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Wann ist man erleuchtet?

Einfache Fragen und Antworten (nicht nur) für Buddhismus-Neulinge

Wann ist man erleuchtet?

Beitragvon Mork_der_Ork » 20. März 2016 19:53

Hallo ihr Lieben,

ich beschäftige mich noch nicht so lange mit dem Buddhismus und würde mich noch als Anfänger bezeichnen. Ich habe eine Frage, die mich schon eine Weile beschäftigt und vielleicht könnt ihr mir eine befriedigende Antwort darauf geben. Entschuldigt bitte, wenn meine Frage etwas naiv klingen mag. Ein Ziel im Buddhismus ist es ja, die Erleuchtung zu erlangen, nur frage ich mich, woher weiß man eigentlich, dass man erleuchtet ist, man hat ja keinen Vergleich? Wacht man eines Tages auf und weiß es einfach, wenn man nur lange genug der Lehre folgt? Es ist mir bereits gelungen, mich von der Vorstellung einer beständigen Ich-Entität zu befreien. Ich kam zu dem Schluss, dass das, was da ist, ein Bewusstseinstrom ist und erfreulicherweise gibt es hier ein Thema, wo jemand zu demselben Schluss gelangt ist. Ich scheine also nicht ganz verkehrt zu liegen. Dennoch scheint diese Erkenntnis allein noch nicht auszureichen, um erleuchet zu werden. Könnt ihr mir erklären, wie genau sich Erleuchtung bemerkbar macht?

Liebe Grüße

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Re: Wann ist man erleuchtet?

Beitragvon voom » 20. März 2016 20:14

Hallo und willkommen :)

Wenn man die Ich-losigkeit nicht nur versteht, sondern wirklich verwirklicht hat, nennt man das auch "befreit". Mit der Erleuchtung ist das so eine Sache. Es gibt viele Aspekte, die verschiedene Schulen verschieden stark betonen. Was ich für einen guten Anhaltspunkt halte: solange man noch irgendwelche Zweifel hat, und seien sie auch noch so leise, ist man auch nicht da. Anders herum heisst das aber nicht, dass bei scheinbarer Abwesenheit von Zweifeln das unbedingt die Erleuchtung sein muss, es könnte auch ein gesteigerter Egotrip sein, bei dem man die Zweifel zeitweise komplett unterdrückt.

Ich bin mir recht sicher, dass wenn es so weit ist, man das auch ganz sicher weiss. Ansonsten kann der eigene Ausdruck von Erleuchtung ganz anders sein, als der von jemand anders. Auch wenn an dem Punkt im Kern keine individuelle Persönlichkeit mehr existiert, prägt doch der Weg, den man zurückgelegt hat, um da anzukommen, den Ausdruck auch weiterhin.
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Re: Wann ist man erleuchtet?

Beitragvon Mork_der_Ork » 21. März 2016 00:25

voom hat geschrieben:Hallo und willkommen :)

Wenn man die Ich-losigkeit nicht nur versteht, sondern wirklich verwirklicht hat, nennt man das auch "befreit". Mit der Erleuchtung ist das so eine Sache. Es gibt viele Aspekte, die verschiedene Schulen verschieden stark betonen. Was ich für einen guten Anhaltspunkt halte: solange man noch irgendwelche Zweifel hat, und seien sie auch noch so leise, ist man auch nicht da. Anders herum heisst das aber nicht, dass bei scheinbarer Abwesenheit von Zweifeln das unbedingt die Erleuchtung sein muss, es könnte auch ein gesteigerter Egotrip sein, bei dem man die Zweifel zeitweise komplett unterdrückt.

Ich bin mir recht sicher, dass wenn es so weit ist, man das auch ganz sicher weiss. Ansonsten kann der eigene Ausdruck von Erleuchtung ganz anders sein, als der von jemand anders. Auch wenn an dem Punkt im Kern keine individuelle Persönlichkeit mehr existiert, prägt doch der Weg, den man zurückgelegt hat, um da anzukommen, den Ausdruck auch weiterhin.


Ich muss dazu sagen, ich habe bisher nur über diverse Themen gelesen und noch gar nicht meditiert. Ich glaube aber, dass Meditation einen maßgeblichen Einfluss auf diese Verwirklichung hat. Bisher lese ich mich noch ein, weil ich nichts falsch machen möchte. Eine Bekannte hat mir nämlich von einer Freundin berichtet, die sich mal an Meditation versucht hat, die dann aber wohl nicht mehr aus eigener Kraft aus dem Zustand zurückkam und mit medizinischer Hilfe zurückgeholt werden musste. Die Bekannte erklärte mir das so, dass die Freundin wohl zu tief meditiert hätte oder so ähnlich.

Dass jeder die Erleuchtung etwas anders empfindet, scheint mir einleuchtend. Danke für die Erklärung. Mal schauen, ob es in diesem Leben mit der Erleuchtung noch was wird. :mrgreen:
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Re: Wann ist man erleuchtet?

Beitragvon voom » 21. März 2016 02:50

Meditation ist eigentlich nur dann "gefährlich" wenn man sehr gezielt versucht, etwas zu erreichen. Die Meditationen, die man im Buddhismus ohne Einweihung praktizieren kann, kann man ruhig auch mal eigenständig ausprobieren. Also keine Energieübungen, sondern Meditation auf friedliche Buddhas wie Tara, Chenrezig oder Manjushri. Auch Zazen oder Shamata, wenn man es unverkrampft macht, dürften sowas nicht auslösen. Aus buddhistischer Sicht - zumindest auf Mahayana-Ebene - ist es aber immer besser, Lehrer zu haben und andere Praktzierende, mit denen man sich austauschen kann.
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Re: Wann ist man erleuchtet?

Beitragvon Sprite » 24. März 2016 18:03

Könnt ihr mir erklären, wie genau sich Erleuchtung bemerkbar macht?


Ja, du lernst dann, dass du ins Bett gehen solltest, wenn du müde wirst.
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Re: Wann ist man erleuchtet?

Beitragvon Mork_der_Ork » 27. März 2016 14:49

Sprite hat geschrieben:
Könnt ihr mir erklären, wie genau sich Erleuchtung bemerkbar macht?


Ja, du lernst dann, dass du ins Bett gehen solltest, wenn du müde wirst.


:lol:
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Re: Wann ist man erleuchtet?

Beitragvon voom » 27. März 2016 15:13

Ist das so? Ich würde eher sagen, dass da kein "solltest" mehr existiert... Wenn ich müde bin, bin ich müde. Das reicht schon.
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Re: Wann ist man erleuchtet?

Beitragvon Sherab Yönten » 27. März 2016 15:48

voom hat geschrieben:Ist das so? Ich würde eher sagen, dass da kein "solltest" mehr existiert... Wenn ich müde bin, bin ich müde. Das reicht schon.


Es ist mir klar, dass das wieder eine Sichtweise aus dem Dzogchen ist.
Trotzdem sollte man das nicht verallgemeinern.
Wenn alle die, die müde sind zur Erkenntnis kommen, sie sind ermüdet, dann wären eine ganze Menge Menschen "erleuchtet". Es gibt auch die Sichtweise, dass Müdigkeit ein Hindernis ist für die Praxis. Trotz Müdigkeit lohnt es sich weiter zu meditieren und diese Hindernisse zu "transformieren".
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Re: Wann ist man erleuchtet?

Beitragvon voom » 27. März 2016 16:36

Nein, das hat mit Dzogchen nichts zu tun. Die Aussage steht im Kontext zur Zengeschichte mit der Pointe: "Mein Meister ist der größte von allen, wenn er isst, dann isst er, wenn er geht, dann geht er..." Es geht darum, total im Hier und Jetzt zu sein. Wenn es einem gelingt, nicht mit Gedanken in der Vergangenheit oder Zukunft oder an einem anderen Ort zu sein, und das fortlaufend, dann wäre das ein Zeichen für Erleuchtung.

Es gibt auch die Sichtweise, dass Müdigkeit ein Hindernis ist für die Praxis. Trotz Müdigkeit lohnt es sich weiter zu meditieren und diese Hindernisse zu "transformieren".

Siehst Du, auch deswegen ist es nicht sinnvoll, zu sagen, wenn man müde sei, "sollte man schlafen gehen" ;)

Mit dem "das reicht schon" wollte ich gesagt haben: Man muss mit der Erkenntnis, dass man müde ist, nicht noch zusätzlich eine Handlungsanweisung verbinden. Man könnte sagen, in dem einen Moment, wo man einfach nur müde ist und sonst nichts, ist das eine Erleuchtungserfahrung. Mit der gleichen Idee sagt man auch, der Moment des Niesens sei eine natürliche Erleuchtungserfahrung, weil man für einen Moment wirklich vollständig in der Erfahrung aufgeht. Natürlich hat das mit einer stabilen dauerhaften Erleuchtung noch lange nichts zu tun, es geht mehr um Ankerpunkte in der unerleuchteten Erfahrungswelt, an denen man Menschen einen Geschmack davon vermitteln kann, um was es geht.
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Re: Wann ist man erleuchtet?

Beitragvon Sprite » 29. März 2016 21:00

Nein, das hat mit Dzogchen nichts zu tun. Die Aussage steht im Kontext zur Zengeschichte mit der Pointe: "Mein Meister ist der größte von allen, wenn er isst, dann isst er, wenn er geht, dann geht er..." Es geht darum, total im Hier und Jetzt zu sein. Wenn es einem gelingt, nicht mit Gedanken in der Vergangenheit oder Zukunft oder an einem anderen Ort zu sein, und das fortlaufend, dann wäre das ein Zeichen für Erleuchtung.


Gut erkannt, der voom weiß einfach alles :thumbup: :perfect:


Ist das so? Ich würde eher sagen, dass da kein "solltest" mehr existiert... Wenn ich müde bin, bin ich müde. Das reicht schon.


Das stimmt, dies wäre dann die "Momentaufnahme". Mehr bedarf es dabei nicht. Ich habe dies quasi um einen weiteren Strang erweitert, was "Natürlichkeit" ausdrücken möchte. Bin müde - geh schlafen. Es wäre quasie der nächste "Zen Moment". :sleep: :ente:
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