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Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Wanderer » 8. September 2015 21:05

Hallo !

@voom
Bezüglich des letzten Links...ok, man kann nicht immer einen Treffer landen ! ;)

Dann mal meine persönliche Meinung:
Man sollte sich bei diesem 8-fachen Pfad auch nicht ZU extrem "versteifen".
Wir leben in einer viel komplexeren, viel moderneren Welt als die Menschen damals.
Bei jeder Tat zählt ja auch die "Intention"..ich glaube das hat hier ein USer schon mal geschrieben.
Was will ich mit der Tat oder dem gesagten erreichen ?

Man kann einfach nicht timmer die Wahrheit sagen, das steht ja nur als Goldstandart in den Texten.
Selber überlegen, wann , wo und wie man handelt...immer den geringsten Schaden für sich und anderen Menschen wählen.

Aber es wäre schon auch klug mitzu denken, damit man nicht in grobe Schwierigkeiten gerät...

Vielleicht kennt Ihr ja das Wort "Upaya" aus dem Mahayana Buddhismus, bedeutet so viel wie "geschickte Mittel".
Bodhisattvas und Buddhas verwenden das, um eben andere Wesen dadurch zu belehren...

Link: https://en.wikipedia.org/wiki/Upaya


Die Geschichte von mir mit den Haus ist so etwas...


"Upaya" verwenden und/oder sind teilweise auch "White lies", also "Weisse Lügen":


"White lies" are minor lies which could be considered to be harmless, or even beneficial, in the long term. White lies are also considered to be used for greater good. White lies are often used to shield someone from a hurtful or emotionally damaging truth, especially when not knowing the truth is completely harmless.



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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon voom » 8. September 2015 21:37

Sehe ich auch so... Die "geschickten Mittel" wurden oben in dem Kontext schon ein paar Mal erwähnt...

(Ich habe übrigens versucht, den Thread thematisch zu teilen in das ursprüngliche Thema Buddha / Bodhisattva und "Die Wahrheit sagen" aber ich finde keine saubere Trennlinie. Daher lasse ich es jetzt mal einfach so laufen...)
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon voom » 8. September 2015 23:24

Interessant ist vielleicht noch das Wort "nützlich"... Ein Vögelchen flüsterte mir ins Ohr, das würde "nutzbar" heissen, also schlicht: "man kann es verwenden", daher sei die Kombi "unwahr" und "nützlich" immer unheilsam.

Das halte ich aus mehreren Gründen für falsch: schon trivialsprachlich würden die oben angeführten Sätze so wenig Sinn machen - wenn es in dem Sinne "nicht nutzbar" wäre, braucht man sich gar keine Gedanken zu machen, ob man es den Leuten sagt oder nicht, weil es ja nicht "nutzbar" ist.

Dazu kommt, dass "nützlich" im buddhistischen Sinne IMMER "es nutzt den Wesen auf dem Weg zur Erleuchtung" meint. Weltlicher Nutzen ist hier nicht relevant, da man davon ausgehen kann, dass ein Buddha den Wesen nur wahrhaftig "nützliches" vermitteln will.

Ich will also sagen: wenn etwas vordergründig unwahr ist, kann es trotzdem im höchsten Sinne nützlich sein. Wenn also diese Unwahrheit die einzige Möglichkeit ist, Wesen im höchsten Sinne zu nutzen, dann sollte man das tun. Warum sollte das für einen Buddha nicht gelten? Aus meinem Empfinden heraus wird ein Buddha niemals aus Konzepten heraus handeln - also auch nicht aus dem Konzept heraus, nicht die Unwahrheit sagen zu dürfen - sondern im Einklang mit den Gegebenheiten des gegenwärtigen Augenblicks völlig konzeptfrei zum Nutzen der Wesen handeln.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Sherab Yönten » 9. September 2015 08:26

Magnetar hat geschrieben:
voom hat geschrieben:Was fehlt in der Auflistung ist: was er als unwahr, falsch aber nützlich erkennt - was macht er dann?


Aus meiner Sicht fehlt das deshalb, weil es so etwas nicht gibt, d. h. weil für einen Buddha kein Nutzen darin erkennbar ist.


Die Frage ist ob Unerleuchtete überhaupt beurteilen können ob bestimmte Handlungen für einen Buddha einen Nutzen haben oder nicht.

Buddhaghosa hat geschrieben:Der deutsche Indologe Schumann unterscheidet in seiner Einführung zum Buddhismus auch verschiedene Arten von Nirvana. Standardmäßig sind dies vortodliches und nachtodliches Nirvana. Für die "Bodhisattva-Schule" innerhalb des Mahayana trifft er jedoch die Unterscheidung in aktives und passives Nirvana. Ob diese Unterscheidung etwas taugt, müsste man sich genauer anschauen.


Ich kenne diese Unterscheidung nicht, möchte aber eine Vermutung äußern: Vielleicht ist "aktives Nirvana" = Buddhaschaft und "passives Nirvana" ist die totale Entsagung, das komplette sich Zurückziehen von jeder weltlichen Aktivität.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Wanderer » 9. September 2015 08:42

Hallo !

@Sherab Yönten
Im Berzin Archiv steht was über die 3 (es soll aber anbgeblich sogar 4) Arten des Nivana:
Link ist auf deutsch


Link: http://www.berzinarchives.com/web/de/ar ... rvana.html



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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Sherab Yönten » 9. September 2015 08:47

Jetzt wird es kompliziert (Zitat aus dem Link):

Die Hinayana-Lehrsysteme und innerhalb des Mahayana das Chittamatra- und Madhyamaka-Svatantrika-System kennen kein natürliches Nirvana. Es taucht nur im Prasangika-System auf, wie es die Gelug-Tradition erläutert. Zusätzlich erklären die Hinayana- und verschiedene Mahayana-Traditionen die drei Arten von erlangtem Nirvana unterschiedlich. Lassen Sie uns nun einige dieser Traditionen untersuchen.


@ Wanderer, welche Form von Nirvana aus dem Berzin Archiv würdest Du denn dem aktiven und welche dem passiven Nirvana (nach Schumann) zuordnen ?
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Wanderer » 9. September 2015 09:10

Hi !

@Sherab Yönten
Ich kann darauf leider nicht antworten, ich kenne mich einfach in der Materie "Buddhismus" zu wenig aus...
Aber wenn ich müsste, dann eventuel so..

Nirvana mit Überrest = aktiv
Nirvana ohne Überrest = passiv
nichtverweilendes Nirvana = beides


Allerdings gebe ich offen zu, dass ich mit Nirvana so gut wie gar nicht beschäftigt habe, weil ich bis vor sehr kurzer Zeit ein "Gegner
der Erleuchtung" war...also meiner Eigenen. Nirvana als Zustand war für mich eine eher schreckliche Vorstellung. Deshalb bemühte ich
mich zwar um gutes Karma, allerdings hab ich meine eigene Entwicklung zu Erleuchtung hin ,immer wieder mal "leicht sabotiert", damit
das ja nicht "zu früh" passiert.

Ich hab lieber ein sehr gutes Leben im Samsara...dann wiederholt es sich eben, na und ? ;)
Wenn man "gut wiedergeboren" (gesund, wohlhabend, einigermaßen attraktiv,...e.t.c) wird, sehe ich da ehrlich gesagt kein Problem darin...
Die Neugier auf das Leben selbst. Das ist doch das spannende und schöne ! :)
Ja, man muß Leid ertragen, aber das härtet ja eigentlich nur ab..und außerdem kann das Karma so ziemlich alles
sehr "abfedern", wie ich am eigenen Leib gemerkt habe...



Deshalb war Nirvana für mich nie ein wirkliches Thema...



P.S Ich habe jetzt im Hinduismus (genauer gesagt, eine bestimmte Richtung davon ) eine Art "Mittelweg" gefunden...der für mich akzeptabel ist.



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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Sherab Yönten » 9. September 2015 09:28

Wanderer hat geschrieben:gesund, wohlhabend, einigermaßen attraktiv,...e.t.c)


Dafür gibt es aber leider keine Garantie, lieber Wanderer :lol:
Es gibt aber eine Garantie, dass sich in jedem Leben "Alter, Krankheit und Tod" wiederholen.
Ziel (oder besser Motivation) im Buddhismus ist es daher, dem Daseinskreislauf zu entsagen.
Die Erkenntnis der Entsagung ist eine wichtige Voraussetzung, um jegliche Anhaftung zu überwinden.
Wer meint, ihm gefällt es eigentlich ganz gut im Samsara, der versäumt die Möglichkeit, die kostbare menschliche Existenz zu nutzen, denn es ist ja noch nicht mal sicher, dass wir im nächsten Leben als Mensch wiedergeboren werden, geschweige denn als ein "gesunder, wohlhabender und attraktiver" Mensch.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon voom » 9. September 2015 09:45

Auf der anderen Seite bietet ja auch besonders der Vajrayana (Dzogchen / Mahamudra) Wege, wie man ohne äußere Entsagung mitten im Leben verwirklicht sein kann; oder mit dem Amithaba-Buddhismus gibt es ein Angebot, wie man so leben könnte, wie Du es beschreibst, also ehtisch verträglich leben und sich darauf ausrichten, nach dem Tod erstmal im Dewatchen zu landen, wo man "direkt von einem" Buddha lernen und nicht mehr herausfallen kann. Von dort aus kann man dann übrigens auch wieder bewusst als Mensch inkarnieren...
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Sherab Yönten » 9. September 2015 09:48

voom hat geschrieben:nach dem Tod erstmal im Dewatchen zu landen,


Da muss man aber erst mal hinkommen ! :lol:
Wenn man schon die Grundeinstellung hat, ich finde Samsara eigentlich ganz nett, funktioniert das nicht.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Magnetar » 9. September 2015 09:56

voom hat geschrieben:Meine Formulierung beinhaltet aber bereits: es ist nützlich - im Sinne des Dharma.

Das ist ja genau der Punkt: im Sinne des Dharma. Ich sehe keine Unwahrheit, die man glauben müsste oder sollte, um das Heil erlangen zu können. Und wenn man sich den vom Buddha gelehrten Heilsweg anschaut, dann kann man sehen, dass Nicht-Lügen (zusammen mit anderen Faktoren) dieser Weg ist.

voom hat geschrieben:Das Beispiel von Wanderer ist ja schonmal ganz gut.

Meinst Du die Parabel aus dem Lotussutra? Es gibt sogar etwas Ähnliches in den Pali-Lehrreden: Ein Mönch will wegen einer schönen Frau ins Laienleben zurück, der Buddha zeigt ihm viel schönere Himmelsmädchen und bürgt dafür, dass er diese bekommen kann. Der Mönch bleibt also und übt weiter, schämt sich dann jedoch seiner Gründe und erlangt schließlich die Befreiung. Der Unterschied ist hier allerdings, dass er 1) die Himmelsmädchen tatsächlich hätte bekommen können (der Buddha also nicht gelogen hat) und 2) nicht die Befreiung hätte erreichen können, wenn er mit diesem Ziel weiterpraktiziert hätte. Man kann das brennende Haus (Samsara) nicht verlassen (Nirvana), wenn man es nicht wegen des Brandes tut. Wer das Leiden (erste Wahrheit) nicht sieht, der kann es nicht überwinden. Insofern hinkt die von "Wanderer" verlinkte Erklärung zu der Parabel aus dem Lotussutra.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Wanderer » 9. September 2015 10:11

Hi !

@Sherab Yönten
Garantie gibt es keine, richtig. Aber man kann sehr wohl das angesammelte Karma als eine Art "spirituelle Währung" verwenden...

Außerdem sind wir mal 1000% ehrlich: Ihr Buddhisten "haftet" doch in Wahrheit auch an... ;)
z.B An die Erleuchtung ("Nirvana")...
Ihr würdet nur nicht anhaften, wenn ihr sagen würdet, "ich mach das jetzt einfach mal, ob ich erleuchtet werde oder nicht ist mir am Ende "völlig egal" !
Macht Ihr aber nicht, weil Ihr alle ein "Ziel" verfolgt, an dem Ihr "anhaftet"... :mrgreen:
Manche machen "Retreat's" deswegen, und nehmen allerhand Einweihungen von Rinpoche's, Guru's...e.t.c

Also...Ihr habt nur eine "edlere Form" der Anhaftung..nämlich an spirituelle DInge ("Nirvana"), aber im PRinzip ist es doch das selbe.. :) ;)



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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon voom » 9. September 2015 11:00

Sherab Yönten hat geschrieben:
voom hat geschrieben:nach dem Tod erstmal im Dewatchen zu landen,


Da muss man aber erst mal hinkommen ! :lol:
Wenn man schon die Grundeinstellung hat, ich finde Samsara eigentlich ganz nett, funktioniert das nicht.

Im Sinne des Amithaba-Buddhismus könnte das schon funktionieren. Da ist nichts "hinzubekommen". Der Buddha hat versprochen, dass jeder der es wünscht in sein Reines Land kommt, und wer sich entsprechend auf Amithaba ausrichtet, braucht in dem Sinne eigentlich nichts weiter zu tun. Allerdings gibt es da ja diese "Aufnahmeschleuse" - also wenn man in seiner Entwicklung noch nicht so weit ist, das Reine Land wirklich begreifen zu können, bleibt man erstmal in einer geschlossenen Lotusblüte und kann diese Entwicklung da aufholen. Meiner Ansicht nach kann man sich diese "Lotusblüte" vorstellen wie eine Virtuelle Welt, eine Art "Simulator" wo man entsprechende Erfahrungen machen kann.

Magnetar hat geschrieben:Das ist ja genau der Punkt: im Sinne des Dharma. Ich sehe keine Unwahrheit, die man glauben müsste oder sollte, um das Heil erlangen zu können. Und wenn man sich den vom Buddha gelehrten Heilsweg anschaut, dann kann man sehen, dass Nicht-Lügen (zusammen mit anderen Faktoren) dieser Weg ist.

Ich habe den Eindruck hier sind wir mal wieder an einem Punkt, an dem wir uns eigentlich nur noch im Kreis drehen mit der Argumentation. Vielleicht sind es wirklich verschiedene Konzepte, die dem zugrunde liegen, vielleicht liegt es aber auch an den jeweils verwendeten und verschieden interpretierten Begriffen. Die Frage ist, ob wir eine gemeinsame Linie darin finden könne, eine andere ob wir es wollen.

und 2) nicht die Befreiung hätte erreichen können, wenn er mit diesem Ziel weiterpraktiziert hätte.

Das ist ja irrelevant - die geschickten Mittel funktionieren nicht, weil das formulierte Ziel echt ist, sondern weil der deswegen eingeschlagene Weg in die richtige Richtung weist. Dass man an einem bestimmten Punkt sieht, worum es eigentlich geht ist Sinn und Zweck der Sache.

Man kann das brennende Haus (Samsara) nicht verlassen (Nirvana), wenn man es nicht wegen des Brandes tut.

Dann taugt das Bild nicht. Denn ein brennendes Haus kann ich aus tausend Gründen verlassen, wenn ich es nicht wegen des Brandes tue. Wenn ich das Bild doch zurechtrücken will, kann ich immer noch sagen, dass mich die Täuschung zur Haustür weist, und dass ich dort dann das Haus verlasse, weil ich auf dem Weg inzwischen gemerkt habe, dass es brennt.

Das Einzige, was mich überzeugen könnte, ist dass ein Buddha per Definition nicht an den Stellen aktiv ist, wo eine solche Täuschung notwendig ist. Aber das Beispiel mit den Mädchen zeigt, dass es so nicht ganz sein kann. Übrigens finde ich, dass man bei dem Beispiel durchaus von einer Täuschung sprechen kann, nur dass es halt keine Lüge ist. Aber die eigentliche Absicht wird ja durchaus verborgen.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Sherab Yönten » 9. September 2015 11:01

Wanderer hat geschrieben:Ihr Buddhisten "haftet" doch in Wahrheit auch an..


Ich kann nur für mich sprechen: Natürlich gibt es bei mir noch Anhaftung.
Der buddhistische Weg ist allerdings ein Pfad der Übungen. Als Buddhist übt man, diese Anhaftungen zu überwinden. Schritt für Schritt.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Sherab Yönten » 9. September 2015 11:03

voom hat geschrieben:Der Buddha hat versprochen, dass jeder der es wünscht in sein Reines Land kommt, und wer sich entsprechend auf Amithaba ausrichtet, braucht in dem Sinne eigentlich nichts weiter zu tun.


Sorry, das gehört für mich in die Kategorie "Glauben", da es für mich nicht nachprüfbar ist.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon asoka » 9. September 2015 11:52

Sherab Yönten hat geschrieben:
voom hat geschrieben:Der Buddha hat versprochen, dass jeder der es wünscht in sein Reines Land kommt, und wer sich entsprechend auf Amithaba ausrichtet, braucht in dem Sinne eigentlich nichts weiter zu tun.


Sorry, das gehört für mich in die Kategorie "Glauben", da es für mich nicht nachprüfbar ist.


Glauben ist das falsche Wort!
Vertrauen ist gemeint.

Und klar kannst du es Nachprüfen.
Entwickel volles Vertrauen und wenn du stirbst hast du deine Antwort.

Egal welchen Weg du gehst die Zeche zahlst du mit dem Tod.

Alles andere ist nichts weiter sich darauf vorzubereiten und im Leben das Leben mit Leben zu füllen.
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Zuletzt geändert von voom am 9. September 2015 14:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Tobias » 9. September 2015 12:05

asoka hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:
voom hat geschrieben:Der Buddha hat versprochen, dass jeder der es wünscht in sein Reines Land kommt, und wer sich entsprechend auf Amithaba ausrichtet, braucht in dem Sinne eigentlich nichts weiter zu tun.


Sorry, das gehört für mich in die Kategorie "Glauben", da es für mich nicht nachprüfbar ist.


Glauben ist das falsche Wort!
Vertrauen ist gemeint.

Und klar kannst du es Nachprüfen.
Entwickel volles Vertrauen und wenn du stirbst hast du deine Antwort.

Egal welchen Weg du gehst die Zeche zahlst du mit dem Tod.

Alles andere ist nichts weiter sich darauf vorzubereiten und im Leben das Leben mit Leben zu füllen.
Im Idealfall mit Weisheit und Mitgefühl.


ich gebe Sherab zum Teil Recht so wie du argumentierst Asoka würde auch jeder Christ Moslem oder Jude argumentieren. Da nach buddhistischen Karmaverständnis in der Regel bei der Wiedergeburt keine Erinnerungen aus einem vorherigen Leben übrig bleiben kann die Erfahrung des Dewachen nicht nachgeprüfft werden. Du weißt nicht und wirst nie wissen ob dich nach deinem Tod das Bardo erwartet, das Dewachen, Petrus oder 72 Jungfrauen(Früchte).

Selbst wenn man mit dem Phowa sehr vertraut ist, mag man zwar eine Verbindung zum Dewachen in diesem Leben aufbauen können, eine nachprüfbare Sicherheit gibt es nicht. Da hilft nur vertrauen.

Deine Ausrichtung auf Weisheit und Mitgefühl Asoka, finde ich aber richtig. Letztlich ist das einzige was wir beeinflussen können, das was wir bewusst wahrnehmen. Buddha lehrte Weisheit und Mitgefühl, und danach hoffen wir das Beste

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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon asoka » 9. September 2015 12:31

@tobias

Du hast jedoch bei deiner Auflistung vergessen den Buddhismus.
Denn durch das Prüfen der Lehre wächst Vertrauen.
Und aus Vertrauen der Glaube.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Sherab Yönten » 9. September 2015 13:26

Tobias hat geschrieben:Selbst wenn man mit dem Phowa sehr vertraut ist, mag man zwar eine Verbindung zum Dewachen in diesem Leben aufbauen können, eine nachprüfbare Sicherheit gibt es nicht. Da hilft nur vertrauen.


Dagyab Rinpoche hat selbst mal erwähnt, dass manchmal die Unterschiede zwischen "Vertrauen" auf der einen Seite und "Glauben" auf der anderen Seite gar nicht mal so groß sind.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon voom » 9. September 2015 13:48

Ich möchte wieder einmal auf die verschiedenen Definitionen für Begriffe wie "Glaube" und "Vertrauen" hinweisen. Ich kann trivial etwas glauben, dann gehe ich einfach davon aus, dass es richtig ist. Das kann das Ergebnis von Erfahrung oder Prüfung sein, dann ist der Glaube mehr oder weniger berechtigt, oder ich kann etwas glauben, ohne dafür eine triftigen Grund zu haben. Der Glaube im christlichen Sinn meint aber nochmal was anderes. Da ist der Glaube Methode, er steht am Anfang von allem und braucht eben gerade keinerlei Beweise, man könnte sogar sagen der Glaube ohne Beweise ist sogar das Ideal. Im Englischen funktioniert das etwas besser, weil "faith" und "belief" verschiedene Nuancen sind, der christliche Glaube ist mehr "faith" und das triviale Glauben ist mehr "belief".

Beim Vertrauen ist das ähnlich, es gibt verschiedene Arten von Vertrauen, solches das durch Erfahrung gewachsen ist und solches, das am Anfang von Allem steht (Urvertrauen).

Dass der Amithaba-Buddhismus eher eine Glaubenssache ist, ist jedenfalls eine Kritik, die dieser Richtung des Buddhismus oft entgegen gebracht wird. Die Ähnlichkeiten zum Christentum sind in einigen Punkten zumindest oberflächlich betrachtet nicht von der Hand zu weisen.
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Beitragvon asoka » 9. September 2015 14:26

voom hat geschrieben:Ich möchte wieder einmal auf die verschiedenen Definitionen für Begriffe wie "Glaube" und "Vertrauen" hinweisen. Ich kann trivial etwas glauben, dann gehe ich einfach davon aus, dass es richtig ist. Das kann das Ergebnis von Erfahrung oder Prüfung sein, dann ist der Glaube mehr oder weniger berechtigt, oder ich kann etwas glauben, ohne dafür eine triftigen Grund zu haben. Der Glaube im christlichen Sinn meint aber nochmal was anderes. Da ist der Glaube Methode, er steht am Anfang von allem und braucht eben gerade keinerlei Beweise, man könnte sogar sagen der Glaube ohne Beweise ist sogar das Ideal. Im Englischen funktioniert das etwas besser, weil "faith" und "belief" verschiedene Nuancen sind, der christliche Glaube ist mehr "faith" und das triviale Glauben ist mehr "belief".

Beim Vertrauen ist das ähnlich, es gibt verschiedene Arten von Vertrauen, solches das durch Erfahrung gewachsen ist und solches, das am Anfang von Allem steht (Urvertrauen).

Dass der Amithaba-Buddhismus eher eine Glaubenssache ist, ist jedenfalls eine Kritik, die dieser Richtung des Buddhismus oft entgegen gebracht wird. Die Ähnlichkeiten zum Christentum sind in einigen Punkten zumindest oberflächlich betrachtet nicht von der Hand zu weisen.


Ist der Unterschied nicht unkomplizierter formoliert es gibt Glaube und blinder Glaube?
Und vielleicht höchte Stufe bedingunsloser Glaube.

1. Glaube gegründet auf Vertrauen durch Erfahrung.
2. Blinder Glaube durch unwissen.
3. Bedingubgsloser Glaube durch Dummheit.

Könnte man das so darlegen @voom
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon voom » 9. September 2015 14:41

asoka hat geschrieben:Ist der Unterschied nicht unkomplizierter formoliert es gibt Glaube und blinder Glaube?
Und vielleicht höchte Stufe bedingunsloser Glaube.

1. Glaube gegründet auf Vertrauen durch Erfahrung.
2. Blinder Glaube durch unwissen.
3. Bedingubgsloser Glaube durch Dummheit.

Könnte man das so darlegen @voom

Der christliche Glaubensbegriff ist halt - auch wenn das nicht viele wissen - ein theologischer Begriff mit einer ganz eigenen Bedeutung.

Ansonsten könnte man das so oder so oder so formulieren oder kategorisieren, hängt immer vom Bedarf ab.

Off Topic
Mir fällt es immer relativ leicht, Definitionen für Begriffe in verschiedenen Kontexten als nicht zwangsläufig übertragbar zu betrachten. In der wissenschaftlichen Literatur ist es normal, dass man den Bedeutungsrahmen eines Wortes zu Beginn erstmal genau definiert, wie man es verwendet. Bis hin zu eine Definition, die es bisher noch nie gab, die aber für diesen speziellen Text gebraucht wird und für die es kein besseres Wort gibt. Bei manchen Autoren hat man das Gefühl, man muss erstmal Vokabeln pauken, obwohl der Text eigentlich auf Deutsch ist. Bsp: beim Philosophen Zygmunt Baumann ist "Moral" das individuelle innere natürliche Empfinden darüber, was gut und böse ist, "Ethik" meint bei ihm eine gesellschaftlich vorgegebene Norm. Aus der Erfahrung des 3. Reichs heraus sagt er - ich vereinfache eine sehr komplexe Aussage - dass Ethik gefährlich ist, weil auch falsche Normen vorgegeben werden können, während Moral immer funktioniert, weil sie von Innen kommt. Das hat mit dem normalen Sprachempfinden wenig zu tun, aber da er das genau auseinanderhalten wollte und es keine treffsicheren Begriffe gibt, hat er sie eben zu Beginn so definiert.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Tobias » 9. September 2015 15:56

asoka hat geschrieben:@tobias

Du hast jedoch bei deiner Auflistung vergessen den Buddhismus.
Denn durch das Prüfen der Lehre wächst Vertrauen.
Und aus Vertrauen der Glaube.


kann ja sein. Was sherab sagte, war aber dass er diesen Teil der Lehre nicht prüfen kann. Darum ist hier kein Glaube oder Vertrauen möglich. Das ist natürlich nur ne individuelle Sichtweise. Aber ich finde sie durchaus schlüssig.

Liebe Grüße
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon asoka » 9. September 2015 16:07

Tobias hat geschrieben:
asoka hat geschrieben:@tobias

Du hast jedoch bei deiner Auflistung vergessen den Buddhismus.
Denn durch das Prüfen der Lehre wächst Vertrauen.
Und aus Vertrauen der Glaube.


kann ja sein. Was sherab sagte, war aber dass er diesen Teil der Lehre nicht prüfen kann. Darum ist hier kein Glaube oder Vertrauen möglich. Das ist natürlich nur ne individuelle Sichtweise. Aber ich finde sie durchaus schlüssig.

Liebe Grüße
Tobias


Das bleibt wie es auch voom darlegte Auslegungssache.
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Re: Unterschied: Bodhisattva und Buddha.

Beitragvon Buddhaghosa » 9. September 2015 21:01

Tobias hat geschrieben:Da nach buddhistischen Karmaverständnis in der Regel bei der Wiedergeburt keine Erinnerungen aus einem vorherigen Leben übrig bleiben kann die Erfahrung des Dewachen nicht nachgeprüfft werden...


Das verhält sich nach dem Theravada ganz anders. Liest man zum Beispiel im Vimanavatthu des Palikanons dann wird deutlich, dass die Götterwesen alle Rückblick haben auf ihr früheres Leben und welche Tat zur Wiedergeburt im Götterbereich führte. Daraus würde ich ableiten, falls es so etwas wie Reine Länder geben sollte, dass die dort wiedergeboren sich entsprechend den niederen Göttern auch daran erinnern können.

Gruß
Florian
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