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Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon voom » 24. Juli 2015 11:47

Es ist immer die gleiche Welt, mit anderen Augen gesehen. Nur das eigene Bewusstsein ändert sich, die Welt nicht.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Sherab Yönten » 24. Juli 2015 12:48

Ja und ? Habe ich was anderes geschrieben ? Das eigene Bewusstsein ändert sich, genau. Den Geist muss man aber trainieren, damit sich das Bewusstsein ändert. Ohne eine Schulung des Geistes tut sich gar nichts.
"Im Buddhismus gibt es keinen Punkt. Im Buddhismus gibt es immer ein weil."

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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon asoka » 24. Juli 2015 13:14

Sherab Yönten hat geschrieben:Ja und ? Habe ich was anderes geschrieben ? Das eigene Bewusstsein ändert sich, genau. Den Geist muss man aber trainieren, damit sich das Bewusstsein ändert. Ohne eine Schulung des Geistes tut sich gar nichts.



Das Bewusstsein ändert sich weil eben der Geist sich ständig ändert.
Arbeitet man mit dem Geist ändert man diesen in eine Richtung wo man diesen haben möchte somit das Bewusstsein.

Daher ist es falsch zu sagen ohne Schulung des Geistes tut sich nichts.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Sherab Yönten » 24. Juli 2015 13:20

asoka hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:Ja und ? Habe ich was anderes geschrieben ? Das eigene Bewusstsein ändert sich, genau. Den Geist muss man aber trainieren, damit sich das Bewusstsein ändert. Ohne eine Schulung des Geistes tut sich gar nichts.



Das Bewusstsein ändert sich weil eben der Geist sich ständig ändert.
Arbeitet man mit dem Geist ändert man diesen in eine Richtung wo man diesen haben möchte somit das Bewusstsein.

Daher ist es falsch zu sagen ohne Schulung des Geistes tut sich nichts.



Äh - nein. Bewusstsein und Geist ist das gleiche.
Der buddhistische Ausdruck für Bewusstsein ist Geist.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon asoka » 24. Juli 2015 13:30

Für mich ist Bewusstsein zu erkennen alles geht vom Geist aus.
Daher für mich nicht das selbe.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon voom » 24. Juli 2015 13:58

Es ist auch nicht richtig, dass der buddhistische Ausdruck für Bewusstsein "Geist" sei. Allein die Tibeter sind sehr differenziert mit ihren Begriffen für verschiedene Aspekte des Geistes. Ein Schlüsseltext heisst Namshe-Yeshe - die Unterscheidung von Bewusstsein und Weisheit. Zwei Aspekte des "Geistes".

Im Englischen wird das evtl. leichter deutlich:

"Namshé is a consciousness that is limited, separated or disconnected. We are now in this consciousness which is full of confusion and disturbances. But yeshe and namshe, wisdom and confusion, are two aspects of the mind. Therefore, even if we wanted to, we could not get rid of the emotions, we can neither stop them, nor give them up." Jigme Rinpoche - http://www.jigmela.org/words/two-faces.htm

Namshe und Yeshe - Bewusstsein und Weisheit - Verwirrung und Erleuchtung - sind zwei Aspekte des Geistes ("mind").

Consciousness (Bewusstsein) ist ein Teilaspekt, mind (Geist) ist der Oberbegriff.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Sherab Yönten » 24. Juli 2015 14:44

voom hat geschrieben:Es ist auch nicht richtig, dass der buddhistische Ausdruck für Bewusstsein "Geist" sei. Allein die Tibeter sind sehr differenziert mit ihren Begriffen für verschiedene Aspekte des Geistes. Ein Schlüsseltext heisst Namshe-Yeshe - die Unterscheidung von Bewusstsein und Weisheit. Zwei Aspekte des "Geistes".

Im Englischen wird das evtl. leichter deutlich:

"Namshé is a consciousness that is limited, separated or disconnected. We are now in this consciousness which is full of confusion and disturbances. But yeshe and namshe, wisdom and confusion, are two aspects of the mind. Therefore, even if we wanted to, we could not get rid of the emotions, we can neither stop them, nor give them up." Jigme Rinpoche - http://www.jigmela.org/words/two-faces.htm

Namshe und Yeshe - Bewusstsein und Weisheit - Verwirrung und Erleuchtung - sind zwei Aspekte des Geistes ("mind").

Consciousness (Bewusstsein) ist ein Teilaspekt, mind (Geist) ist der Oberbegriff.



Verstehe ich nicht. Rinpoche spricht auch immer von verschiedenen Bewusstseinsarten. Also vom subtilsten Bewusstsein über subtiles Bewusstsein bis hin zu grobem Bewusstsein. Ich habe noch nie gehört, dass er Geist und Bewusstsein so unterschieden hat, wie Du.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon voom » 24. Juli 2015 15:46

Natürlich kann man auch noch viele Bewusstseinsarten und -ebenen unterscheiden. Aber Geist (mind) als Oberbegriff umfasst noch viele andere Aspekte als die Bewusstseinsarten. Das ist "auf buddhistisch" nicht anders als im Deutschen oder Englischen.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Karma Pema » 24. Juli 2015 17:36

Sprich, das Aussteigen aus dem Leidenskreislauf so lange hinauszuzögern, bis
nicht nur ich, sondern auch alle anderen fühlenden Wesen befreit sind.


aus dem Diamantsutra :
Und wenn die nicht zu zählende, unermessliche, unendlich große Anzahl der Wesen befreit ist, denken wir nicht, dass auch nur ein einziges Wesen befreit ist

Thich Nhat Hanh :

"Das ist der erste Blitzstrahl. Der Buddha dringt sofort zum Herzen der Prajnaparamita vor - er zeigt uns das Prinzip der Nicht - Form. Er erklärt, dass ein "getreulich Übender" allen Wesen in einer natürlichen, ungezwungenen Weise hilft, dass er nicht unterscheidet zwischen der Person, die hilft, und der, der geholfen wird. Wird unsere linke Hand verletzt, so kümmert sich unsere rechte sofort um sie. Sie hält nicht inne und sagt : Ich kümmere mich um dich. Mein Mitgefühl wird dir zugute kommen.
Die rechte Hand weiß sehr gut, dass die linke Hand auch die rechte ist. Es gibt keinen Unterschied zwischen ihnen. Das ist das Prinzip der wechselseitigen Durchdringung, der Verwobenheit und Abhängigkeit aller Dinge...
Unsere rechte Hand ist eine wahre Bodhisattva, denn sie unterscheidet nicht zwischen sich und unserer linken Hand...

Warum ist das so ? Wenn, Subhuti, ein Bodhisattva an der Vorstellung festhält, dass ein Selbst, eine Person, ein Lebewesen oder eine Lebensspanne existiere, dann ist er kein echter Bodhisattva

...unsere Vostellung von einem Selbst entsteht, wenn wir Vorstellungen von Dingen haben, die Nicht-Selbst sind. Wir benutzen das Schwert der begrifflichen Unterscheidung, teilen die Wirklichkeit in Stücke und nennen den einen Teil "Ich" und der Rest "Nicht - Ich".
Ebenso wie "Selbst" aus Nicht-Selbst Elementen besteht, besteht auch "Person" nur aus Nicht-Person-Elementen - aus Sonne, Wolken, Weizen, Raum und so weiter. Dank dieser Elemente gibt es etwas, das wir Person nennen.

Karma Pema :
diese Elemente sind wie unsere rechte Hand. Nur wir sind "anders" und tun so als könnten wir uns durch Abgrenzung davon distanzieren und uns zu etwas besonderes machen, dabei sind wir diese Elemente. Wir sind nicht existent. Wir sind ein Konglometat dieser Elemente. Sie wirken in uns und wir bemerken das nichtmal.
Daher sollten wir selbst zu einer rechten Hand werden, das wäre angemessen. Das wäre realistisch. Eine realistische Einstellung zur Wahrheit.

ich beobachte jetzt so oft wie ich daran denke meine Hände und versuche nicht besser zu sein als ein Baum oder eine Wolke

Gute Wünsche,
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Klara » 29. Juli 2015 13:14

Buddhazork hat geschrieben:Hallo Leute,

ich habe des öfteren Angst vor dem Tod. Ich würde sogar soweit gehen es als krankhaft zu beschreiben. Ich habe in nahezu jeder Sekunde meines Lebens Angst zu sterben oder wichtige Menschen zu verlieren und das führt oft dazu, dass ich mir Krankheitssymptome einbilde und mir Sorgen über Sachen mache die eigentlich völlig unnötig sind. Ein weiterer Aspekt ist auch noch, dass ich Angst vor einem Leben nach dem Tod habe. Also, dass ich vielleicht in die Hölle komme weil ich nicht an eine bestimmte Religion glaube, auch wenn ich das für sehr unwahrscheinlich halte, aber dennoch bin ich mir nie zu 100% sicher und das macht mich fertig. Meine Frage ist nun: Wie ist dieses Problem aus buddhistischer Sicht zu handhaben. Wie kann ich diese Angst vor dem Tod selbst und vor allem vor einem schlimmen Leben nach dem Tod (Hölle) loswerden? Ich frage das hier weil ich mitbekommen habe, dass praktizierende Buddhisten keine Angst oder Sorge vor Tod, Krankheit oder Verlust haben.

Ich hoffe sehr ihr könnt mir helfen! LG Buddhazork!


Ich bin Christin und habe lange Zeit unter Ängsten, wie Du sie beschreibst, gelitten.
Aus die Maus ! Im Gegenteil . . . je näher nun der letzte Schnapper rückt, umso
besser geht es mir.
Diesem Empfinden geht eine lange, sehr lange Zeit der geistigen und spirituellen
Entwicklung voraus, denn die Dogmen der theistischen Religion helfen da nicht wirklich
weiter !

In mein Herz ist eingeschrieben:
"In dieser Welt habe ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden"
Jesus

"Das was ihr sät, werdet ihr ernten"
Dies ist Gesetz und die Hölle oder Himmel schaffe ich mir schon hier
im Diesseits wie im Jenseits.

Der Tod ist der Beginn in ein anderes Leben, eine Hülle fällt ab, mehr nicht.
Deine Geburt hier hinein, war ebenfalls der Beginn in ein anderes Leben.
Lass Dich einfach überraschen.

herzlichst, Klara
Es kursiert das Gerücht, ich hätte Gott gefunden. Ich denke, das ist unwahrscheinlich, weil ich genug Schwierigkeiten habe, meine Schlüssel zu finden; und es gibt empirische Beweise, dass diese existieren."
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Igor » 4. August 2015 11:58

Ich habe die vorherige Beiträge kurz überflogen. So. Man sollte nicht den Tod überwinden, das ist auch das Leben per se, eigens.
Nur die andere Seite. Wie Tag und Nacht. Sie sind unzertrennlich.
Aber gibt es noch einen anderen sehr wichtigen Aspekt. Genau die Unausweichlichkeit, die Unvermeidlichkeit des Todes macht das Leben so wertvoll und einzigartig. Der Tod verleiht oder vermitelt dem Leben wie die höchste Dimnsion, wie das Aroma.
Die Blumen blühen und dann sie verwelken. Diese Vergänglichkeit im allem erschafft genau diese tief in mir verborgene Ehrfurcht....von dem Wunder des Lebens.

Schuaut die echte Perle : der Film "The tree of life". Genau über das.


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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Magnetar » 5. August 2015 09:32

Igor hat geschrieben:Man sollte nicht den Tod überwinden, das ist auch das Leben per se, eigens.
Nur die andere Seite. Wie Tag und Nacht. Sie sind unzertrennlich.

Deswegen sollte man beide überwinden. Nur das, was lebt, ist dem Tode unterworfen. Aber das, was lebt, bin nicht "ich".
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Karma Pema » 5. August 2015 22:54

Namaste

mir ist schön was Igor schrieb. Wenn man so mit den Texten beschäftigt ist, kann das Denken komische Wege gehen.
Die Kostbarkeit des Lebens zu verinnerlichen, die kostbare Menschengeburt - welches Verstehen der erste Schritt auf dem Weg darstellt, steht im Gegensatz dazu, den Tod oder das Leben zu überwinden.
Jeden Augenblick bewußt wahr zu nehmen ist doch die echte Kunst des Lebens, nicht des Überwindens.
Den Gedanken, das ich nicht ich bin wie ich mich auf anfänglicher Ebene betrachte, sollte nicht dazu dienen mich zu überwinden, sondern störende hinderliche Schwierigkeiten, die bei der bewußten Wahrnehmung den Blick auf den Augenblick verschleiern, auf das eigentliche Leben.
Für mich sollte es nicht nicht darum gehen irgendetwas zu überwinden sondern im Gegenteil, alles als wertvoll zu betrachten.
Und dies auch der Tod.

Gute Wünsche,
Karma Pema
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Magnetar » 6. August 2015 08:17

Karma Pema hat geschrieben:Die Kostbarkeit des Lebens zu verinnerlichen, die kostbare Menschengeburt - welches Verstehen der erste Schritt auf dem Weg darstellt, steht im Gegensatz dazu, den Tod oder das Leben zu überwinden.

Leben und Tod zu überwinden, bedeutet für mich, nicht mehr daran zu leiden. Die Menschengeburt ist nur deshalb so kostbar, weil sie die Möglichkeit dieser Überwindung (Befreiung) bietet.

Karma Pema hat geschrieben:Jeden Augenblick bewußt wahr zu nehmen ist doch die echte Kunst des Lebens, nicht des Überwindens.

Das bewusst Wahrgenommene muss aber auch verstanden werden (als Nicht-Ich etc.), sonst gibt es kein Ende des Leidens.

Karma Pema hat geschrieben:Den Gedanken, das ich nicht ich bin wie ich mich auf anfänglicher Ebene betrachte, sollte nicht dazu dienen mich zu überwinden, sondern störende hinderliche Schwierigkeiten, die bei der bewußten Wahrnehmung den Blick auf den Augenblick verschleiern, auf das eigentliche Leben.

Die "störenden hinderlichen Schwierigkeiten" (das Leiden) gibt es solange, wie das "eigentliche Leben" nicht verstanden und damit (durch Nicht-Anhaften) überwunden wurde.

Karma Pema hat geschrieben:Für mich sollte es nicht nicht darum gehen irgendetwas zu überwinden sondern im Gegenteil, alles als wertvoll zu betrachten.

Die Überwindung des Leidens ist der Sinn der Lehre des Buddha. Was dabei hilft, sollte als wertvoll betrachtet werden. Was daran hindert, sollte als wertlos betrachtet werden.

Karma Pema hat geschrieben:Und dies auch der Tod.

Ja, wenn man ihn auf angemessene Weise betrachtet.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon voom » 6. August 2015 11:38

Zwischen Euren Positionen steht die tantrische Idee, das Leiden zu überwinden, indem man Nicht-Ich erkennt, um dann aber das Leben als Nirvana erfahren zu können. Wenn man es sich zu früh zu bequem macht, erreicht man das Ziel nicht, alles wirklich als wertvoll zu erleben. Man bleibt dann innerhalb der Illusion gefangen. Im Dzogchen kann diese "Bequemlichkeit" noch leichter als Stolperstein auftreten, daher wird darum so ein Tamtam gemacht. Die tantrische Wirklichkeit oder der natürliche Zustand sind einerseits "ganz einfach" aber deswegen schwer zu erreichen, weil unser Geist es sich unzählige Inkarnationen lang so kompliziert gemacht hat, dass wir "einfach" gar nicht mehr einfach so können.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Tobias » 6. August 2015 13:26

voom hat geschrieben:Zwischen Euren Positionen steht die tantrische Idee, das Leiden zu überwinden, indem man Nicht-Ich erkennt, um dann aber das Leben als Nirvana erfahren zu können. Wenn man es sich zu früh zu bequem macht, erreicht man das Ziel nicht, alles wirklich als wertvoll zu erleben. Man bleibt dann innerhalb der Illusion gefangen. Im Dzogchen kann diese "Bequemlichkeit" noch leichter als Stolperstein auftreten, daher wird darum so ein Tamtam gemacht. Die tantrische Wirklichkeit oder der natürliche Zustand sind einerseits "ganz einfach" aber deswegen schwer zu erreichen, weil unser Geist es sich unzählige Inkarnationen lang so kompliziert gemacht hat, dass wir "einfach" gar nicht mehr einfach so können.


Hier finde ich die Trennung zwischen Dzogchen und Tantra unpassend.
Dzogchen ist der natürliche Zustand. Das was du als Tantra erklärst ist Dzogchen oder Mahamudra. Ich finde dieses Posting verwirrt mehr als es aufklärt. Im natürlichen Zustand gibt es keine Trägheit. Deshalb ist eine Trägheit ein anzeichen, dass der natürliche Zustand nicht verwirklicht wurde. Diese fehlende Trägheit aber zu erkennen ist sehr schwer. Denn ein aktionismus ist auch unnötig

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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Magnetar » 6. August 2015 13:27

voom hat geschrieben:Zwischen Euren Positionen steht die tantrische Idee, das Leiden zu überwinden, indem man Nicht-Ich erkennt, um dann aber das Leben als Nirvana erfahren zu können.

Wenn das Nicht-Ich erkannt und das Leiden überwunden ist, wird das Leben ja automatisch "aus befreiter Sicht" erfahren. Und dann besteht natürlich auch keine Notwendigkeit mehr, die Sinne zu zügeln oder sich in Tugend zu üben, denn durch die Befreiung hat die Welt endgültig aufgehört, eine "Versuchung" zu sein.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Tobias » 6. August 2015 13:31

Magnetar hat geschrieben:
voom hat geschrieben:Zwischen Euren Positionen steht die tantrische Idee, das Leiden zu überwinden, indem man Nicht-Ich erkennt, um dann aber das Leben als Nirvana erfahren zu können.

Wenn das Nicht-Ich erkannt und das Leiden überwunden ist, wird das Leben ja automatisch "aus befreiter Sicht" erfahren. Und dann besteht natürlich auch keine Notwendigkeit mehr, die Sinne zu zügeln oder sich in Tugend zu üben, denn durch die Befreiung hat die Welt endgültig aufgehört, eine "Versuchung" zu sein.


Das ist genau das was mit der tantrischen realittä oder Dzogchen gemeint ist. Jedoch gibt es im Dzogchen/Tantra dennoch die Anweisung sich besonders tugendhaft zu verhalten auch wenn diese Sicht verwirklicht wurde, nämlich von Padmasambhava

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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon voom » 6. August 2015 13:46

Tobias hat geschrieben:Hier finde ich die Trennung zwischen Dzogchen und Tantra unpassend.
Dzogchen ist der natürliche Zustand. Das was du als Tantra erklärst ist Dzogchen oder Mahamudra. Ich finde dieses Posting verwirrt mehr als es aufklärt.

Der Unterschied zwischen der tantrischen Wirklichkeit und dem natürlichen Zustand ist, dass die tantrische Wirklichkeit als etwas angesehen wird, das man üben muss um es herzustellen, es ist ein Transformationsprozess der mit der Annahme beginnt, dass es etwas zu transformieren gibt. Der natürliche Zustand ist wie der Name schon sagt, die Grundannahme, dass es schon so ist und ich es nur noch erfahren muss. Der Unterschied erscheint subtil, aber durch die Art der Grundannahme ist die Gefahr beim Dzogchen grösser, sich der Illusion hinzugeben man wäre schon am Ziel. Darauf wollte ich hinaus.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon voom » 6. August 2015 13:48

Magnetar hat geschrieben:Wenn das Nicht-Ich erkannt und das Leiden überwunden ist, wird das Leben ja automatisch "aus befreiter Sicht" erfahren. Und dann besteht natürlich auch keine Notwendigkeit mehr, die Sinne zu zügeln oder sich in Tugend zu üben, denn durch die Befreiung hat die Welt endgültig aufgehört, eine "Versuchung" zu sein.

Dem stimme ich durchaus zu. Nur dass es auf dem "Weg der Identifikation" die Methode ist, sich mit dieser befreiten Wahrnehmung zu identifizieren, so dass man sich nicht zwangsläufig erstmal aus dem Leben zurückziehen muss.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Magnetar » 7. August 2015 20:59

Tobias hat geschrieben:
Magnetar hat geschrieben:Wenn das Nicht-Ich erkannt und das Leiden überwunden ist, wird das Leben ja automatisch "aus befreiter Sicht" erfahren. Und dann besteht natürlich auch keine Notwendigkeit mehr, die Sinne zu zügeln oder sich in Tugend zu üben, denn durch die Befreiung hat die Welt endgültig aufgehört, eine "Versuchung" zu sein.


Das ist genau das was mit der tantrischen realittä oder Dzogchen gemeint ist. Jedoch gibt es im Dzogchen/Tantra dennoch die Anweisung sich besonders tugendhaft zu verhalten auch wenn diese Sicht verwirklicht wurde, nämlich von Padmasambhava

Was wird denn unter "besonders tugendhaft" verstanden? In den Lehrreden des Palikanons werden bestimmte Dinge aufgelistet, die ein Befreiter nicht mehr tun kann (z. B. Töten, Lügen oder Sex haben). In diesem Punkt sind also keine Anweisungen bzw. Anstrengungen mehr nötig, da es für so jemanden natürlich ist, d. h. es ist kein Verzicht.

voom hat geschrieben:
Magnetar hat geschrieben:Wenn das Nicht-Ich erkannt und das Leiden überwunden ist, wird das Leben ja automatisch "aus befreiter Sicht" erfahren. Und dann besteht natürlich auch keine Notwendigkeit mehr, die Sinne zu zügeln oder sich in Tugend zu üben, denn durch die Befreiung hat die Welt endgültig aufgehört, eine "Versuchung" zu sein.

Dem stimme ich durchaus zu. Nur dass es auf dem "Weg der Identifikation" die Methode ist, sich mit dieser befreiten Wahrnehmung zu identifizieren [...]

Die "Sicht", die ich meine, muss eingeübt werden bis sie schließlich ungetrübt ist und dadurch stark genug, ihre befreiende Wirkung zu entfalten (was schrittweise geschieht). Erst von da an ist sie "natürlich", d. h. unverlierbar (ab dem Stromeintritt).

Diese "befreiende Sicht" entspricht dem Glied "rechte Erkenntnis" des achtfachen Pfades, was, salopp formuliert, bedeutet, dass man das Licht am Ende des Tunnels sieht, woraus sich automatisch bzw. "natürlich" die Marschrichtung (also auch die anderen Pfadglieder) ergibt.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon voom » 8. August 2015 14:34

Magnetar hat geschrieben:Was wird denn unter "besonders tugendhaft" verstanden? In den Lehrreden des Palikanons werden bestimmte Dinge aufgelistet, die ein Befreiter nicht mehr tun kann (z. B. Töten, Lügen oder Sex haben). In diesem Punkt sind also keine Anweisungen bzw. Anstrengungen mehr nötig, da es für so jemanden natürlich ist, d. h. es ist kein Verzicht.

Heisst es da wirklich "kann"? Vor allem finde ich die Auflistung "Töten, Lügen, Sex haben" seltsam in der Zusammenstellung. Für mich würde da "sexuelles Fehlverhalten" hingehören. Dass es kein Verzicht mehr wäre, dass man es nicht braucht - damit bin ich einverstanden. Dass man es aber nicht mehr kann, das wird zumindest im Mahayana ganz anders dargestellt. Manchmal ist Lügen Ausdruck von Mitgefühl und Weisheit, Sexualität kann eine spirituelle Methode sein. Aus Mahayana-Sicht ist da die Absicht (unter anderem) gewichtiger als die Handlung an sich, wenn es um Handlungen geht, die man auch neutral betrachten kann.
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Re: Wie überwindet man die Angst vor dem Tod?

Beitragvon Magnetar » 8. August 2015 16:54

voom hat geschrieben:Heisst es da wirklich "kann"?

Es heißt "kann nicht", "nicht imstande", "Unmöglichkeiten", "unmögliche Fälle".

voom hat geschrieben:Vor allem finde ich die Auflistung "Töten, Lügen, Sex haben" seltsam in der Zusammenstellung. Für mich würde da "sexuelles Fehlverhalten" hingehören.

Ich sehe was Du meinst, denn es war ja von Tugend die Rede und Sex als solcher ist natürlich nicht untugendhaft. Bei diesen "Unmöglichkeiten" geht es jedoch nur teilweise um "Tugend". Darauf hätte ich vielleicht hinweisen sollen bzw. das Beispiel weglassen sollen.

voom hat geschrieben:Dass man es aber nicht mehr kann, das wird zumindest im Mahayana ganz anders dargestellt. Manchmal ist Lügen Ausdruck von Mitgefühl und Weisheit, Sexualität kann eine spirituelle Methode sein. Aus Mahayana-Sicht ist da die Absicht (unter anderem) gewichtiger als die Handlung an sich, wenn es um Handlungen geht, die man auch neutral betrachten kann.

Es geht durchaus um die Absicht, die ja der Buddha mit dem Wirken/Karma gleichsetzt. Der Befreite ist ja nicht körperlich daran gehindert, diese Dinge zu tun, sondern er kann es nicht mehr wollen.
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