Andere buddhistische Foren in Deutschland,
in denen wir aktiv sind:
Tibet. Zentrum Hamburg forum.tibet.de
Buddhaland - Ein Portal für Buddhismus

Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Einfache Fragen und Antworten (nicht nur) für Buddhismus-Neulinge

Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sprite » 16. Februar 2016 16:27

WER folgt der buddhistischen Lehre, wenn das ICH nur eine illusionäre Ansammlung von unpersönlichen Gruppen darstellt?
Post ist nur eine Facette/Sichtweise.
Benutzeravatar
Sprite
Themenstarter
Angekommen
Angekommen
Beiträge: 82
 
Buddh. Richtung: Zen/Dzogchen/Taoismus
Gender: Männlich

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon voom » 16. Februar 2016 17:00

Das "blosse Selbst" (nennt das der Dalai Lama), sprich: die unpersönliche illusionäre Ansammlung die sich für eine Person hält.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

(Dilgo Khyentse Rinpoche)
Benutzeravatar
voom
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 4881
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Mystiker

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sprite » 16. Februar 2016 18:21

voom hat geschrieben:Das "blosse Selbst" (nennt das der Dalai Lama), sprich: die unpersönliche illusionäre Ansammlung die sich für eine Person hält.


Also attestiert der Dalai Lama ein "Selbst"? :think:

Was mir nicht klar ist: wie ist es überhaupt möglich, dass sich eine illusionäre Ansammlung für eine Person hält? Die bedingt ja ein: "Ich halte mich für eine Person". Es ist also ein Ich, das eine Aussage über sich selbst macht.

Und tatsächlich folgt ja dann eine Ansammlung von Gruppen, einer Lehre, die ebenfalls von einer Ansammlung von Gruppen entstand. Für wen soll es dann Nirvana geben? Für Gruppen? Die Gruppen erlöschen doch sowieso nach dem Tod, da man ja keine Seele annimmt oder etwas ähnliches.
Post ist nur eine Facette/Sichtweise.
Benutzeravatar
Sprite
Themenstarter
Angekommen
Angekommen
Beiträge: 82
 
Buddh. Richtung: Zen/Dzogchen/Taoismus
Gender: Männlich

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Tobias » 16. Februar 2016 18:28

Sprite hat geschrieben:
voom hat geschrieben:Das "blosse Selbst" (nennt das der Dalai Lama), sprich: die unpersönliche illusionäre Ansammlung die sich für eine Person hält.


Also attestiert der Dalai Lama ein "Selbst"? :think:

Was mir nicht klar ist: wie ist es überhaupt möglich, dass sich eine illusionäre Ansammlung für eine Person hält? Die bedingt ja ein: "Ich halte mich für eine Person". Es ist also ein Ich, das eine Aussage über sich selbst macht.

Und tatsächlich folgt ja dann eine Ansammlung von Gruppen, einer Lehre, die ebenfalls von einer Ansammlung von Gruppen entstand. Für wen soll es dann Nirvana geben? Für Gruppen? Die Gruppen erlöschen doch sowieso nach dem Tod, da man ja keine Seele annimmt oder etwas ähnliches.


Aufgrund von Gewohnheiten. Die gewohnte Wahrnehmung ist dual. Sie erzeugt anhaftung und Ablehnung. Das sind die Grundursachen auf einer höheren Ebene für ein Ich. Denn ein Ich ist auf dieser Ebene nichts anderes als die Ansammlung von spezifischen Anhaftungen und Ablehnungen(Begierden), diese Begierde ist in der Summe verantwortlich für die Unwissenheit, Denn die grundlegende Unwissenheit trennt sich von der Weisheit ab indem sie eine duale Welt konstruiert. Für dieses konstrukt, was sich durch Unterscheidungsfähigkeit/Unterscheidungssucht auszeichnet, muss es einen Namen geben, damit die Unterscheidungssucht auf die Spitze getrireben wird. Dieser Name ist Identität oder ich.

Liebe Grüße
Tobias
Wir sind das, was wir denken. Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt. Sprich und handle mit reiner Gesinnung Und Glück wird dir folgen, wie dein unteilbarer Schatten.
Buddha Gautama


Labyrinth - Mehrgenerationenwohnen Transreligiöses Spirituelles Gemeinschaftswohnen
Benutzeravatar
Tobias
Admin AD
Admin AD
Beiträge: 1503
 
Buddh. Richtung: Rime, Dzogchen, Mahamudra - mit großem Respekt vor Theravada und Zen
Gender: Männlich
Wohnort: Fahretoft

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sprite » 16. Februar 2016 18:53

Ja, aber schau mal, besonders dieser Satz von dir:

Denn ein Ich ist auf dieser Ebene nichts anderes als die Ansammlung von spezifischen Anhaftungen und Ablehnungen(Begierden), diese Begierde ist in der Summe verantwortlich für die Unwissenheit


Unwissenheit für Wen denn?

Es ist für mich so: Wenn Gruppen Unwissenheit gestalten könnten, dann wäre diese Unwissenheit auch nur zusammengesetzt. Wenn Gruppen Wissen gestalten könnten, dann wäre dieses Wissen auch nur zusammengesetzt. Beim Tode lösen sich die Gruppen auf. Also wozu dann einen Weg zur Erleuchtung gehen?
Post ist nur eine Facette/Sichtweise.
Benutzeravatar
Sprite
Themenstarter
Angekommen
Angekommen
Beiträge: 82
 
Buddh. Richtung: Zen/Dzogchen/Taoismus
Gender: Männlich

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Tobias » 16. Februar 2016 19:00

Sprite hat geschrieben:Ja, aber schau mal, besonders dieser Satz von dir:

Denn ein Ich ist auf dieser Ebene nichts anderes als die Ansammlung von spezifischen Anhaftungen und Ablehnungen(Begierden), diese Begierde ist in der Summe verantwortlich für die Unwissenheit


Unwissenheit für Wen denn?

Es ist für mich so: Wenn Gruppen Unwissenheit gestalten könnten, dann wäre diese Unwissenheit auch nur zusammengesetzt. Wenn Gruppen Wissen gestalten könnten, dann wäre dieses Wissen auch nur zusammengesetzt. Beim Tode lösen sich die Gruppen auf. Also wozu dann einen Weg zur Erleuchtung gehen?


Unwissenheit für wen ist hier ein Paradoxon. Die Unwissenheit als Zustand konstruiert ein ich. In Wahrheit ist alles miteinander verbuunden. Im Tode löst sich zwar für einen kurzen Moment das unwissen auf aber da die Gewohnheitsmäßigen Tendenzen die wie Weisheit sich überall befinden, nicht überwunden wurden, werden diese Tendenzen wiederum ein ich formen. Es sei denn befreiung tritt ein durch Praxis.

Ich ahne dass diese Antwort nicht befriedigend oder gar falsch ist, aber besser kann ich es nicht beschreiben.

Liebe Grüße
Tobias
Wir sind das, was wir denken. Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt. Sprich und handle mit reiner Gesinnung Und Glück wird dir folgen, wie dein unteilbarer Schatten.
Buddha Gautama


Labyrinth - Mehrgenerationenwohnen Transreligiöses Spirituelles Gemeinschaftswohnen
Benutzeravatar
Tobias
Admin AD
Admin AD
Beiträge: 1503
 
Buddh. Richtung: Rime, Dzogchen, Mahamudra - mit großem Respekt vor Theravada und Zen
Gender: Männlich
Wohnort: Fahretoft

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sprite » 16. Februar 2016 19:06

Nö, ich denke das hast du buddhistisch korrekt formuliert.

Ich stelle diese Frage hier, da ich noch nie eine zufriedenstellende Antwort darauf erhalten habe. Im Buddhaland ging es um eine ähnliche Fragestellung, auch dort erhielt ich keine zufriedenstellende Antwort.

Denn natürlich stimme ich zu, dass das "Ich" nichts festes ist, dem Wandel unterworfen und somit kein eigenständiges "Ding" darstellt. Aber die "Gruppenrede" löst für mich nicht das Problem, sondern erweitert es sogar. Z.b., wer schaut sich die Gruppen an? Da bekomme ich dann meist die Antwort, dass die Gruppe selbst schaut. Das ist für mich nicht nachvollziehbar.
Post ist nur eine Facette/Sichtweise.
Benutzeravatar
Sprite
Themenstarter
Angekommen
Angekommen
Beiträge: 82
 
Buddh. Richtung: Zen/Dzogchen/Taoismus
Gender: Männlich

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sherab Yönten » 16. Februar 2016 19:15

Sprite hat geschrieben:Also attestiert der Dalai Lama ein "Selbst"?


Natürlich. Für den Anfänger erscheint das Ich ganz real. Es meditiert, es isst, es trinkt u.s.w.
Für den Anfänger erklärt der Dalai Lama die Unterweisungen dieser relativen Ebene.
Je mehr man in die Tiefe geht, desto mehr erkennt man, dass es kein festes Selbst gibt.
Für den Fortgeschrittenen erklärt der Dalai Lama die Leerheit der Person und aller anderen Phänomene
und ist in der Lage die diversen Schulen von Cittamatra bis Prasangika mit klaren Worten zu unterscheiden.
"Im Buddhismus gibt es keinen Punkt. Im Buddhismus gibt es immer ein weil."

(Dagyab Rinpoche)
Benutzeravatar
Sherab Yönten
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 2178
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sprite » 16. Februar 2016 19:41

Natürlich. Für den Anfänger erscheint das Ich ganz real. Es meditiert, es isst, es trinkt u.s.w.


Sicherlich. Aber was ist mit dem Profi? Er hat gesehen, dass das Ich nur ein Konzept war. Aber was dann? Dann meint er, er sei eine Zusammenwürfelung von Gruppen...oder das er als "Nicht-Selbst" da draußen herumläuft.

Also nur mal kurz zur Info zum besseren Dialog:

Ich vertrete die Yogachara Sicht, dass alles Geist ist.
Post ist nur eine Facette/Sichtweise.
Benutzeravatar
Sprite
Themenstarter
Angekommen
Angekommen
Beiträge: 82
 
Buddh. Richtung: Zen/Dzogchen/Taoismus
Gender: Männlich

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon voom » 16. Februar 2016 21:21

Wenn der Dalai Lama vom blossen Selbst redet, dann meint er, dass es durchaus etwas gibt, das einen gewissen Zusammenhalt hat, im Leben z.B. an einen Körper gebunden ist usw. Die Illusion besteht darin, dass es einen unveränderlichen Kern gäbe, der im Zentrum von so einem zusammengefügten Selbst stünde und unveränderlich ist. So wie es eine Illusion ist, dass da ein Tisch ist, trotzdem steht da ein Tisch und ich kann was draufstellen. So ist das Ich eine Illusion, aber ich mein Selbst kann mit einem anderen Selbst reden. Leerheit meint ja immer "leer von einer Eigennatur" und nicht "da ist nichts".

Entsprechend ist auch nach der Erleuchtung bzw. Befreiung noch ein Bewusstseinsstrom in einem Körper vorhanden, aber dieser hat sich von der Illusion befreit, dass das Ich, das er vorher dachte und fühlte mehr ist als ein willkürlicher Fokuspunkt in einem Strom von Eindrücken, der zeitweise an einen Körper gebunden ist.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

(Dilgo Khyentse Rinpoche)
Benutzeravatar
voom
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 4881
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Mystiker

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sherab Yönten » 16. Februar 2016 21:34

Sprite hat geschrieben:Ich vertrete die Yogachara Sicht, dass alles Geist ist.


Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dann ist Cittamatra die "Nur Geist Schule".
Nagarjuna und andere haben diese Schule im Rahmen der Prasangika Philosophie eigentlich eindeutig widerlegt. Daher ist für die Gelugpa auch die Prasangika Schule die höchste Leerheits Schule.

Ein Fortgeschrittener mag sich mit den Argumenten beider Schulen (es gibt ja noch andere) auseinandersetzen, um Leerheit tiefer zu verstehen.
"Im Buddhismus gibt es keinen Punkt. Im Buddhismus gibt es immer ein weil."

(Dagyab Rinpoche)
Benutzeravatar
Sherab Yönten
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 2178
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sprite » 16. Februar 2016 23:01

Entsprechend ist auch nach der Erleuchtung bzw. Befreiung noch ein Bewusstseinsstrom in einem Körper vorhanden, aber dieser hat sich von der Illusion befreit, dass das Ich, das er vorher dachte und fühlte mehr ist als ein willkürlicher Fokuspunkt in einem Strom von Eindrücken, der zeitweise an einen Körper gebunden ist.


Ja und für mich ist das eben das Bewusstsein. Aber nicht als eine Gruppe, sondern als was ursprüngliches. Wenn die Ich Illusion abgebaut ist, dann ist da Bewusstsein, reiner Raum, klare Sicht. Denn nach deiner Aussage wäre ja dieser "Bewusstseinsstrom" wieder etwas eigenständiges. Der Buddha hat jedoch nach meinem Wissen gelehrt, dass die Gruppen sich bedingen müssen. Korrigiere mich da, wenn ich falsch liege.

Nagarjuna und andere haben diese Schule im Rahmen der Prasangika Philosophie eigentlich eindeutig widerlegt.


Ja, aber was Nagarjuna denn nicht widerlegt? Ich las sein Werk und dachte mir danach nur: "Ok, jeglicher Standpunkt ist falsch". Was bleibt nach Nagarjuna noch übrig?
Post ist nur eine Facette/Sichtweise.
Benutzeravatar
Sprite
Themenstarter
Angekommen
Angekommen
Beiträge: 82
 
Buddh. Richtung: Zen/Dzogchen/Taoismus
Gender: Männlich

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon voom » 16. Februar 2016 23:37

Sprite hat geschrieben:Wenn die Ich Illusion abgebaut ist, dann ist da Bewusstsein, reiner Raum, klare Sicht.

Ja, genau...

Denn nach deiner Aussage wäre ja dieser "Bewusstseinsstrom" wieder etwas eigenständiges.

Ja und nein. Ein Fluss ist zusammengesetzt, das Resultat von in einander greifenden Teilen, die in ihrer Gesamtheit den Fluss ausmachen. Dennoch gibt es wenn man genau hinschaut, nichts, das für sich gesehen "Fluss" wäre. Da ist Wasser, da ist eine Bewegung, da sind die Ufer, das Flussbett, die Fische, die Steine usw. Man kann einerseits den Fluss von allem abgrenzen, was "Nicht Fluss" ist, aber die Grenzen sind fliessend. Gäbe es einen Fluss ohne Ufer? Aber gehört das Ufer zum Land, oder zum Fluss? Der Bewusstseinsstrom ist wie dieser Fluss: er ist zusammengesetzt aus veränderlichen und in einander greifenden Teilen. Da ist nicht irgendwas eigenständiges, was "Ich" ist. Und die Grenzen zwischen "Selbst" und "Andere" sind fliessend. So wie es die Donau gibt, gibt es auch Namen für einen Bewusstseinsstrom. Diese Betrachtung kann man auch auf die jeweiligen Teile anwenden, immer wieder, bis ins Kleinste, und da verschwimmen dann auch noch die Grenzen zwischen Form und Leerheit.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

(Dilgo Khyentse Rinpoche)
Benutzeravatar
voom
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 4881
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Mystiker

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sherab Yönten » 17. Februar 2016 07:44

Sprite hat geschrieben:Was bleibt nach Nagarjuna noch übrig?


Das Loslassen aller Konzepte. Immer und immer wieder. Solange bis man das "andere Ufer der Weisheit" (Herzsutra) erreicht hat :lol:
"Im Buddhismus gibt es keinen Punkt. Im Buddhismus gibt es immer ein weil."

(Dagyab Rinpoche)
Benutzeravatar
Sherab Yönten
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 2178
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sherab Yönten » 17. Februar 2016 07:49

voom hat geschrieben:Und die Grenzen zwischen "Selbst" und "Andere" sind fliessend.


Hier habe ich noch so meine Schwierigkeiten. Natürlich gibt es diese fließenden Übergänge auf der Ebene des Geistes und auch auf der Ebene der Rede. Aber der Körper ? Der Körper scheint eindeutig zu "mir" zu gehören und nicht zu anderen. Auch wenn Du vielleicht nun argumentieren würdest, Köper, Rede und Geist sind eine Einheit. Die Nicht - Dualität der körperlichen Ebene ist für mich völlig schleierhaft.
"Im Buddhismus gibt es keinen Punkt. Im Buddhismus gibt es immer ein weil."

(Dagyab Rinpoche)
Benutzeravatar
Sherab Yönten
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 2178
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Ayu » 17. Februar 2016 10:22

Sprite hat geschrieben:WER folgt der buddhistischen Lehre, wenn das ICH nur eine illusionäre Ansammlung von unpersönlichen Gruppen darstellt?

Na, das Folgen, die buddhistische Lehre und das "Ich" sind alle auf der Ebene der Erscheinungen. Sie sind alle gleich leer, was im Klartext bedeutet "weder existent noch nicht-existent".
Ohne ein (leeres) Ich, das die Lehre hört, wäre auch gar keine buddhistische Lehre gegeben.

Es scheint mir, der Knoten, der hier Deine Nachfragen erzeugt, besteht in der falschen Auffassung "leer" bedeute das selbe wie "nichts"(?). Da ist die Sache aber nicht recht begriffen.
Ist ganz schwierig, sich via Schriftform exakt drüber zu unterhalten, weil Worte immer erfassen wollen, und dieser Sachverhalt der Leerheit sich aber einem "Anfassen" (Greifen) entzieht. So ist man gezwungen, immer wieder missverständliche Worte benutzen zu müssen.
Allein schon der Ausdruck "wahres Selbst" - *Augen verdreh* - ein "Selbst", das sich dadurch als "wahr" von anderen Selbsten unterscheidet, dass es seine Identifikation mit der falschen Wahrnehmung aufgelöst hat und somit eher entdeckt werden kann, wenn man erstmal seine Nicht-Existenz bzw Nicht-[in dieser Weise]-Existenz annimmt.
Hihi - nix zum Diskutieren. Eher zum Meditieren.

Stichwort Bewusstsein: Wo ist das Bewusstsein, wenn Du bewusstlos bist? Wo bist "Du" in Narkose, im Tiefschlaf? Bist Du "weg"? Und wo kommst Du dann wieder her, wenn Du aufwachst?
Wenn "Bewusstsein" eine beständige, unveränderliche Größe wäre, dann dürfte es Narkose und Tiefschlaf so nicht geben...

Mögen alle Wesen die Ursachen des Glücks realisieren.
Benutzeravatar
Ayu
Schreibt viel
Schreibt viel
Beiträge: 1022
 

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon voom » 17. Februar 2016 10:48

Fliessene Übergänge des Körpers sind etwas langsamer, als die geistigen, aber wir atmen die Luft, die andere ausgeatmet haben, unsere Nahrung besteht teilweise aus dem Körper von Tieren, oder aus Pflanzen, die sich teilweise von unseren Ausscheidungen oder von denen von Tieren ernährt haben usw. In der Sexualität verschmelzen Körper, die äußerste Schicht der Körperflüssigkeiten vermischt sich. (u.a. deswegen ist Sexualität auch ein mögliches Mittel für Transformation, weil es die Aufhebung der Grenzen direkt erfahrbar macht) Aber natürlich läßt der Körper auch Getrenntheit stark erfahren, daher sind unter verkörperten Wesen ja bestimmte Störgefühle sehr stark ausgeprägt.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

(Dilgo Khyentse Rinpoche)
Benutzeravatar
voom
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 4881
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Mystiker

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Ayu » 17. Februar 2016 10:50

Es ist halt durch Abhängiges Entstehen alles verbunden, aber es ist nicht "eins". Ich hab extra unseren Geshe gefragt. Mein Karma ist nicht exakt Dein Karma. Aber sicherlich ist es irgendwo verbunden. :)

Mögen alle Wesen die Ursachen des Glücks realisieren.
Benutzeravatar
Ayu
Schreibt viel
Schreibt viel
Beiträge: 1022
 

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sprite » 17. Februar 2016 17:52

Hallo,

erstmal danke für die spannenden Beiträge.

Der Post von voom mit dem Fluss kann ich so unterstreichen, ist auch meine Wahrnehmung.

Dann:

Das Loslassen aller Konzepte. Immer und immer wieder. Solange bis man das "andere Ufer der Weisheit" (Herzsutra) erreicht hat


Und wer ist dann "man" wenn kein Konzept mehr da ist, dass "man" definiert?


Stichwort Bewusstsein: Wo ist das Bewusstsein, wenn Du bewusstlos bist? Wo bist "Du" in Narkose, im Tiefschlaf? Bist Du "weg"? Und wo kommst Du dann wieder her, wenn Du aufwachst?
Wenn "Bewusstsein" eine beständige, unveränderliche Größe wäre, dann dürfte es Narkose und Tiefschlaf so nicht geben...


Das sind sehr gute Fragen und die habe ich mir selbst lange gestellt. Buddhistisch gesehen hatte ich lange Zeit die selbe Meinung. Aber nach Tagen der Meditation fand ich eine Antwort, die ich später dann von Shankara (Advaita) bestätigt bekommen habe...und dies schien mir sehr logisch:

Der Fakt, dass du im Tiefschlaf keine Objekte und Nichts wahrgenommen hast, spricht eben für Bewusstsein und nicht dagegen. Warum? Da du (Bewusstsein) ja bezeugst, dass du geschlafen hast. Hier gibt es eben Schlaf mit Objekten (Traum) und Schlaf ohne Objekte (Tiefschlaf). Beides kann bezeugt werden, wenn du bewusst bist.

Ich persönlich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, dass dein physischer Körper im Schlaf nicht mehr materialisiert ist. Das ist natürlich sehr gewagt. Aber für mich ist es ganz klar ersichtlich, dass ich nicht überprüfen kann, wenn ich in einer Schlafphase bin, ob da überhaupt noch ein Körper in einem Bett liegt. Ein anderer könnte dies bezeugen (meine Frau oder so) aber natürlich erst wieder, wenn ich wach wäre. Aber dann ist mein Körper auch mir (dem Bewusstsein) wieder präsent. Und was davor geschehen ist, müsste ich blind glauben.
Post ist nur eine Facette/Sichtweise.
Benutzeravatar
Sprite
Themenstarter
Angekommen
Angekommen
Beiträge: 82
 
Buddh. Richtung: Zen/Dzogchen/Taoismus
Gender: Männlich

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon voom » 17. Februar 2016 18:07

Die Idee mit dem Schlaf und dem Körper ist aus meiner Sicht höchsten philosophisch relevant. Es gibt ja noch viele Grenzbereiche zwischen Schlaf und Wachen, wo man beide Ebenen gleichzeitig wahrnimmt. Ausserdem könnte man eine Kamera aufstellen und sich auf anderen Zeugen beziehen - dann kann man irgendwann ja doch von einer gesicherten Beweislage ausgehen. ;)
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

(Dilgo Khyentse Rinpoche)
Benutzeravatar
voom
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 4881
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Mystiker

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon om.a » 17. Februar 2016 20:07

Z.B.:

Es gibt Materie, damit ich durch diese lernen kann, das
"Nichtvorhandensein"
Angstfrei zu ertragen.
=
ES gibt ETWAS, -
um das Nichts als
GEGEBEN
verstehen zu können.
(Mich faszinieren die aktuellen Berichte über "Gravitationswellen".)

Das füllt für mich den Begriff "Buddhistische Lehre/Leere".
:wave:
om.a
Sehr aktiv
Sehr aktiv
Beiträge: 554
 

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sprite » 17. Februar 2016 20:51

Die Idee mit dem Schlaf und dem Körper ist aus meiner Sicht höchsten philosophisch relevant.


Ja. Es erweitert die Grenzen der Realität.

Ausserdem könnte man eine Kamera aufstellen und sich auf anderen Zeugen beziehen - dann kann man irgendwann ja doch von einer gesicherten Beweislage ausgehen. ;)


Nein, denn dann sind es höchstens Indizien. Ein tatsächlicher Beweis oder ein Fakt wäre für mich hier und jetzt überprüfbar. Zeugenaussagen oder Videoaufnahmen sind dies nicht. Ich muss daran glauben. Meine Logik unterstützt mich dabei.

Doch was findet tatsächlich im hier und jetzt statt? Ich höre Worte und sehe Bilder. Ich nehme meinen Körper war. Aber ich habe keine Möglichkeit, meinen Körper, vor sagen wir mal 3 Stunden wahrzunehmen. Ich kann es mir lediglich logisch zurechtschustern.
Post ist nur eine Facette/Sichtweise.
Benutzeravatar
Sprite
Themenstarter
Angekommen
Angekommen
Beiträge: 82
 
Buddh. Richtung: Zen/Dzogchen/Taoismus
Gender: Männlich

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon Sherab Yönten » 18. Februar 2016 08:05

Sprite hat geschrieben:Und wer ist dann "man" wenn kein Konzept mehr da ist, dass "man" definiert?


Hier scheitern wohl alle weiteren intellektuellen Erklärungen.

Alles weitere ist nur in der Meditation erfahrbar oder vielleicht auch durch regelmäßige Rezitation von "Leerheits - Sutras" wie dem Herzsutra. Solch eine Rezitation hat ja durchaus auch meditativen Charakter.
"Im Buddhismus gibt es keinen Punkt. Im Buddhismus gibt es immer ein weil."

(Dagyab Rinpoche)
Benutzeravatar
Sherab Yönten
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 2178
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Wer folgt der buddhistischen Lehre?

Beitragvon asoka » 18. Februar 2016 12:11

Das Thema des Thread allein schon ist ein koan und würde sich lohnen darüber zu meditieren. :meditieren:

Gruss asoka
asoka
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1746
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Gender: Männlich


Zurück zu A n f ä n g e r g e i s t - Fragen und Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

cron