZ » 16. Juni 2015 13:40

tja vielleicht sollte man sich nicht nur immer auf alten meister aus vergangenen zeiten beziehen.
wir brauchen einen westlichen tantrischen buddhismus für das 21. jahrhundert, und da ist dieses thema wichtig.

diese psychologischen baustellen sind ganz klar immens wichtig für den spirituellen fortschritt, das haben mir die dakinis klar gemacht.
man kann das nämlich auch anders herum sehen: wer sich nicht liebt (damit ist bedingungsloses annehmen gemeint), der lehnt sich eben ab - und nimmt sich dafür dann auch wichtig. das ist eine negative selbstüberhöhung sozusagen, die der weisheitsfindung im wege steht.
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Re: Selbstliebe

Beitragvon Ayu » 16. Juni 2015 15:12

Was "man" sollte sei mal dahingestellt...

Ich kann nur von meinem Blickwinkel aus schreiben. Da sieht es so aus, dass es einfach viel besser möglich ist, sich selbst anzunehmen, indem man sich selbst nicht so wichtig nimmt.

Das "nicht so wichtig nehmen" muss in diesem Zusammenhang aber richtig übersetzt werden:
es heißt nicht, sich selbst abzuwerten. Es meint, sich selbst anzunehmen und andere wichtig zu nehmen, weil man sich selbst kennt und ergründet hat. Und von dort aus kann man gültige Schlüsse auf die Befindlichkeiten der Anderen ziehen - was wichtig ist auf dem Pfad des Buddhadharma, falls wir davon jetzt noch sprechen.

Es geht nur um den Fokus, und gar nicht um irgendwas mit Ablehnung. Im Grunde ist das, was ich meine, nicht sooo weit entfernt von raterZs Anfangsposting.
Nur, man kann sich in diesem "Sich selbst lieben SOLLEN" komplett verhedderm und verlieren. Buddhistisch gesehen. Stichwort: Dosis.

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Re: Selbstliebe

Beitragvon voom » 26. Juni 2015 11:30

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Re: Selbstliebe

Beitragvon Karma Pema » 27. Juni 2015 00:26

Namaste

Wenn ich Liebe empfinde gebe ich mir Liebe. Das hat aber dann nicht etwas damit zu tun das ich mich darum bemühe mir nur gutes zu tun. Ich fühle Liebe, ich gebe sie mir nicht von außen. Ich umfasse mich nicht, ich liebe kein ich oder mich, ich fühle Liebe.
Ich glaube Selbstliebe ist Lebensfreude die nicht Personengebunden ist, die nicht an meinen Körper gebunden ist, wenn ich diese Liebe empfinde, mag ich wie sich mein Körper bewegt. Dann mag ich Regen und Sonne, dann gebe ich mir dadurch Liebe das ich friedliche Gedanken habe.
Ich fühle anders als ich aussehe, weil ich es nicht gewohnt bin mich von außen zu sehen. Es ist so in der Natur, das ich aus diesem Körper hinaus gucke, auf andere Wesen. Ich glaube so sollte es sein. Ich mag mich nicht von außen sehen, das heißt aber nicht das ich keine Selbstliebe empfinde. Ich sehe mich lieber in den Augen meiner Katze.
Die Tibeter lassen sich auch nicht gern fotografieren.

Aber ich glaube auch Menschen die viel klagen und leiden lieben sich selbst, auch jene die unzufrieden sind, sind dies aus dieser Liebe heraus, denn sie lieben sich bereits. Sie beklagen, das sie es nicht verdienen so zu leiden, weil sie sich lieben. Nur wissen sie es vielleicht nicht.

Selbstliebe ist doch schon verwurzelt in dem Wunsch nicht sterben zu wollen.


Gute Wünsche,
Karma Pema
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Angekommen
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Re: Selbstliebe

Beitragvon voom » 27. Juni 2015 01:59

Ich weiss nicht, ob ich den Selbsterhaltungstrieb und das unbewusste Suchen nach Glück an den falschen Stellen wirklich als Selbstliebe bezeichnen würde...
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