Andere buddhistische Foren in Deutschland,
in denen wir aktiv sind:
Tibet. Zentrum Hamburg forum.tibet.de
Buddhaland - Ein Portal für Buddhismus

Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Einfache Fragen und Antworten (nicht nur) für Buddhismus-Neulinge

Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 29. Oktober 2015 20:23

Hallo,

Ausgehend von Tobias Thread http://anfaengergeist.net/achtsamkeitst ... -t982.html stelle ich mir die Frage: was versteht man im Mahayana und Tantra unter vipassana und Achtsamkeit?

Gerade Tobias Andeutungen zu vipassana sind durch meine Theravada-Brille unverständlich.

Gruß
Florian
Alle anders, Alle gleich
Benutzeravatar
Buddhaghosa
Themenstarter
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 281
 
Buddh. Richtung: Klassischer Theravada
Wohnort: München

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 1. November 2015 13:17

Ich habe bei Dzogchen Ponlop Rinpoch in seinem Der Geist überwindet den Tod nachgelesen. Allerdings erstmal nur im Glossar, hier die Zitate:

Vipassana (Skt. visheṣhapashyan; Tib. lhag mthong): Meditation zur Entwicklung der Einsicht in die wahre Natur der Realität. Vipassana wird auf der Basis der Shamatha-Meditation praktiziert. Der Wortbestandteil „visheṣha“ in dem Wort „visheṣhapashyanā“ bedeutet „besonders“ oder „überlegen“, „pashyan“ kann mit „sehen“ oder „beobachten“ übersetzt werden. Diese Art der Meditation wird so genannt, weil man das Besondere – das heißt, die wahre Natur der Phänomene – mit den Augen der Weisheit erkennt.


Die wahre Natur - zumindest des Geistes - wird weiter von ihm definiert als:

Wahre Natur des Geistes (Tib. sems kyi gnas lugs): Eine Bezeichnung für den Geist, der frei ist von Verdunkelungen. Die wahre Natur des Geistes ist den Wesen innewohnend (Tib. gnyug ma). Man spricht auch vom natürlichen Zustand des Geistes, vom „gewöhnlichen Geist“ oder von der „selbstgewahren Weisheit“.


Bisher verstehe ich es so, dass Vipassana hier dazu dient, die wahre Natur des Geistes frei von Verdunkelungen zu erkennen.

Gruß
Florian
Alle anders, Alle gleich
Benutzeravatar
Buddhaghosa
Themenstarter
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 281
 
Buddh. Richtung: Klassischer Theravada
Wohnort: München

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Tobias » 1. November 2015 13:42

Lieber Florian,
so ist es. Ich bin gespannt, was du sagst, wenn du die entsprechenden Methoden(Anwendungen ) der Vipassana Meditation liest- mich interessiert der Vergleich von Vajrayana und Theravada hier auch.

Liebe Grüße
Tobias
Wir sind das, was wir denken. Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt. Sprich und handle mit reiner Gesinnung Und Glück wird dir folgen, wie dein unteilbarer Schatten.
Buddha Gautama


Labyrinth - Mehrgenerationenwohnen Transreligiöses Spirituelles Gemeinschaftswohnen
Benutzeravatar
Tobias
Admin AD
Admin AD
Beiträge: 1503
 
Buddh. Richtung: Rime, Dzogchen, Mahamudra - mit großem Respekt vor Theravada und Zen
Gender: Männlich
Wohnort: Fahretoft

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon voom » 1. November 2015 13:45

Ich habe den Eindruck, dass gerade in der säkularen Verwendung der Übung die Begriffe oft ein wenig anders verwendet werden. z.B. wird oft für Shamata/Vipassana nur der Begriff "Vipassana" verwendet. Gemeint ist dann trotzdem die Übung der Geistesruhe, die bei Erfolg zur Einsicht führt. Für diese Einsicht gibt es je nach Tiefe der Geistesruhe verschiedene Ebenen. Es kann erstmal eine eher weltliche Einsicht sein, je weiter man mit der Übung fortschreitet, umso tiefer werden auch die Einsichten.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

(Dilgo Khyentse Rinpoche)
Benutzeravatar
voom
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 4881
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Mystiker

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Tobias » 29. November 2015 00:22

Hallo Florian,

anlehend an den unten zitierten Beitrag von dir würde ich gerne von dir wissen inwiefern du unterschiede/Gemeinsamkeiten zwischen Vipassana in der Theravada-Tradtion und in der Vajrayana-Mahayana-Tradition siehst? Siehst du unterschiede im Ziel der Meditation oder in der Art und weise wie meditiert wird?

Dazu möchte ich sagen, dass ich den Begriff Befreiung im Theravada und die Erkenntis der Natur des Geistes(Vajrayana) durchaus ähnlich finde, wenn sie auch im Detail nicht identisch sind denke ich.

Liebe Grüße
Tobias

Buddhaghosa hat geschrieben:Hallo,

Ausgehend von Tobias Thread http://anfaengergeist.net/achtsamkeitst ... -t982.html stelle ich mir die Frage: was versteht man im Mahayana und Tantra unter vipassana und Achtsamkeit?

Gerade Tobias Andeutungen zu vipassana sind durch meine Theravada-Brille unverständlich.

Gruß
Florian
Wir sind das, was wir denken. Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt. Sprich und handle mit reiner Gesinnung Und Glück wird dir folgen, wie dein unteilbarer Schatten.
Buddha Gautama


Labyrinth - Mehrgenerationenwohnen Transreligiöses Spirituelles Gemeinschaftswohnen
Benutzeravatar
Tobias
Admin AD
Admin AD
Beiträge: 1503
 
Buddh. Richtung: Rime, Dzogchen, Mahamudra - mit großem Respekt vor Theravada und Zen
Gender: Männlich
Wohnort: Fahretoft

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 23. Dezember 2015 14:31

Hallo Tobias,

ich habe das Buch nur quer gelesen, was keine gute Grundlage ist für eine angemessene Bewertung. Mein Eindruck soweit ist, dass die Prämisse im Theravada und Mahayana eine andere ist und damit wohl auch die Konklusion.

Wenn der Mahayana von der wahren Natur des Geistes spricht, die frei ist von Verblendung, dann ist das im Theravada wohl unverständlich. Die wahre Natur aller entstandenen Dinge ist nach dem Buddha vergänglich, leidhaft und nicht-ich. Eben dies will der Yogi nach dem Theravada in der Vipassana-Meditation erkennen und damit unterscheiden sich die "Ziele" wohl schon. Und gerade dieses Erkennen führt zum Ablösen von Samsara. Erkenne ich die Natur des Geistes als etwas Positives, dann löse ich mich davon wahrscheinlich auch nicht ab. Und das meine ich schon im Mahayana zu erkennen, wo die Buddhas irgendwie von Samsara frei sind, aber dennoch im Samsara.

Die Verbindung von Vipassana zum Gottheiten-Yoga gibt es natürlich nicht im Theravada:

Das Gottheiten-Yoga ist als Vajrayana-Ansatz zu Shamatha und Vipassana anzusehen... Die Erzeugungsstufe, in der wir eine klare Visualisierung einer bestimmten Gottheit erzeugen, entspricht dem Shamatha-Aspekt, die Vollendungsstufe, in der diese Visualisierung aufgelöst wird, dem Vipassana-Aspekt.


Ebenso wenig eine Verknüpfung mit den Bardo: "ist es von grundlegender Bedeutung, dass wir die Verbindung zwischen unseren Vipassana-Übungen und unserer Reise durch die Bardos stets im Bewusstsein behalten".

Dies hier: "Vipassana-Meditation im Sinne des Vajrayana beginnt mit der Praxis der Meditation über Leerheit", scheint ein Hinweis auf die anfänglich intellektuelle Ausrichtung der Vipassana-Praxis im Mahayana zu sein. Was später konkretisiert wird:

In den Praxisstufen des Hinayana und Mahayana beginnt die Vipassana-Meditation über Leerheit mit der analytischen Meditation, die die Bedeutung des Selbst oder der Identität aus dem Blickwinkel der Wahrheit auf absoluter Ebene betrachtet...

Wir nähern uns diesem Verständnis durch einen systematischen Prozess logischer Schlussfolgerungen, der uns zu einem ersten direkten Einblick in die Leerheit führt.


Ähnliches kenne ich im modernen Theravada nur von der Mogok-Schule in Myanmar.

Entsprechend wird Vipassana ... als die wichtigere Form der Meditation angesehen.


Dies ist im Theravada auch so.

Gruß
Florian
Alle anders, Alle gleich
Benutzeravatar
Buddhaghosa
Themenstarter
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 281
 
Buddh. Richtung: Klassischer Theravada
Wohnort: München

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon raterZ » 24. Dezember 2015 13:36

mit wahrer natur ist das gemeint, was im theravada ins nibbana eingeht.. ungeschaffen, ungeboren - als potentieller zustand in jedem wesen vorhanden = buddha natur.
man geht halt nur weiter das ganze nicht als etwas zu bezeichnen, was "man" erreichen kann, sondern was die grundlegende eigenschaft des universums ist, welches ohne trennung vom eigenen bewusstsein ist.
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
Benutzeravatar
raterZ
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1019
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 24. Dezember 2015 18:33

Hallo,

raterZ hat geschrieben:mit wahrer natur ist das gemeint, was im theravada ins nibbana eingeht..


Beim Buddha und im Theravada geht nichts ins Nirvana ein.

raterZ hat geschrieben:was die grundlegende eigenschaft des universums ist


Wie gesagt, die grundlegenden Eigenschaften des Universums sind Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit und Nicht-ich.

Gruß
Florian
Alle anders, Alle gleich
Benutzeravatar
Buddhaghosa
Themenstarter
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 281
 
Buddh. Richtung: Klassischer Theravada
Wohnort: München

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon raterZ » 24. Dezember 2015 19:32

nichts geht ein? was erlangt dann befreiung und erreicht den bereich "wo weder Festes noch Flüssiges ist, weder Hitze noch Bewegung, weder diese Welt noch jene Welt, weder Sonne noch Mond. Das, ihr Mönche, nenne ich weder ein Kommen, noch ein Gehen, noch ein Stillestehen, weder ein Geborenwerden, noch ein Sterben. Es ist ohne jede Grundlage, ohne Entwicklung, ohne Stützpunkt: das eben ist das Ende des Leidens." (Ud.VIII.3)

im theravada findet man kaum hinweise darauf was es ist, was dort eingeht. diese lücke haben die mahayana philosophien versucht zu füllen.
sie sehen den bereich auch nicht getrennt von samsara. dieser bereich des nirvanas ist dort die ureigentliche natur aller dinge.. die daseinsmerkmale erscheinen in der bedingten welt und gelten auch nur dort.
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
Benutzeravatar
raterZ
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1019
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 25. Dezember 2015 09:51

Moin,

dies ist keine Lücke, sondern Buddhas Anatman-Philosophie. Es ist aber verständlich, weil menschlich, dass dies als Lücke empfunden wird und wieder mit Etwas gefüllt werden soll.

Thema passt jetzt aber nicht mehr in diesen Thread. Vielleicht verschieben.

Gruß
Florian
Alle anders, Alle gleich
Benutzeravatar
Buddhaghosa
Themenstarter
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 281
 
Buddh. Richtung: Klassischer Theravada
Wohnort: München

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon raterZ » 25. Dezember 2015 11:54

ja er hat diese lücke gelassen, um die anatman philosophie zu unterstreichen in meinen augen.
wir wissen aber auch, dass anatman kein nihilismus bedeutet sondern die dualität transzendiert. es ist also durch duale sprache gar nicht zu erfassen - und letztendlich auch gar nicht notwendig, weil es eh eine sache der erfahrung ist. buddha war eben starker pragmatiker, und weniger philosoph.
nachfolgende lehrer und philosophen wollten sich aber die mühe machen, das ganze doch zu umschreiben.
und mit der idee der buddha-natur ist natürich auch wieder die gefahr einen atman-kern in die lehre zu bringen, wenn es falsch verstanden wird.

Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Kosambi im Simsapā-Walde. Da nun nahm der Erhabene wenige Simsapā-Blätter in die Hand und wandte sich an die Mönche:

"Was meint ihr, ihr Mönche: Was ist wohl mehr: Die wenigen Simsapā-Blätter in meiner Hand oder die da oben im Simsapā-Walde?"

"Gering, sind die wenigen Simsapā-Blätter in der Hand des Erhabenen, o Herr, viel mehr sind die vielen da aber im Simsapā-Walde. Ganz ebenso, ihr Mönche, gibt es viel mehr, was ich überblickt und nicht offenbart habe, und was ich offenbart habe, ist gering. Was ist das aber, was ich nicht offenbart habe, ihr Mönche? Was da, ihr Mönche, nicht heilsam ist, nicht urasketentümlich, was nicht zum Nichts-daran-finden, zur Entreizung, zur Auflösung, zur Beruhigung, zum Überblicken, zur Erwachung, zum Nirvāna führt. Das ist von mir nicht offenbart worden.

(S.56.31. Simsapā - Sīsapāvana Sutta)
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
Benutzeravatar
raterZ
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1019
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 25. Dezember 2015 22:40

Hier ein Auszug von Hans Gruber aus Die ursprüngliche Achtsamkeit, erschienen in Buddhismus aktuell 4/11:

Achtsamkeit im tibetischen Buddhismus

Der tibetische Buddhismus ist im Rahmen des Mahayana (Großes Fahrzeug) in späteren Zeiten entstanden. Diese Tradition beruht auf anderen Quellen als der frühe Buddhismus. Führende tibetische Buddhisten greifen aktuell das Thema Achtsamkeit angesichts von dessen wachsender Popularität im Abendland zunehmend selbst auf. Das Thema der Praxis der Achtsamkeit „Satipatthana“ kommt in den Quellen des Mahayana zwar am Rande vor. Aber es ist dort gedanklich oder philosophisch „gewendet“ worden, etwa im Hauptwerk von Shantideva, „Eintritt in den Weg zum Erwachen“ (Bodhicaryavatara), oder in der Yogacarabhumi, der Grundlage der im Mahayana zentralen Philosophieschule des Yogacara. In deren Mittelpunkt steht die Lehre vom „Nur-Geist“, auf den alle Dinge zurückzuführen seien. Im Mahayana hat die befreiende Einsicht mit dem gedanklichen Nachvollzug bestimmter Sichtweisen oder Philosophien zu tun. Im tibetischen Dzogchen und Mahamudra geht es um eine unmittelbarere Achtsamkeit, die der frühbuddhistischen nahe kommt. Doch auch in diesen beiden Traditionen herrscht eine anders zu verstehende Auffassung von den befreienden Einsichten, der zufolge der Geist die höchste Realität ist – in Form von dessen wahrem, reinem oder leuchtendem Wesen.


Gruß
Florian
Alle anders, Alle gleich
Benutzeravatar
Buddhaghosa
Themenstarter
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 281
 
Buddh. Richtung: Klassischer Theravada
Wohnort: München

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon raterZ » 25. Dezember 2015 23:24

jup trekchöd als dzogchen praxis ist schon etwas ganz anderes als achtsamkeitstraining - der effekt ist aber der selbe.
kann ich nur sagen, weil ich beides kenne ^^)
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
Benutzeravatar
raterZ
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1019
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Sherab Yönten » 27. Dezember 2015 13:57

Buddhaghosa hat geschrieben:Das Thema der Praxis der Achtsamkeit „Satipatthana“ kommt in den Quellen des Mahayana zwar am Rande vor. Aber es ist dort gedanklich oder philosophisch „gewendet“ worden


Der nächste VHS Kurs im Frühjahr widmet sich voll und ganz der Praxis der Achtsamkeit "Satipatthana". Ich werde selbst einen Eindruck erhalten ob es in den Mahayana Texten nur am Rande vorkommt oder gar "philosophisch gewendet" wurde (was ich mir nicht vorstellen kann). Eigentlich wurde hier nicht oft genug betont, dass Mahayana auf Theravada aufbaut. So wäre das buddhistische Tantra völlig wirkungslos wenn es nicht ohne "Achtsamkeit" praktiziert werden würde.
"Im Buddhismus gibt es keinen Punkt. Im Buddhismus gibt es immer ein weil."

(Dagyab Rinpoche)
Benutzeravatar
Sherab Yönten
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 2178
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon raterZ » 27. Dezember 2015 21:57

das entscheidende im theravada ist die "rechte achtsamkeit", also das erkennen von ich-losigkeit, vergänglichkeit und leidhaftigkeit aller körperlichen und geistigen phänomene. diese dinge zu erkennen ist auch grundsätzlich das ziel im tantra - aber man benutzt dabei visualisation und mantra und keine achtsamkeit auf den körper bspw.
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
Benutzeravatar
raterZ
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1019
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Sherab Yönten » 28. Dezember 2015 08:21

raterZ hat geschrieben:das entscheidende im theravada ist die "rechte achtsamkeit", also das erkennen von ich-losigkeit, vergänglichkeit und leidhaftigkeit aller körperlichen und geistigen phänomene. diese dinge zu erkennen ist auch grundsätzlich das ziel im tantra - aber man benutzt dabei visualisation und mantra und keine achtsamkeit auf den körper bspw.


Die Leidhaftigkeit aller körperlichen und geistigen Phänomene wird ja eben durch die tantrische Praxis transformiert. "Ich" erkenne durch diese Transformation, dass ich nicht mehr an diesen einen Körper oder Geist gebunden bin und verliere somit die Anhaftung daran (also: Erkenntnis der Ich -Losigkeit). Ich würde eher sagen diese Instrumente ergänzen die Theravada Sichtweise, aber sie wird nicht "philosophisch gewendet".
"Im Buddhismus gibt es keinen Punkt. Im Buddhismus gibt es immer ein weil."

(Dagyab Rinpoche)
Benutzeravatar
Sherab Yönten
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 2178
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon raterZ » 28. Dezember 2015 12:08

rechte achtsamkeit ist aber keine sichtweise, sondern eine angewandte praxis, die so im mahayana/vajrayana eigtl. eher nicht praktiziert wird (sofern man jetzt von höheren tantra klassen spricht).

die 3 daseinsmerkmale (anicca, anatta, dukkha) bleiben natürlich als grundlage der praxis erhalten.

man geht auch anders mit den geistesgiften um. im theravada versucht man sie zu vermeiden. im tantra versucht man sie auf dem pfad zu nutzen.
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
Benutzeravatar
raterZ
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1019
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 28. Dezember 2015 13:42

Hallo,

raterZ hat geschrieben:das entscheidende im theravada ist die "rechte achtsamkeit", also das erkennen von ich-losigkeit, vergänglichkeit und leidhaftigkeit aller körperlichen und geistigen phänomene. diese dinge zu erkennen ist auch grundsätzlich das ziel im tantra - aber man benutzt dabei visualisation und mantra und keine achtsamkeit auf den körper bspw.


der Gautama Buddha hat aber nichts von Visualisation, wie sie im Tantra gelehrt wird, und nichts von Mantras gelehrt, was wiederum ein Fragezeichen hinter Sherabs "dass Mahayana auf Theravada aufbaut" setzt. Nach der theravadischen Meditationstheorie sind Visualisation und Visualisationsobjekt auch unmögliche Methoden und Objekte, um die 3 Daseinsmerkmale zu erkennen. Mantras natürlich auch.

Sherab Yönten hat geschrieben:Die Leidhaftigkeit aller körperlichen und geistigen Phänomene wird ja eben durch die tantrische Praxis transformiert. "Ich" erkenne durch diese Transformation, dass ich nicht mehr an diesen einen Körper oder Geist gebunden bin ...


Man kann die Leidhaftigkeit nicht transformieren - man kann Vergänglichkeit nicht in Ewigkeit, Leidhaftigkeit nicht in Glück und Nicht-ich nicht in Ich umwandeln. Meint man dies zu tun, genau wie Widerliches für lieblich halten, ist man im Netz der 4 Verdrehtheiten (vipallasa) gefangen.

Und, "dass ich nicht mehr an diesen einen Körper oder Geist gebunden bin" ist falsch oder sehr unglücklich ausgedrückt. Erwartest du neben Körper und Geist noch etwas anderes?

Gruß
Florian
Alle anders, Alle gleich
Benutzeravatar
Buddhaghosa
Themenstarter
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 281
 
Buddh. Richtung: Klassischer Theravada
Wohnort: München

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Sherab Yönten » 28. Dezember 2015 13:50

Florian, aus der Sichtweise Deiner "Theravada Brille" ist das sicherlich alles richtig was Du schreibst. Die Frage ob der Buddha Tantra gelehrt hat oder nicht, ist auch im Mahayana nicht unumstritten. Man kann mit einer Theravada Brille jedoch nicht versuchen, eine Mahayana Sichtweise zu verstehen (wenn Du sie überhaupt verstehen möchtest, was ich mittlerweile bezweifle) wenn von vornherein kein offener Geist, keine Hingabe und Vertrauen in die Lehre des Mahayana vorhanden ist.
"Im Buddhismus gibt es keinen Punkt. Im Buddhismus gibt es immer ein weil."

(Dagyab Rinpoche)
Benutzeravatar
Sherab Yönten
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 2178
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon asoka » 28. Dezember 2015 16:31

Muss man das verstehen?

Die Dinge entfalten sich natürlich weiter zu buddhas zeiten war das allles Modern und eine Revolution auf geistiger Ebene.


Was verbindet die verschiedenen Dharmawege?

Die Vier Edlen Wahrheiten und der Achtfache Pfad!

Das ist die Grundlage und das sollte eigentlich basis sein für respekt und toleranz allen Wegen gegen über.

Meine Meinung.
asoka
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1746
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Gender: Männlich

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 28. Dezember 2015 17:05

Sherab Yönten hat geschrieben:Man kann mit einer Theravada Brille jedoch nicht versuchen, eine Mahayana Sichtweise zu verstehen (wenn Du sie überhaupt verstehen möchtest, was ich mittlerweile bezweifle) wenn von vornherein kein offener Geist, keine Hingabe und Vertrauen in die Lehre des Mahayana vorhanden ist.


Och ne, schon wieder so ein Mahayana-Gesinnungstest. Wo ich schon wieder in deinem Kopf durchfalle. Gott bewahre!

Was erwartest du denn, Sherab? Das ich hier bin, um Beifall zu klatschen. Mal ein Umweg, um die Sache anders zu erklären.

Albert Einstein hat gesagt: e=mc2. Jetzt gibt es Fraktion A, die ebenfalls lehrt e=mc2. Fraktion B sagt aber, richtig ist (auch) e=ab4. Ein Typ aus Fraktion A - ich aus'm Theravada - frage mich nun, wie die B-Leute auf diese Idee kommen, wie sie sie von Einstein ableiten und ob es kompatibel ist. Man kann jetzt aber anscheinend nicht einfach so rübergehen zur B-Fraktion und fragen. Die bestehen erstmal darauf, dass du ihrem e=ab4 mit Hingabe und Vertrauen begegnest.

Es ist auch noch gar nicht so lange her, dass du Sherab das Vertrauen zurückgestuft hast:

Wobei das Schöne am Buddhismus ist, dass das Vertrauen ganz langsam wachsen kann und es auch Teilaspekte geben "darf" wo dieses Vertrauen noch gar nicht vorhanden ist.
(http://anfaengergeist.net/deals-mit-mac ... tml#p15814)

Solange ich nicht verstanden habe worum es bei dieser Form der Zufluchtnahme geht, kann ich kein Vertrauen haben...
(http://anfaengergeist.net/deals-mit-mac ... tml#p15817)


Dieser Freiraum wird wohl nicht jedem zugestanden. Gleichzeitig wird in Frage gestellt, ob man in der Lage ist die Fraktion A-Brille abzulegen und verstehen nicht, wo Fraktion A und Albert Einstein einfach das Gleiche sagen. Ist halt auch schwer, wenn man sich zwar auf Einstein beruft, aber ihn nicht mal liest.

Also ich bin nicht hier, um Beifall zu klatschen, sondern u.a. um dem Mahayana/Tantra auf den Zahn zu fühlen. Wo lehrt er etwas Gleiches; wo etwas Anderes, das aber kompatibel ist und wo lehrt er etwas nicht zu Vereinbarendes. Daraus ziehe ich dann meine Schlüsse, die dir natürlich nicht gefallen (müssen).

Falls meine Gesinnung dir nicht taugt, dann gilt wie immer: du musst hier nicht mit mir in Austausch treten. Möchtest du den Mahayana-Dharma aus Geiz oder weil du mir irgendwelche Sachen unterstellst zurückhalten, dann ist das deine Sache. Und vielleicht ein Bruch der Bodhisattva-Gelübde. Müsste mal ein Rinpoche drüberschauen.

Für mich selbst kann ich behaupten, dass ich mich akademisch, also offen aber ohne Hingabe und Vertrauen, mit dem Mahayana beschäftigen kann. Und jetzt mach mal.

Gruß
Florian
Alle anders, Alle gleich
Benutzeravatar
Buddhaghosa
Themenstarter
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 281
 
Buddh. Richtung: Klassischer Theravada
Wohnort: München

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 28. Dezember 2015 17:09

Hallo asoka,

asoka hat geschrieben:Was verbindet die verschiedenen Dharmawege? Die Vier Edlen Wahrheiten und der Achtfache Pfad!

Das ist die Grundlage und das sollte eigentlich basis sein für respekt und toleranz allen Wegen gegen über. Meine Meinung.


Ist eine ziemlich gute Meinung. Teile ich auch. Wobei der edle Achtpfad natürlich die 4. Wahrheit ist. Wo in den Edlen Wahrheiten wird denn gelehrt, dass die "Leidhaftigkeit aller körperlichen und geistigen Phänomene .. ja eben durch die tantrische Praxis transformiert [wird]"?

Gruß
Florian
Alle anders, Alle gleich
Benutzeravatar
Buddhaghosa
Themenstarter
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 281
 
Buddh. Richtung: Klassischer Theravada
Wohnort: München

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon asoka » 28. Dezember 2015 18:08

Buddhaghosa hat geschrieben:Hallo asoka,

asoka hat geschrieben:Was verbindet die verschiedenen Dharmawege? Die Vier Edlen Wahrheiten und der Achtfache Pfad!

Das ist die Grundlage und das sollte eigentlich basis sein für respekt und toleranz allen Wegen gegen über. Meine Meinung.


Ist eine ziemlich gute Meinung. Teile ich auch. Wobei der edle Achtpfad natürlich die 4. Wahrheit ist. Wo in den Edlen Wahrheiten wird denn gelehrt, dass die "Leidhaftigkeit aller körperlichen und geistigen Phänomene .. ja eben durch die tantrische Praxis transformiert [wird]"?

Gruß
Florian


Transformiert finde ich die falsche formolierung.
Würde Auflösung bevorzugen. :leer:
asoka
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1746
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Gender: Männlich

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon Buddhaghosa » 28. Dezember 2015 18:33

Moin asoka,

Auflösung funktioniert für mich gut in dem engen Rahmen, wenn alle körperlichen und geistigen Phänomene eines Heiligen im Moment des Todes verlöschen (nibbana). Während der Lebenszeit sind mit der Erleuchtung bereits alle unheilsamen Phänomene verloschen.

Gruß
Florian
Alle anders, Alle gleich
Benutzeravatar
Buddhaghosa
Themenstarter
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 281
 
Buddh. Richtung: Klassischer Theravada
Wohnort: München

Re: Vipassana und Achtsamkeit im Mahayana/Tantra

Beitragvon asoka » 28. Dezember 2015 18:44

Buddhaghosa hat geschrieben:Moin asoka,

Auflösung funktioniert für mich gut in dem engen Rahmen, wenn alle körperlichen und geistigen Phänomene eines Heiligen im Moment des Todes verlöschen (nibbana). Während der Lebenszeit sind mit der Erleuchtung bereits alle unheilsamen Phänomene verloschen.

Gruß
Florian


Na dann sind wir ja fast auf einem Nenner. :handshake:
asoka
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1746
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Gender: Männlich

Nächste Seite

Zurück zu A n f ä n g e r g e i s t - Fragen und Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron