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Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon voom » 28. Dezember 2015 19:20

Auch aus tantrischer Sicht ist die Aussage "dass das Ich nicht an diesen Körper gebunden ist" o.ä. nicht korrekt. Es gilt in gleicher Weise das Ich als Illusion zu erkennen. Ein Konstrukt, das keine inhärente und keine eigenständige Existenz besitzt. Tatsächlich geht die Leerheitsphilosophie im Mahayana ja noch wesentlich weiter als im Theravada.

Transformation bedeutet z.B., die Illusion von Leid verursachenden Störungen aufzulösen. Nicht das Leid wird zu Nicht-Leid, sondern die Illusion, die dazu führt, dass etwas als leidvoll erlebt wird, wird aufgelöst. Man schneidet die Wurzel der Giftpflanze ab. Eben das "ich". Auf einer bedingten Ebene spielt aber etwas im Mahayana eine Rolle, das man das "blosse Selbst" bezeichnen könnte. Auch wenn das Ich als solches eine Illusion ist, gibt es doch eine Bewusstseinskohärenz, die man aufrecht erhalten kann. Von dieser Basis ist dann auch erleuchtete Bodhisattva-Aktivität möglich.

Was die Aussage angeht, dass Mahayana auf den Lehren des Buddha beruht, so meint damit niemand, dass alles, was im Tantra usw. gelehrt wird so wortwörtlich von Buddha in den Palischriften gelehrt wurde. Vielmehr ist gemeint, dass die Mahayana-Lehren in wesentlichen Aspekten nicht mit den Aussagen des Buddha kollidieren, sondern darauf aufbauen bzw. diese um zusätzliche Aspekte erweitern.
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Sherab Yönten » 28. Dezember 2015 19:59

Buddhaghosa hat geschrieben:Was erwartest du denn, Sherab? Das ich hier bin, um Beifall zu klatschen. Mal ein Umweg, um die Sache anders zu erklären.


Was ich erwarte ? Du hast doch diesen Thread eröffnet. Was erwartest Du denn wenn Du als Theravada Praktizierender hier eine Frage über Tantra stellst ? Über eine Praxis also, die Du höchstwahrscheinlich in diesem Leben nie praktizieren wirst ?

Buddhaghosa hat geschrieben:Dieser Freiraum wird wohl nicht jedem zugestanden


Man kann nun mal bestimmte Aspekte des Tantra nicht durch die Theravada Brille betrachten. Das hattest Du aber gleich im ersten Thread getan. Und somit hat das Vertrauen, das Du zitiert hast, nichts, aber auch gar nichts, mit dem zu tun was Du hier praktizierst.

Buddhaghosa hat geschrieben:Falls meine Gesinnung dir nicht taugt, dann gilt wie immer: du musst hier nicht mit mir in Austausch treten. Möchtest du den Mahayana-Dharma aus Geiz oder weil du mir irgendwelche Sachen unterstellst zurückhalten, dann ist das deine Sache. Und vielleicht ein Bruch der Bodhisattva-Gelübde. Müsste mal ein Rinpoche drüberschauen


Und so eine Aussage finde ich das Allerletzte. Es scheint Dich empfindlich getroffen zu haben und nun suchst Du nach einer Möglichkeit, es mir heim zu zahlen. Vielleicht hast Du ja Einsicht und entschuldigst Dich bei mir für diese Maßlosigkeit !

voom hat geschrieben:Auch aus tantrischer Sicht ist die Aussage "dass das Ich nicht an diesen Körper gebunden ist" o.ä. nicht korrekt


Aus Kryia Tantra Sicht geht durchaus auch um das Aufgeben der Anhaftung an diesen "konventionellen" Körper. Und um das Aufgeben der Anhaftung an den "konventionellen" Geist. Das meinte ich mit "nicht gebunden sein".
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon asoka » 28. Dezember 2015 20:56

Sherab ich glaube du reagierst so weil er Theravadi ist oder zumindest ein Freigeist dieser Tradition aber den Kern stimmiger für sich erkannt hat.

Tantra ist nicht im vollen mass stimmig für ihn ist doch ok.

Aber denke er ist schon mehr als gut dabei was sein querwissen betrifft über alle Traditionen und seinen Weg geht er sehr konsequent.

Was neu ist das sich zum erstenmal eine persönlicheebene und emotionalle sich wiederspiegelt in seinen posting.

Dir seite kannte ich von ihm nicht er wirkte sonst sehr abgeklärt und beendete eine Diskussion in dem er nicht mehr reagierte wenn es aus seiner Sicht zu nichts mehr führt.

Und auf die Emotionalleebene ging er nicht bis jetzt.

Aber das ist keine Kritik an ihn.

Denke hierbei können wir eher noch etwas lernen daraus.

Gruss asoka
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Sherab Yönten » 28. Dezember 2015 20:59

asoka hat geschrieben:Sherab ich glaube du reagierst so weil er Theravadi ist oder zumindest ein Freigeist dieser Tradition aber den Kern stimmiger für sich erkannt hat


Ich habe das doch begründet warum ich so reagiert habe und nicht anders:

Sherab Yönten hat geschrieben:Man kann nun mal bestimmte Aspekte des Tantra nicht durch die Theravada Brille betrachten. Das hattest Du aber gleich im ersten Thread getan
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon raterZ » 28. Dezember 2015 21:05

Buddhaghosa hat geschrieben:Nach der theravadischen Meditationstheorie sind Visualisation und Visualisationsobjekt auch unmögliche Methoden und Objekte, um die 3 Daseinsmerkmale zu erkennen. Mantras natürlich auch.


das wird jetzt interessant, weil das würde ich gerne wissen, wo drinne steht, dass es unmögliche methoden sind. hast du quellen?
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon asoka » 28. Dezember 2015 21:19

Sherab Yönten hat geschrieben:
asoka hat geschrieben:Sherab ich glaube du reagierst so weil er Theravadi ist oder zumindest ein Freigeist dieser Tradition aber den Kern stimmiger für sich erkannt hat


Ich habe das doch begründet warum ich so reagiert habe und nicht anders:

Sherab Yönten hat geschrieben:Man kann nun mal bestimmte Aspekte des Tantra nicht durch die Theravada Brille betrachten. Das hattest Du aber gleich im ersten Thread getan


Das bezog sich doch nicht auf die Begründung :eh:
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon asoka » 28. Dezember 2015 21:24

raterZ hat geschrieben:
Buddhaghosa hat geschrieben:Nach der theravadischen Meditationstheorie sind Visualisation und Visualisationsobjekt auch unmögliche Methoden und Objekte, um die 3 Daseinsmerkmale zu erkennen. Mantras natürlich auch.


das wird jetzt interessant, weil das würde ich gerne wissen, wo drinne steht, dass es unmögliche methoden sind. hast du quellen?


Er sagt doch garnicht das es unmöglich ist sondern sagt nach theravadischen Meditationstheorie.
Theorie und Praxis ist doch ein unterschied.

Das ist doch nichts weiter als ein Vergleich. :think:
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 28. Dezember 2015 22:57

Hallo raterZ,

raterZ hat geschrieben:
Buddhaghosa hat geschrieben:Nach der theravadischen Meditationstheorie sind Visualisation und Visualisationsobjekt auch unmögliche Methoden und Objekte, um die 3 Daseinsmerkmale zu erkennen. Mantras natürlich auch.


das wird jetzt interessant, weil das würde ich gerne wissen, wo drinne steht, dass es unmögliche methoden sind. hast du quellen?


ich will es mal kurz begründen. Vorab noch eine Bemerkung: wenn es in der Theorie nicht möglich ist, dann auch nicht in der Praxis.

Satipatthana wird wörtlich auch verstanden als die Grundlagen auf die sich die Achtsamkeit richtet. Nach dem Satipatthana-sutta sind diese Grundlagen Körper, Gefühl, Geist und Dhamma. Im Theravada spricht man von den höchsten Realitäten (paramattha-dhamma): Körper, Geist, Geistesfaktoren und Nirvana. Die ersten 3 sind die bedingten höchsten Realitäten und Nirvana ist unbedingt.

Und nur an den höchsten bedingten Realitäten - der Begriff führt häufig zu Missverständnissen - können die Daseinsmerkmale erfahren werden.

Berzin schreibt über die Visualisation im Tantra folgendes:

Wenn wir mit der Vorstellungskraft arbeiten, arbeiten wir nicht nur mit vorgestellten Bildern, sondern auch mit vorgestellten Geräuschen, Gerüchen, körperlichen Empfindungen, mit vorgestellten Gefühlen, Emotionen und so weiter. Ganz offensichtlich erzeugen wir diese Vorstellungen mit unserem Geist... (http://www.berzinarchives.com/web/de/ar ... ation.html)


An vorgestellten Dingen kann ich die Daseinsmerkmale nicht erkennen, ebenso wenig wie an den Hörnern eines Hasen. Die 5 khandha sind eine weitere Zusammenstellung der paramattha-dhamma. Ein typischer Refrain beim Buddha geht wie folgt:

»Was meint ihr wohl, o Mönche: Ist die Körperlichkeit (rūpa) vergänglich oder unvergänglich? Vergänglich, o Ehrwürdiger. Sind Gefühl (vedanā), Wahrnehmung (saññā), Geistesformationen (sankhāra) und Bewußtsein (viññāna) vergänglich oder unvergänglich? Vergänglich, o Ehrwürdiger.

Was aber vergänglich ist, ist das leidvoll oder freudvoll? Leidvoll, o Ehrwürdiger.

Von dem aber, was vergänglich, leidvoll und dem Wechsel unterworfen ist, kann man wohl da mit Recht sagen: 'Das gehört mir, das bin ich, das ist meine Persönlichkeit?' Nein, o Ehrwürdiger.

Was es daher, ihr Mönche, an Körperlichkeit gibt, an Gefühl, Wahrnehmung, Geistesformationen und Bewußtsein, da hat man der Wahrheit gemäß in rechter Einsicht zu verstehen: 'Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht meine Persönlichkeit'.« (M. 22 u. a.)


Der Buddha macht hier klar, an welchen Objekten man die Daseinsmerkmale festzustellen hat. Körper, Geist, Geistesfaktoren und nicht an vorgestellten Dingen.

Was aber nicht bedeutet, dass Visualisationen grundsätzlich schlecht sind und der Buddha gar nichts in diese Richtung gelehrt hätte.

Gruß
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 28. Dezember 2015 23:15

Sherab Yönten hat geschrieben:
Buddhaghosa hat geschrieben:Falls meine Gesinnung dir nicht taugt, dann gilt wie immer: du musst hier nicht mit mir in Austausch treten. Möchtest du den Mahayana-Dharma aus Geiz oder weil du mir irgendwelche Sachen unterstellst zurückhalten, dann ist das deine Sache. Und vielleicht ein Bruch der Bodhisattva-Gelübde. Müsste mal ein Rinpoche drüberschauen


Und so eine Aussage finde ich das Allerletzte. Es scheint Dich empfindlich getroffen zu haben und nun suchst Du nach einer Möglichkeit, es mir heim zu zahlen. Vielleicht hast Du ja Einsicht und entschuldigst Dich bei mir für diese Maßlosigkeit !


Nein, da tappst du im Dunkeln bei mir, Sherab. Erinnert mich auch ungut an http://anfaengergeist.net/topic1015.html im Mitgliederbereich.

Was ich erwartet habe, ist einfach: einfach Antworten, wie Vipassana im Tantra verstanden und praktiziert wird. Damit ich dann für mich feststellen kann: ist gleich, ist anders, ist holladiewaldfee u.a.

voom hat geschrieben:Vielmehr ist gemeint, dass die Mahayana-Lehren in wesentlichen Aspekten nicht mit den Aussagen des Buddha kollidieren, sondern darauf aufbauen bzw. diese um zusätzliche Aspekte erweitern.


Da bin ich ja gerade dabei, diese Aussage für mich zu validieren bzw. falsifizieren. Weil mein Eindruck ist, dass viele im Mahayana sich diese Mühe eben nicht machen, sondern es einfach als gegeben hinnehmen. Blinder Glaube, was ich als "gefährlich" sehe.

Gruß
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon raterZ » 29. Dezember 2015 00:27

@buddhagosa: unter welche kategorie fallen dann visualisationen für dich? für mich ist das immer noch die kategorie des geistes.
deshalb sehe ich darin keinen widerspruch.
eine mahayana theorie geht ja noch weiter und sagt, dass alles nur geist ist. das mit dem festen körper ist dann genau nur so eine illusion, ganz ähnlich einer visualisation.

finds aber witzig, wie du sagst, dass die visualisationsmethodik praktisch nicht funktionieren kann, weil es "theoretisch" nicht geht. und dann sprichst du davon, dass du blinden glauben gefährlich hälst. sorry, aber das erheitert mich :giggle:

:alienwink:
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon voom » 29. Dezember 2015 01:31


voom hat geschrieben:Auch aus tantrischer Sicht ist die Aussage "dass das Ich nicht an diesen Körper gebunden ist" o.ä. nicht korrekt


Aus Kryia Tantra Sicht geht durchaus auch um das Aufgeben der Anhaftung an diesen "konventionellen" Körper. Und um das Aufgeben der Anhaftung an den "konventionellen" Geist. Das meinte ich mit "nicht gebunden sein".

Den Teil der Aussage meine ich nicht sondern dass man nicht das Ich an etwas anderes bindet sondern man erkennt dass es sowas wie ein Ich gar nicht gibt. Es ist eine Illusion.
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 29. Dezember 2015 01:37

raterZ hat geschrieben:finds aber witzig, wie du sagst, dass die visualisationsmethodik praktisch nicht funktionieren kann, weil es "theoretisch" nicht geht. und dann sprichst du davon, dass du blinden glauben gefährlich hälst. sorry, aber das erheitert mich


Die Richtigkeit ist auf den ersten Blick auch nicht unbedingt ersichtlich. Aber sieh' es einmal so: wenn der Statiker mit seinen mathematischen Berechnungen - also recht theoretisch - sagt, dass die Brücke nur Gewicht X tragen kann, willst du es dann in der Praxis austesten?

Gruß
Florian
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon voom » 29. Dezember 2015 01:39

Rein mathematisch betrachtet können Hummeln nicht fliegen
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 29. Dezember 2015 01:50

Tun sie ja auch nicht. Nicht die Hummel bewegt sich, sondern das Universum um die Hummel herum. ;)

Gruß
Florian

Aber dennoch https://de.wikipedia.org/wiki/Hummeln#F ... n.E2.80.9C
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Sherab Yönten » 29. Dezember 2015 08:34

Buddhaghosa hat geschrieben:Nein, da tappst du im Dunkeln bei mir, Sherab. Erinnert mich auch ungut an http://anfaengergeist.net/topic1015.html im Mitgliederbereich.


Warum zitierst Du diesen Link ? Hier warst Du doch gar nicht beteiligt.

Buddhaghosa hat geschrieben:Was ich erwartet habe, ist einfach: einfach Antworten, wie Vipassana im Tantra verstanden und praktiziert wird. Damit ich dann für mich feststellen kann: ist gleich, ist anders, ist holladiewaldfee u.a.


Ich fürchte es gibt keine einfachen Antworten, das siehst Du ja auch schon daran, dass selbst Tantra Praktizierende ganz unterschiedliche Vorstellungen über Tantra haben, je nachdem welche Tantra Klasse sie praktizieren, aus welcher Schule die Einweihung gegeben wird und wer der Lehrer ist, der diese Einweihungen gibt. Um solche Missverständnisse zu vermeiden gibt es nicht umsonst das "Gebot der Geheimhaltung". Tantra ist für mich außerdem eine Meditationstechnik, die erfahren (praktiziert) werden muss. Sie ist nur begrenzt mit Hilfe der Logik (der Sprache) bzw. des Intellektes erklärbar, da es ja ein Ziel im Tantra ist, diese konventionellen ("unreinen") Sichtweisen zu durchbrechen.

voom hat geschrieben:Den Teil der Aussage meine ich nicht sondern dass man nicht das Ich an etwas anderes bindet sondern man erkennt dass es sowas wie ein Ich gar nicht gibt. Es ist eine Illusion.


Ja klar ist das so, inwiefern widerspricht das meiner ursprünglichen Aussage ?
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Sherab Yönten » 29. Dezember 2015 11:05

Vielleicht hilft das ja weiter (hat aber nur indirekt mit Tantra zu tun):

Im tibetischen Buddhismus, der sich im Lamrim auf die Lehren des Buddha stützt, sind Shamata und Vipassana untrennbar. Das ist wie Feger und Schaufel - eins ohne das andere wird auf Dauer als sinnlos angesehen.Shamata & Vipassana = Stilles Verweilen & Besondere Einsicht = Konzentration & Weisheit = die letzten beiden der 6 Paramitas.
Sie gehen nicht ganz direkt zusammen aber ergänzen sich grundlegend und können in einer Sitzung abwechselnd fokussiert werden. So kann aus völliger Ruhe heraus die Leerheit analytisch betrachtet werden und aus dieser "Aufregung" heraus kann wieder zurück in die Ruhe gegangen werden. Die Besondere Einsicht vertieft sich so systematisch.


Die Quelle ist mir leider nicht (mehr) bekannt.
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon voom » 29. Dezember 2015 11:11

Die Formulierung war zumindest missverständlich... Schau sie Dir nochmal an. In so einer Diskussion muss man manchmal spitzfindig sein, um Missverständnisse zu vermeiden.

Ich bitte @Hummel um Verzeihung für die Unterstellung mathematischer Pummeligkeit :thumbup:
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Sherab Yönten » 29. Dezember 2015 12:01

Die Leidhaftigkeit aller körperlichen und geistigen Phänomene wird ja eben durch die tantrische Praxis transformiert. "Ich" erkenne durch diese Transformation, dass ich nicht mehr an diesen einen Körper oder Geist gebunden bin und verliere somit die Anhaftung daran (also: Erkenntnis der Ich -Losigkeit).


Kann es sein, dass Du das Wort "Transformation" störend findest und/oder das Wort Ich ?

Zum Begriff Transformation:

Du hattest hier häufiger schon behauptet, im Tantra würde nichts "transformiert" werden, Du hattest dabei aber (wohl) eine andere Tantra Klasse im Sinn wie die, die ich praktiziere. Wenn ich über Tantra schreibe, dann aus der Sicht von Kryia Tantra. Dagyab Rinpoche hat in seinen letzten Erklärungen im Übrigen ausführlich erläutert wann, was, wie, im Kryia Tantra transformiert wird.

Zum Begriff Ich:

Das Wort Ich habe ich bewusst in Gänsefüßchen geschrieben. Ein "Ich", das nur eine Fiktion ist, kann natürlich auch nicht erkennen, das etwas transformiert werden muss. Allerdings ist es bis dorthin ein langer und steiniger Weg ;)
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon asoka » 29. Dezember 2015 12:36

Ist hier nicht vielmehr die Transformation der Sichtweise gemeint?

Von verblendung zur Sicht sehen wie die Dinge sind so in etwa?

Was anderes wer für mich nicht nachvollziebar. :scratch:
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Sherab Yönten » 29. Dezember 2015 12:43

asoka hat geschrieben:Ist hier nicht vielmehr die Transformation der Sichtweise gemeint?

Von verblendung zur Sicht sehen wie die Dinge sind so in etwa?

Was anderes wer für mich nicht nachvollziebar. :scratch:


Stimmt, das ist ein Aspekt, wie Transformation gemeint ist. :perfect:
Wobei Verblendung bedeutet: Geistesgifte
Und Transformation dieser Verblendung: "Nutzung dieser Geistesgifte", quasi als "Brennstoff" der tantrischen Transformation. Theravada "nutz" die Geistesgifte in diesem Sinne nicht, da geht es mehr um Enthaltsamkeit, also um Vermeidung der Geistesgifte (das hatten wir hier aber auch schon mehrfach, dürfte nix neues Sein).
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 29. Dezember 2015 13:12

Sherab Yönten hat geschrieben:
Die Leidhaftigkeit aller körperlichen und geistigen Phänomene wird ja eben durch die tantrische Praxis transformiert...


Kann es sein, dass Du das Wort "Transformation" störend findest und/oder das Wort Ich ?


Ja, transformieren passt hier für mich nicht. Nicht in dieser Verwendung. Transformieren bedeutet umwandeln, umformen. Wie willst du die "Leidhaftigkeit aller körperlichen und geistigen Phänomene" umwandeln? Die Leidhaftigkeit aller bedingt entstandenen Phänomene (dharma) leitet sich grundlegend aus ihrer Vergänglichkeit ab. Weil Phänomene vergänglich sind, sind sie leidhaft.

Ein anderes Beispiel: trete ich jemandem mit voller Wucht gegen das Schienbein, dann tut es weh. Egal wessen Schienbein es ist - vom größten Sünder bis hin zum heiligsten Buddha. So ein Tritt tut weh. Wie wandelst du dieses schmerzhafte körperliche Phänomen um?

Auf körperlichen Schmerz kann man aber dreifach reagieren: gefällt mir, gefällt mir nicht oder gleichmütig. Das Reaktionsmuster auf körperlichen Schmerz oder allgemeiner auf die Leidhaftigkeit aller körperlichen und geistigen Phänomene kann man umwandeln. Dann wird man nicht mehr vom berühmten zweiten Pfeil getroffen. Aber der erste Pfeil trifft einen solange man lebt.

Gruß
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon raterZ » 29. Dezember 2015 13:30

Buddhaghosa hat geschrieben:
raterZ hat geschrieben:finds aber witzig, wie du sagst, dass die visualisationsmethodik praktisch nicht funktionieren kann, weil es "theoretisch" nicht geht. und dann sprichst du davon, dass du blinden glauben gefährlich hälst. sorry, aber das erheitert mich


Die Richtigkeit ist auf den ersten Blick auch nicht unbedingt ersichtlich. Aber sieh' es einmal so: wenn der Statiker mit seinen mathematischen Berechnungen - also recht theoretisch - sagt, dass die Brücke nur Gewicht X tragen kann, willst du es dann in der Praxis austesten?

Gruß
Florian


na wenn es darum um einen persönlichen gewinn geht - na sicher. wieso sollte ich einem dahergelaufenden statiker trauen? ;)
ich kann dir bestätigen, dass es quatsch ist: es ist praktisch möglich, also muss es auch theoretisch möglich sein ^^)
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Sherab Yönten » 29. Dezember 2015 13:39

@ Florian:

http://www.tantra-tradition.de/11.html

Zusammenfassung 

Der Weg des buddhistischen Tantra ist durch lange Tradition zusammengefasst und kanonisiert worden. Es ist ein stufenweiser Weg voller Klarheit. Es geht um die Erkenntnis der Leerheit und gleichzeitigen Glückseligkeit, der uns allen innewohnenden Buddha-Natur, die uns nur verschleiert erscheint. 
Nach einem Training der grundlegenden Begriffe der Hinayana- und Mahayana-Stufe des Buddhismus erfolgen die schritte der Zufluchtnahme, des Bodhisattva-Gelübdes und, nach langwierigen vorbereitenden Übungen, der Initiation durch den Guru (Lama) in ein bestimmtes Mandala. 
Die eigentliche Tantra-Praxis gliedert sich in zwei Phasen: in der ersten, der Erzeugungsphase, wird mit Hilfe eines täglichen Sadhana die Gottheit (Yidam) visualisiert, bis man sich selbst ständig als Form der Gottheit sehen kann, was tief greifende Transformationsprozesse nach sich zieht. In der zweiten Phase, der Vollendungsphase, wird eine Feinkörperpraxis vollzogen, die der Kundalini-Praxis im Hindu-Tantra sehr ähnelt, mit der Folge der völligen Erkenntnis der Leerheit, der Erfahrung großer Glückseligkeit und innerer Hitze (Tummo). In den hohen Stufen kommt eine spezifische sexuelle Praxis dazu. 
Typisch für das buddhistische Tantra sind ethische Regeln, Gelübde (Samaya) genannt, durch deren Einhaltung der Adept mehr und mehr in der Besitz der geistigen und weltlichen Siddhis gelangt. Ziel ist jedoch die völlige Erkenntnis der Leerheit und der Zustand der Erleuchtung, der dann zur Befreiung der anderen Wesen genutzt wird. 

Das ist es was unter Transformation im Tantra verstanden wird. Der vollständige Text im Link erklärt es etwas besser wie in dieser Zusammenfassung.
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 29. Dezember 2015 16:26

Hallo Sherab,

für mich ist dein Satz ...

Sherab Yönten hat geschrieben:Die Leidhaftigkeit aller körperlichen und geistigen Phänomene wird ja eben durch die tantrische Praxis transformiert...


... etwas anderes als der von Tantra-Tradition.de:

Tantra-Tradition.de hat geschrieben:Die eigentliche Tantra-Praxis gliedert sich in zwei Phasen: in der ersten, der Erzeugungsphase, wird mit Hilfe eines täglichen Sadhana die Gottheit (Yidam) visualisiert, bis man sich selbst ständig als Form der Gottheit sehen kann, was tief greifende Transformationsprozesse nach sich zieht...


Geht das nur mir so?

Gruß
Florian
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Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon asoka » 29. Dezember 2015 17:11

Ich kenne die Sadhana Praxis mit drei Fasen!
Und mir wurde immer gelehrt es sei wichtig das man am Ende alles auflöst. :angel:
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