Andere buddhistische Foren in Deutschland,
in denen wir aktiv sind:
Tibet. Zentrum Hamburg forum.tibet.de
Buddhaland - Ein Portal für Buddhismus

Zornvolle Buddhas

Einfache Fragen und Antworten (nicht nur) für Buddhismus-Neulinge

Zornvolle Buddhas

Beitragvon Ayu » 1. September 2015 16:02

Sogenannte zornvolle Gottheiten schützen ja vor Hindernissen, beschützen ganz allgemein gesagt den Dharma.
Ihr Erscheinungsbild interpretieren manche als Ausdruck wirklichen Ärgers, der "in den Pfad geholt" wurde. Ich glaube das irgendwie nicht, dass ein Buddha echt ärgerlich sein kann - und daher mag ich lieber die Übersetzung "kraftvoll" statt "zornvoll".

Ist die Auslegung, wie man die Gottheit wahrnimmt, eher eine persönliche Sache? Wie empfindet Ihr, die Ihr einen Bezug zu einer zornvollen Gottheit habt, diesen Geist? Ist das Ärger? Oder ist es ausschließlich Mitgefühl, das sich nur sehr energisch äußert?

Mögen alle Wesen die Ursachen des Glücks realisieren.
Benutzeravatar
Ayu
Themenstarter
Schreibt viel
Schreibt viel
Beiträge: 1022
 

Re: Zornvolle Buddhas

Beitragvon Tobias » 1. September 2015 16:21

Ayu hat geschrieben:Ich glaube das irgendwie nicht, dass ein Buddha echt ärgerlich sein kann - und daher mag ich lieber die Übersetzung "kraftvoll" statt "zornvoll".

Ist die Auslegung, wie man die Gottheit wahrnimmt, eher eine persönliche Sache? Wie empfindet Ihr, die Ihr einen Bezug zu einer zornvollen Gottheit habt, diesen Geist? Ist das Ärger? Oder ist es ausschließlich Mitgefühl, das sich nur sehr energisch äußert?


Also ich habe noch keine Ermaechtigung in einen zornvollen buddha. Das werde ich neujahr wahrscheinlich nachholen. Ich meditiere im Rahmen des Traumyoga jedoch oft über Zorn. Dort wird er mithilfe eines Tigle. Ich denke in der Essenz ist es das gleiche wie bei einem zornvollen buddha.

Wenn ich über diesen Zorn meditiere geht es eher um die Qualitaet einer Aktivitaet. Also um "das Aktive" an sich. So wurde es mir im Traumyoga geschildert. Es geht also um die Essenz der Aktivitaet die grenzenlos sein kann und auch ziellos. Zorn ist nur ein Ausdruck von Aktiivitaet.

Off Topic
Ich finde aber die Vajrayana Aussagen zu den Qualitaeten eines buddha auch oft sehr übertrieben. Alles ist irgendwie "grenzenlos" buddha des grenzenlosen Mitgefühls buddha des grenzenlosen Lichts usw. Ich denke, auch einem buddha oder der Dakini sind grenzen gesetzt naemlich in der Weise, dass er den willen eines anderen nicht beeinflussen kann.


Nach meinem Verstaendnis kann ein buddha natürlich zornvoll sein. Der buddha ist in der Lage mit jedem Gefühl umzugehen in der Essenz. Auch eine Transformation des Zorns ist im Sinne einer korrekten tantrischen aktivitaet nicht nötig. Wenn man sich also voll dem Zorn hingibt und die Essenz erkennt kann man Erleuchtung finden.

Liebe Grüße
Tobias
Wir sind das, was wir denken. Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt. Sprich und handle mit reiner Gesinnung Und Glück wird dir folgen, wie dein unteilbarer Schatten.
Buddha Gautama


Labyrinth - Mehrgenerationenwohnen Transreligiöses Spirituelles Gemeinschaftswohnen
Benutzeravatar
Tobias
Admin AD
Admin AD
Beiträge: 1503
 
Buddh. Richtung: Rime, Dzogchen, Mahamudra - mit großem Respekt vor Theravada und Zen
Gender: Männlich
Wohnort: Fahretoft

Re: Zornvolle Buddhas

Beitragvon voom » 1. September 2015 17:08

Meiner Erfahrung nach ist da kein Zorn im herkömmlichen Sinne. Keine Verärgerung wie wir uns das vorstellen. Es wird einfach getan, was getan werden muss. Motiviert von Mitgefühl. Wenn dabei "Ärger" ausgedrückt wird, so ist dieser spürbar "leer", da ist halt kein Ego.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

(Dilgo Khyentse Rinpoche)
Benutzeravatar
voom
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 4881
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Mystiker

Re: Zornvolle Buddhas

Beitragvon Magnetar » 1. September 2015 18:05

Innerlich auf irgendeine Weise zu "kochen" ist nach meinem Verständnis unvereinbar mit Befreiung bzw. Buddhaschaft. Das Feuer der Leidenschaften ist aus. Alles andere wäre nicht Nirvana. Ich denke, man kann sich kraftvoll und auch mal laut äußern, ohne innerlich irgendwie zu "brennen" - einfach, weil man mit "süßer Stimme" nicht jeden erreichen kann.
Magnetar
Angekommen
Angekommen
Beiträge: 77
 
Gender: Männlich

Re: Zornvolle Buddhas

Beitragvon Ayu » 1. September 2015 22:10

Danke für die Antworten. Genau so empfinde ich es auch.
Sonst bin ich ja eigentlich nicht so erpicht darauf, meine Position im Internet unbedingt durchzusetzen, aber in diesem Falle (eine Diskussion in einem anderen Forum), halte ich diesen filigranen Unterschied zwischen "voller Zorn" und "zornvoll" für sehr wichtig.
Da kann ich dann nochmal klarer formulieren, und dann ist es aber auch gut. :)

Mögen alle Wesen die Ursachen des Glücks realisieren.
Benutzeravatar
Ayu
Themenstarter
Schreibt viel
Schreibt viel
Beiträge: 1022
 

Re: Zornvolle Buddhas

Beitragvon Sherab Yönten » 2. September 2015 06:56

Off Topic
@ Tobias, zu dem Aspekt: "Grenzenlosigkeit eines Buddha": Ein Buddha oder Bodhisattva kann nur dann Dharmaunterweisungen geben, solange auch Schüler da sind. Wenn Schüler da sind, die die Voraussetzungen haben, den Dharma zu empfangen (offenes Gefäß), dann ist der Begriff "Grenzenlosigkeit" gerechtfertigt. Wenn keine Schüler mehr da sind, braucht es auch keinen Buddha und Dharma kann nicht weiter gelehrt werden.
"Im Buddhismus gibt es keinen Punkt. Im Buddhismus gibt es immer ein weil."

(Dagyab Rinpoche)
Benutzeravatar
Sherab Yönten
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 2178
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Zornvolle Buddhas

Beitragvon raterZ » 3. September 2015 12:39

zornvoll - gegenüber dämonen. aber nicht ärgerlich, sondern unerbitterlich und ohne gnade, also nicht gerade mitfühlend in ihrer handlung, was mich auch schon öfters mal überrascht hat.
das ding ist, dass genau daraus bei dem praktizierenden eben mitgefühl entsteht, wenn alle dämonen des herzens vertrieben und/oder getötet wurden.
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
Benutzeravatar
raterZ
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1019
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Zornvolle Buddhas

Beitragvon Ayu » 3. September 2015 18:56

raterZ hat geschrieben:zornvoll - gegenüber dämonen. aber nicht ärgerlich, sondern unerbitterlich und ohne gnade, also nicht gerade mitfühlend in ihrer handlung, was mich auch schon öfters mal überrascht hat.

Naja, das Zornvolle richtet sich ja nicht gegen fühlende Wesen in ihrer Gesamtheit, sondern gegen hindernde Aspekte und Prinzipien. Man hätschelt ja nicht das, was schädigt.

das ding ist, dass genau daraus bei dem praktizierenden eben mitgefühl entsteht, wenn alle dämonen des herzens vertrieben und/oder getötet wurden.

Eben.

Mögen alle Wesen die Ursachen des Glücks realisieren.
Benutzeravatar
Ayu
Themenstarter
Schreibt viel
Schreibt viel
Beiträge: 1022
 

Re: Zornvolle Buddhas

Beitragvon raterZ » 3. September 2015 20:49

bin mir da echt unsicher, ob dämonen nicht doch auch fühlende wesen sind ;)
- meine Aussagen bezüglich des Vajrayanas beziehen sich größtenteils auf eigene Erfahrung -
Benutzeravatar
raterZ
Inaktiv
Inaktiv
Beiträge: 1019
 
Buddh. Richtung: Vajrayana

Re: Zornvolle Buddhas

Beitragvon voom » 3. September 2015 21:25

Ich würde mal vermuten, dass es beides gibt - und noch mehr Varianten. So wie die Buddhas sowohl äußere Wesen wie auch Anteile von uns selbst sind, gilt das auch bei den Dämonen. Wenn ich meine inneren Dämonen befriede, transformiere usw. dann können die äußeren Dämonen, so es sie gibt, nicht mehr andocken. Die inneren Dämonen sind die Zugangsportale der äußeren Dämonen zu unserem Energiefeld. Wenn man davon ausgeht, dann ist es egal, ob ich an äußere Dämonen als Wesen glaube oder nicht, weil ich ohnehin am besten alle inneren Türen zumache.

Dann kann ich auch - wenn ich das als meine Mission ansehe - an der Befriedung äußerer Wesen arbeiten, ohne in Gefahr zu geraten von ihnen überwältigt zu werden.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts."

(Dilgo Khyentse Rinpoche)
Benutzeravatar
voom
Schreibt sehr viel
Schreibt sehr viel
Beiträge: 4881
 
Buddh. Richtung: Vajrayana
Mystiker

Re: Zornvolle Buddhas

Beitragvon Ayu » 5. September 2015 10:02

Vergleichbar mit einem Drogensüchtigen:

wenn man dem helfen will, kämpft man gegen die Sucht, nicht gegen den Süchtigen. Die beiden sind nicht getrennt, aber man sollte sie voneinander getrennt erkennen. Die Sucht ist existent. Es ist keine theoretische Einbildung, sondern schweres echtes, reales Leid und ein mächtiger Gegner.
So würde es nichts nützen, diesen Gegner mitleidsvoll zu hätscheln, wie er es wünscht. Die Sucht braucht hartes Paroli, während der Süchtige Mitgefühl und Unterstützung braucht.

Mögen alle Wesen die Ursachen des Glücks realisieren.
Benutzeravatar
Ayu
Themenstarter
Schreibt viel
Schreibt viel
Beiträge: 1022
 

Re: Zornvolle Buddhas

Beitragvon Ayu » 5. September 2015 10:46

raterZ hat geschrieben:zornvoll - gegenüber dämonen. aber nicht ärgerlich, sondern unerbitterlich und ohne gnade, also nicht gerade mitfühlend in ihrer handlung, was mich auch schon öfters mal überrascht hat.


Ayu hat geschrieben:Vergleichbar mit einem Drogensüchtigen:

wenn man dem helfen will, kämpft man gegen die Sucht, nicht gegen den Süchtigen. Die beiden sind nicht getrennt, aber man sollte sie voneinander getrennt erkennen. Die Sucht ist existent. Es ist keine theoretische Einbildung, sondern schweres echtes, reales Leid und ein mächtiger Gegner.
So würde es nichts nützen, diesen Gegner mitleidsvoll zu hätscheln, wie er es wünscht. Die Sucht braucht hartes Paroli, während der Süchtige Mitgefühl und Unterstützung braucht.



Und dann das Dämonenfüttern setzt der paradoxen Funktionsweise ja noch eins drauf. Es ist zwar etwas offtopic, denn Dämonenfüttern ist nicht zornvoll, aber es zeigt sehr schön auf, wie das passieren kann, dass durch eine Maßnahme das augenscheinlich Gegenteilige passiert:
- Der Dämon wird gefragt, was er sich wünscht. Antwort: "Macht!"
- Frage: "Wie wirst Du Dich dann fühlen, wenn Du Macht bekommen hast?"
- Antwort: "Frei."
- Also füttert man den Dämon mit Freiheit - denn das ist sein eigentlicher und unschädlicher Wunsch.
Durch das Füttern löst er sich auf. Er ist befriedet und hat daher gar keine Existenzbegründung mehr als Dämon. Ein Dämon, der nicht schädigt, ist keiner...
- So kommt es, dass der Dämon nicht mächtig wird, sondern verschwindet.

Und so kann es kommen, dass das eigene Mitgefühl durch diese vorher erwähnten zornvollen Maßnahmen des Buddha verstärkt wird und sich entfalten kann. Die hindernden Aspekte sind beiseite geschafft. Ob sie nun wesenhaft oder nur aspekthaft sind, ist für einen selbst eigentlich auch nur wieder eine überflüssige hinderliche Frage. Kuscheltiere sind es eh nicht.

Mögen alle Wesen die Ursachen des Glücks realisieren.
Benutzeravatar
Ayu
Themenstarter
Schreibt viel
Schreibt viel
Beiträge: 1022
 


Zurück zu A n f ä n g e r g e i s t - Fragen und Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

cron